Mythos aus der Kälte Mütze oder nicht?

Die meiste Wärme verliert der Körper über den Kopf - stimmt das?

Das Hauptargument, mit dem Eltern im Winter ihre Kinder nötigen eine Mütze aufzusetzen, können diese guten Gewissens ignorieren. Es lautet: Über den unbekleideten Kopf verliert der Körper besonders viel Wärme.

Mützen halten nicht nur warm - sie schmücken auch.

(Foto: Foto: ddp)

Dagegen hilft dann der Hinweis, dass dieser Mythos offenbar einem Überlebens-Handbuch von 1970 für amerikanische Soldaten entsprungen ist. Es machte die Kopfhaut für 40 bis 45 Prozent der Wärmeverluste verantwortlich. Wissenschaftler der Universität Indianapolis, die im British Medical Journal (Bd 337, S. 1443, 2008) Wissenschaftsmythen auf den Grund gehen, nennen eine Militärstudie als Wurzel für diese Fehleinschätzung.

Dafür wurden die Probanden in Arktis-Überlebensanzügen gekleidet und extremer Kälte ausgesetzt. Da die Anzüge den Kopf nicht schützten, ging hier der Großteil der Körperwärme verloren. Wäre das Experiment mit Badeanzügen durchgeführt worden, sagen Experten heute, hätte der Kopf lediglich zehn Prozent der Wärme abgegeben. "Jeder unbedeckte Körperteil verliert Wärme und senkt die Kerntemperatur des Körpers proportional zur Oberfläche", so die Wissenschaftler.

Florian Lipowsky, Arzt an der Universitäts-Hautklinik Kiel, ergänzt: "Besonders schnell kühlen alle Körperpartien aus, die weit vom Rumpf entfernt sind, vor allem Regionen, die häufig nicht bekleidet sind." Also am ehesten Zehen oder Finger, wenn sie nicht entsprechend geschützt sind.

Im Winter ist der Großteil des Körpers allerdings meist gut eingekleidet, sodass Wärme tatsächlich vor allem über den ungeschützten Kopf verloren geht. Um nicht zu frieren, bleibt die Mütze das Mittel der Wahl, auch wenn alte Argumente nicht mehr ziehen.