Von Lars Fischer

Je mehr Sonne Kinder abbekommen, desto geringer ist offenbar ihr Risiko, später an Multipler Sklerose zu erkranken.

Das berichtet ein Forscherteam um den Mediziner Thomas Mack von der Universität von Südkalifornien in der Fachzeitschrift Neurology (Bd. 69, S. 381, 2007). Bei Multipler Sklerose (MS) werden die Hüllen der Nerven durch Entzündungen zerstört. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich eine Überreaktion des Immunsystems, die teils von Erbfaktoren, teils von bisher noch unbekannten Umwelteinflüssen ausgelöst wird.

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Wer als Kind viel Zeit in der Sonne verbracht hat, erkrankt offenbar weniger häufig an der Nervenkrankheit Multiple Sklerose. (© Foto: AP)

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Um genetische Faktoren von anderen Ursachen unterscheiden zu können, untersuchten die Forscher 79 eineiige Zwillingspaare, bei denen nur ein Geschwisterteil von der Krankheit betroffen war.

"In einer früheren Untersuchung mit Zwillingspaaren haben wir beobachtet, dass das Risiko für MS in südlichen Breiten geringer ist", sagt Mack. Das habe den Anstoß für die Studie gegeben.

Um festzustellen, ob das Ergebnis der früheren Studie mit der Sonneneinstrahlung während der Kindheit zusammenhing, wurden die Probanden gefragt, wer von den Zwillingen in der Kindheit mehr Zeit unter freiem Himmel verbracht hatte.

Mehr Vitamin D

Die Wissenschaftler fanden einen deutlichen Zusammenhang zwischen Aufenthalten im Freien und einem verringerten Auftreten des Nervenleidens. Viel Sonnenlicht in der Kindheit senkt demnach das Erkrankungsrisiko um etwa die Hälfte. "Die Studie zeigt, welche Faktoren zu der Krankheit beitragen können und sie hilft uns, ihre Entstehung zu verstehen", sagt der Neurologe Ralf Gold von der Ruhr-Universität Bochum.

Der Grund für die Schutzwirkung des Sonnenlichts ist möglicherweise, dass durch die zusätzliche Sonneneinstrahlung in der Haut mehr Vitamin D gebildet wird, das die Entwicklung des Immunsystems bei Kindern beeinflusst. Ein Mangel an Vitamin D wird mit Multipler Sklerose in Verbindung gebracht.

Gold warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. "Man darf die Studie nicht überinterpretieren. Das MS-Risiko liegt selbst in Familien, in denen diese Anlage vorhanden ist, nur bei etwa zwei bis fünf Prozent." Eine flächendeckende Verabreichung von Vitamin D an Kinder ließe sich durch diese Untersuchung nicht rechtfertigen.

"Es ist schwer, genau zu sagen, welche Bedeutung Sonnenlicht und Vitamin D für die Prävention von Multipler Sklerose haben", sagt auch Thomas Mack. Es könne sich aber als sinnvoll erweisen, Kindern mit einem erhöhten erblichen MS-Risiko zusätzlich Vitamin D zuzuführen. Als nächstes will Mack untersuchen, welche Genvarianten bei Patienten mit Multipler Sklerose besonders häufig vorkommen.

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(SZ vom 9.8.2007)