Mütter kommentieren Familienpolitik "Die Herdprämie zementiert das Frauenbild"
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Tanja Kleinert, 35, freie Journalistin, lebt mit ihrem zweijährigen Sohn in München
Mein Sohn geht in die Krippe, seit er 13 Monate alt ist. Eine andere Form der Betreuung käme für mich nicht in Frage: Der Vater des Kindes lebt nicht in München, auch meine Eltern sind nicht vor Ort. Zum Glück springt meine Schwester manchmal als Babysitter ein. Als Freiberuflerin habe ich gar keine andere Wahl, sonst hätte ich nach dem Elterngeld gleich Hartz IV beantragen können.
Abgesehen davon halte ich auch sonst nichts davon, dass Kinder immer nur die Mutter oder die Eltern um sich herum haben. Ein Kind sollte regelmäßigen Kontakt zu Gleichaltrigen, aber auch zu anderen Erwachsenen haben. Ich erlebe ja, wie viel Spaß mein Sohn in der Kita hat und wie sehr er davon profitiert, etwa durch seine offene Art.
Die Herdprämie dient meiner Ansicht nach nur dazu, das Kinder-Küche-Frauenbild zu zementieren. Darüber hinaus kommt sie nicht immer direkt dem Kind zugute. Mit dem Elterngeld haben wir bereits eine massive Subvention durch den Staat, die für die Eltern frei verfügbar ist. Statt noch mehr Geld in sinnlose Prämien zu stecken, sollte der Staat lieber Krippenplätze ausbauen, das Ehegattensplitting abschaffen und die Kinder fördern - nicht deren Eltern.
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(Protokoll:Violetta Simon)
Julia Zachäus, 29 Jahre alt, aus Köln, lebt getrennt vom Vater der beiden Kinder. Sie teilen sich die Erziehung.
Als das erste Kind zur Welt kam, haben mein damaliger Freund und ich noch studiert. Mit anderthalb Jahren brachten wir unseren Sohn drei Mal die Woche zur Tagesmutter, der zweite ging mit einem Jahr zu einem Tagesvater. Mehr wurde vom Jugendamt nicht übernommen.
Geschadet hat es nicht. Und obwohl sich beide schnell an die neue Situation gewöhnt haben, fühlte ich mich schon damals als Rabenmutter. Länger als zwei Jahre Hausmütterchendasein wäre mir trotzdem zu viel gewesen.
Es sollte Eltern freigestellt sein, ob sie sich in den ersten Jahren selbst um ihre Kinder kümmern oder sie betreuen lassen. Deshalb müsste die Betreuung zu Hause prinzipiell besser entlohnt werden. Doch der Ausbau von Krippenplätzen darf darunter nicht leiden - Qualität geht vor Massenbetreuung. Es nützt ja nichts, wenn die Kinder in Riesenhorte abgeschoben werden und man dann mit schlechtem Gewissen auf der Arbeit sitzt.
(Protokoll: Anja Rillcke)