In Mailand zeigen die großen Modedesigner ein vergessen geglaubtes Ideal - die erwachsene, erhabene Frau. Einziger Unterschied: die fehlende Oberweite.
Mailands Designer haben in ihren Präsentationen für die Herbst/Winter-Mode, die an diesem Freitag zu Ende gehen, ein überraschendes Ideal für sich entdeckt: die erwachsene Frau. Was für ein Anachronismus! Was eigentlich als selbstverständlich gelten sollte, ist tatsächlich eher selten in den Vorschlägen der Kreativen auszumachen. Was trägt sie? Was ist sie? Was macht sie?
Folkloristischer Winter bei Gucci (© Foto: AFP)
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Das möchte man fast im Falco-Stakkato nachfragen, so lange war sie schon weg vom Laufsteg. Und nun paradiert sie auf höchsten Absätzen, dank Plateausohlen, in kniebedeckenden bis wadenlangen Röcken an hochgeschlossenen Kleiderfutteralen an Fotografen, Einkäufern und Journalisten vorbei - selbstbewusst, distanziert und auf lässige Art elegant.
Großmeister der neuen Attitüde ist der Deutsche Tomas Maier, der für Bottega Veneta entwirft. Die geflochtenen Taschenreliefs der Traditionsfirmen aus Venetien stehen für hochwertige Handarbeit. Für sie besetzt er Wickelmäntel an Taschen und Schultern mit aufgeschäumt wirkenden Schleifenbändern aus dem Tuch des Mantels und drapiert Kleider an Hals und Hüfte. Grauer Flanell scheint der Stoff zu sein, aus dem Maiers Träume sind. Dazu passen blickdichte Strümpfe in betont schlichten Ankle Boots. Nachlässig hochgesteckte Haare ironisieren die Grace-Kelly-Pose.
Schlichtweg perfekt sind Raf Simons' bleistiftschmale Anzüge für Jil Sander, denen der Belgier mit Skalpellschnitten Taschen einritzt. Hohe Schneiderkunst sind die Faltenspiele, mit denen er handfeste Tweedkleider adelt. Nur Busen sollte man nicht haben! Denn sie würden diese klaren Linien nur stören. Diese unterstreichen mörderisch hohe Absätze an kaum gehbaren Pumps und hochgetürmte Schal- und Kragen-Skulpturen.
Alte Vorbilder frisch aufgerollt
Generell liegt der Fokus auf der Schulterlinie. Dramatisch dicke Füchse, die Cristina Ortiz ihren Mädchen bei Salvatore Ferragamo um den Hals windet, belegen dies. Zuweilen erinnern sie, mit weißen Trapez-Spenzern und weiten Hosen getragen, an die Mode des verstorbenen Gianfranco Ferré. Stabnieten aus Chrom hingegen erinnern an die aufgeschlitzten Nähte des seligen Gianni Versace.
Manche Designer brauchen Vorbilder aus der Vergangenheit, wenn es gilt, die Mode für erwachsene Frauen neu zu definieren. Das Mailänder Power-Duo Roberto Rimondi und Tommaso Aquilano, die sich hinter der Zahlenfolge ,,6267'' verstecken, dem Namen ihrer Kollektion, greifen gleich zu den Sternen und zitieren die Pariser Couture-Legende Cristóbal Balenciaga samt Nachfolger Nicolas Ghesquière. Und so bauen sie runde Käferrücken, halsferne Kragenblenden und schwarz-weiße Gitterkaros in ihre ,,Moda alla Milanese'' ein. Trotzdem haben sie durchaus das Zeug, in Zukunft ohne Kreativkrücken bestehen zu können.
Strahlende Alleingänger
Diese hatte Miuccia Prada nie notwendig. Sie zitiert nicht mal sich selbst; sie ist ihr eigener Planet. Diesmal deckt sie ihn zu mit Kilometern an Schweizer Baumwollspitze in floralen Klavierdeckenmustern. Daraus schneidert sie ,,Chanelliges'' als Kostüm und Kleider mit Durchblick, gerne in Gold. Und als ob dies nicht genügen würde, verpasst sie schmalen schwarzen Mänteln, konsequent kniebedeckend, Flügelvolants auf der Vorderfront, wie man das von den Schürzen hochherrschaftlicher Köchinnen kennt. Dazu gibt's Volant-Rüschen an Handtaschen und Schuhen.
Nur Frida Giannini (Gucci) verweigert sich konsequent dem neuen Frauenbild. In Minilängen träumen plissierte Mädchen in Bauernröcken und Blusenkleidern mit Folklore-Prints von der Puszta, an den Zigeunerbaron lassen bestickte Hirtenmäntel und Lammvelourswesten mit Zottelkanten denken zu hautengen, nietenbeschlagenen Hosen. Sie sind schön anzuschauen, doch erwachsen sind Guccis ,,Rock Chicken'' nicht.
Also blieb es wieder einmal Consuelo Castiglioni vorbehalten, den Zeitgeist mit ihrer Marni-Kollektion einzufangen. Marni orientiert sich an moderner Kunst für wunderschöne Farbdreiklänge aus zeltweiten Jacken in A-Linie über hüftlangen Strickpullovern und Röcken in Kuppel- oder Kokonform. Die Stoffe umspielen standhaft den Körper. Flachgepresste Faltenpartien lenken den Blick auf Hals und Hüfte. Blüten aus Filz schmücken Knotenfrisuren, Gesichter faszinieren mit dunklen Lippen zum Porzellanteint. Sie lassen an Eleonora Duse denken. ,,No-Nonsens-Fashion'' kann ganz schön aufregend sein.
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(SZ vom 22.02.2008/kaho)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
ein Beruf, mit dem sie erfolgreich sind und viel Geld verdienen.
Der Rest liest Zeitung über den Erfolg der anderen und nöselt herum.
Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass sich die Ideale der Designer groß geändert hätten - keinerlei Busen, soweit richtig, aber auch ansonsten erinnern die meisten der Models dort doch an Hungersnot-Opfer oder magersüchtige, 14jährige Nachwuchsskispringer...
Laetitia Casta, wo bist du nur hin?
Das einzige Supermodel, dass ich wirklich als solches erkannt habe - und das mit für diese Branche gewaltiger Oberweite (was NICHT! nötig ist, um schön zu sein oder um Sexappeal zu haben, dass beweisen genügend andere Frauen - was ihr aber einfach unheimlich gut gestanden ist, weil es genau zum Rest des Körpers und zum gesamten Erscheinungsbild gepasst hat).
Da waren Kurven, da war Weiblichkeit und vorallem, an ihr sahen auch die Kleider einfach besser aus! Ich werde nie verstehen, wie ein Designer eine tolle Robe entwerfen kann, etwa schulterfrei und mit einigermaßen tiefem Dekollete und dann eine Frau reinsteckt, bei der an an den Schultern das Gelenk schier durch die Haut kommt und statt Dekollete man jede Rippe sieht (es muss ja keine Laetitia-mäßige Oberweite sein, irgendwo wirds ja noch ein Mittel zwischen D-Cup und Rippen unter Papierhaut geben).
Na toll, da haben wir aber die Klischee-Schublade mal wieder ganz weit aufgezogen. Ein Helau für so viel Einfallsreichtum!
Mich wundert in dem Zusammenhang nur, das Deine "homosexuellen männlichen Modemacher" dann vorwiegend Mode für Frauen entwerfen.
Nichts ist einzuwenden gegen ein sich veränderndes Frauenbild, sofern es nicht als idealisierte Künstlichkeit propagiert wird, sondern wie in diesem Falle, sich auch mal an der Natürlichkeit einer Frau orientiert.
Guten Tag.
Es soll tatsächlich auch im echten Leben Frauen geben, die nicht über viel Oberweite verfügen. Nicht immer ist das ein Zeichen von mangelndem Sexappeal.
Komm' mir nicht mit Frauen, bei denen keiner kommen kann!
(Zitat: Hausmeister Thomas D, Die fantastischen Vier)
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