Nachhaltigkeit Stoffwindeln im Test

Sind Stoffwindeln wirklich ökologischer? Und wie klappt das im Alltag? Unsere Autorin hat es ausprobiert.

Von Barbara Vorsamer

Wer Müll vermeiden will, kann sich die Plastiktüte abgewöhnen, festes Shampoo statt Plastikflaschen kaufen oder zu frischem statt zu verpacktem Gemüse greifen. Doch all diese Bemühungen scheinen mir wirkungslos, wenn ich jeden zweiten Tag eine Tüte Windelmüll entsorge.

Ein Baby macht zwischen 4000 und 6000 Windeln voll, bis es gelernt hat, die Toilette zu benutzen. Das entspricht etwa einer Tonne Müll. Volle Windeln machen dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zufolge in manchen Gemeinden zehn Prozent des Restmülls aus. Hier muss sich was einsparen lassen, denke ich. Aber sind Stoffwindeln nicht fürchterlich unpraktisch und nur was für Öko-Extremisten? Wahrscheinlich ein blödes Vorurteil - ich beschließe, es auszuprobieren.

Der erste Schritt: Recherche

Bei Wegwerfwindeln müssen Eltern nur die Auswahl zwischen Markenprodukt und Eigenmarke des jeweiligen Drogeriemarktes treffen, Alternativen sind rar. Gut sortierte Läden warten mit einer "Öko-Alternative" auf, bei der ein Teil des Zellstoffs aus Recyclingmaterial gewonnen wurde.

Bei Stoffwindeln sind die Möglichkeiten schier endlos. Die Infoseite Naturwindeln.de zählt mehr als 300 verschiedene Marken und Produkte auf. Wer sich informieren will, muss erstmal Vokabeln lernen: Zahllose Webseiten vergleichen AIOs (Abkürzung für All-in-Ones) mit Pocketwindeln, lange Texte informieren über Prefolds und Booster (das sind verschiedene Saugeinlagen) und fragen, wie ökologisch es noch ist, wenn einzelne Bestandteile der Stoffwindel doch wieder aus PUL (dem Kunststoff Polyutheran) sind.

Am umweltfreundlichsten erscheint mir die ursprüngliche Methode, dicke Baumwolltücher auf spezielle Weise zu falten und um das Kind zu wickeln (aha, deswegen heißt das so!). Befestigt wurde der Wickel früher meist einfach, indem er festgebunden wurde. Heute gibt es Clips oder Überhosen. Doch diese Methode erfordert viel Zeit, einiges Geschick - und hält nicht zuverlässig dicht. Heutzutage greifen selbst überzeugte Stoffwickler zu Windelsystemen.

Welches System kann was?

Daher an dieser Stelle ein Überblick über die gängigsten Produkte (wer sich genauer einlesen will, kann das hier tun oder sich diese Grafik ansehen):

Es gibt komplizierte Bausatzsysteme, die den Vorteil haben, dass nicht immer alles ausgewechselt und gewaschen werden muss. Das erscheint mir spontan am sinnvollsten, auch, weil ich dann nicht so viele Stoffwindeln kaufen muss. Eine andere Variante ist die Kombination aus einer saugfähigen Windelhose, die mit einer wasserdichten Überhose kombiniert wird.

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Ähnlich funktionieren sogenannte Pocketwindeln. Sie sind wasserdicht. In eine Lasche können eine oder mehrere Einlagen zum Aufsaugen eingelegt werden. Am einfachsten in der Handhabung sind All-in-Ones, also Stoffwindeln, bei denen der saugfähige Teil mit dem wasserdichten fest vernäht ist. Sie müssen einfach nur angezogen werden - dann allerdings auch komplett gewechselt, wenn sie nass sind. Bei dieser Variante fällt am meisten Wäsche an und es werden die meisten Windeln benötigt.

Mein Baby und ich testen das dreiteilige System der Windelmanufaktur, die Kombination aus Windel- und Überhose von Totsbots, Pocketwindeln von Milovia und eine All-in-One von Blueberry. Allerdings kann und soll dieser Test nicht die Frage beantworten, welches die beste Stoffwindel ist. Ich will wissen: Geht das überhaupt? Und: Wie geht das?