Kniefreie Berberhosen, merkwürdige Keilsohlen und Wellensittichfarben - es gibt wenig Überraschendes auf den Mailänder Designerschauen.
Italiens Modehimmel hat zwei neue Sterne. Während der Mailänder Designerschauen für Frühjahr/Sommer 2008 gelingt es den beiden Newcomern Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi, alle in sie gesetzten Erwartungen mit ihrer "6267" genannten Kollektion zu erfüllen. Die Zahl brachte Rimondi schon einmal Glück - er trug sie als Kind während eines Sommercamps, um nicht verlorenzugehen.
Vorne geschlossen, hinten offen: Die Kollektion von Blumarine vor der St.-Tropez-Kulisse. (© Foto: dpa)
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Nun steht sie für Cocktailkleider aus steifer, mit Blumen bepinselter Seide, aus der die beiden Jungs aus Mantua elegante Cocktailkleider mit frontalen Zeltweiten oder käferrundem Rücken geschnitten haben. Damit werden sie zwar nicht die Mode revolutionieren, aber als Beobachter der Szene ist man mittlerweile über jede eigenständige Designerhandschrift im alltäglichen Mode-Einerlei froh.
Man ist es herzlich leid, schon wieder Hippie-Look mit Schlaghosen im Stil der Siebziger von Boss bis D & G zu sehen oder noch immer Parkas und Cargohosen wie bei Etro und Sportmax. Auch das klein geblümte Patchworkfieber auf flatternden Stufenkleidern ist nicht eigentlich neu - und schon gar nicht der viktorianische Wäschelook mit durchsichtigen Hohlsäumen und schüchternen Rüschen, den sogar Roberto Cavalli zeigt.
Stoffe wie Leinwände
Und was wäre ein Sommer alla milanese, wenn nicht wenigstens eine Kollektion dem Lied der Wüste folgte mit Pythondrucken, Federn und marokkanischer Kurbelstickerei wie bei La Perla. Anna Molinari hingegen geht für Blumarine mit ihrer Yacht im Bühnenbild von Saint-Tropez von Anker und kombiniert knackige Shorts oder spitzenbesetzte Unterrockkleidchen mit Lederblousons in Wellensittichfarben. Die aufgeblondeten, sonnengebräunten Fernsehmoderatorinnen und Serienschauspielerinnen in ihrer ersten Reihe hatten ihre helle Freude: Es bebten die Busen im tiefen Dekolleté, nur die Mode, die bebte nicht.
Auch Giorgio Armani zieht es nach Süden, wobei er mit Kurzblazern und losen Spenzerjacken in Graublau wenigstens zu seinem eigenen Stil zurückfindet. Ob allerdings die kniefreien Berberhosen mit dem zwischen den Knien baumelnden Schritt seinen Kundinnen gefallen werden, bleibt abzuwarten. Die merkwürdigen Keilsohlen können ebenso wenig überzeugen wie die Kollektion bei Gianfranco Ferré, die dem Andenken des kürzlich verstorbenen Designers in keinster Weise gerecht wird. Die einzig positive Nachricht hierzu ist eine Personalie: Der Schwede Lars Nilsson, der in Paris dem Namen "Nina Ricci" zu neuem Glanz verhalf, wird Ferrés Nachfolger.
Geschichten aus dem Märchenwald
Was man diesmal von den Designern erwartete, waren keine modischen Allgemeinplätze, kein Blick zurück, sondern Modernität. Oder zumindest einen Blick zur Seite. Miuccia Prada überrascht diesmal mit Geschichten aus dem Märchenwald: Jugendstil-Zeichnungen lässt sie auf Seide pinseln, koloriert lianenschlanke, wadenlange Schlauchkleider und Kuppelröcke, so üppig wie Pfingstrosen.
Grün von Schwefel bis Agave dominiert Consuelo Castiglionis Marni-Kollektion, die das Thema Modernität mit der Kunst verbindet. Ihre Stoffe haben die Konsistenz von Malerleinwand, die bei Sackkleidern und überm Rock getragenen Tuniken den Körper nur umspielt. Mal wirken die Oberflächen wie lackiert, mal sind sie mit graphischen Motiven bedruckt. So gesellt sich Orange zu Beige und Himbeerrosa zu Grau; dazu tragen die Models Emailschmuck, der an die Bilder von Kasimir Malevitch denken lässt.
Als eine Klasse für sich erweist sich Raf Simons' vierte Kollektion für Jil Sander. Rasiermesserscharf und ebenso präzise hat sie den Begriff Modernität im Visier als Zusammenspiel aus maskulinen und femininen Elementen. Damit erweist der junge Belgier Sanders Vergangenheit ebenso seine Reverenz, wie er ihr den Weg in die Zukunft weist. Schmale Anzüge umspielen Überwürfe aus spinnwebfeinem Organza, weite Hosen mit enganliegenden Stricktuniken und bolerokurzen Jacken zeigen neue Proportionen. Schenkelkurze Hängerkleidchen verlieren ihre Transparenz durch Stofflagen, die wie Blätterteig geschichtet sind. Aber alles überstrahlt Simons' delikater Farbensinn, der Mandarinentöne zu Melonenrosa, Kobaltblau, Kittweiß und Perlgrau kombiniert. Selbst hochhackige Pumps überraschen mit filigranen Absätzen, die an Rosenzweige erinnern. Wie gemacht für einen Sommernachtstraum!
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