Von Titus Arnu

Es sieht so aus, es schmeckt so ähnlich, aber in Wahrheit ist alles synthetisch: Warum Vanilleeis oft kein Vanilleeis ist.

Wozu braucht man eigentlich Schwarzbrot-Eis, Gummibärchen-Eis oder Sauerkraut-Eis? Die Eishersteller erweitern ihr Angebot ständig mit möglichst abgefahrenen Geschmacksrichtungen, doch die Deutschen bleiben beharrlich ihren Lieblingssorten treu.

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Keine Spur von Schote: Statt echter Vanille stecken in den meisten Eiskrems künstliche Aromen (© Foto: iStockphotos)

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Auf dem ersten Platz ist seit Jahren Vanille, auf dem zweiten Schokolade, auf dem dritten Erdbeere. Allerdings ist in vielen Vanilleeis-Produkten gar keine Vanille, wie die Stiftung Warentest nun herausfand.

Neun von 22 Vanilleeis-Sorten erhielten bei einer Untersuchung der Berliner Warentester das Urteil "mangelhaft". Weitere neun bekamen ein "ausreichend". Nur das Eis eines hochpreisigen Edel-Herstellers erhielt die Note "Gut".

Viele der getesteten Produkte enthalten laut der Zeitschrift test kaum oder gar keine Vanille. Auch Bio-Eis schnitt nicht besser ab. "Das ist ein besonders schlechtes Testergebnis," sagt Janine Schwarzkopf, Lebensmittelchemikerin bei der Stiftung Warentest und Leiterin der Eis-Untersuchung, "die Hersteller haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert."

Einige der getesteten Eissorten wurden mit künstlichem Vanillearoma hergestellt. Vanillin wird aus Reis oder aus Sulfitablauge gemacht, die bei der Zellstoff- und Papierherstellung anfällt. Der Grund für den sparsamen Gebrauch von Vanille könnten die extrem schwankenden Rohstoffpreise sein, berichtet test.

Das Gewürz ist zwar aktuell mit 20 bis 35 US-Dollar pro Kilogramm Schoten so günstig wie nie zuvor, sein Preis schwankt aber stark. Vor sechs Jahren kostete ein Kilo Vanilleschoten noch 500 US-Dollar. Vanille war früher in Mexiko so kostbar, dass es als Zahlungsmittel galt. Die schwarzen Kapseln, aus denen das feine Gewürz gewonnen wird, wachsen an Orchideen-Ranken, sie müssen mühsam von Hand gepflückt und verarbeitet werden. Synthetisch hergestelltes Vanillearoma ist wesentlich billiger.

Eistesterin Janine Schwarzkopf rät Verbrauchern dazu, die Verpackung genau zu studieren. Wenn im Kleingedruckten von "Vanillegeschmack" die Rede ist, sei wahrscheinlich synthetisches Aroma verwendet worden. "Wo Vanille drauf steht, darf aber nur Aroma aus der Vanilleschote drin sein", sagt Janine Schwarzkopf, "alles andere ist Verbrauchertäuschung."

Allerdings habe sich bei der chemischen Analyse im Labor gezeigt, dass bei vielen Eissorten künstliche Vanillearomen untergemischt wurden, ohne dies zu deklarieren. Bemängelt wurden Produkte von Discounterketten ebenso wie einige Bio-Marken. Ein getestetes Bio-Milcheis enthielt zwar größere Mengen Vanille, dafür aber auch Verderbniskeime und Enterobakterien, die auf Hygienemängel hindeuten. Außerdem sei es geschmacklich nicht ganz auf der Höhe, kritisierten die Test-Lutscher: Es schmecke "milchig mit einer leichten Kochnote und leicht wässrig".

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(SZ vom 29.05.2009/mmk)