Selbst eine neue Ikone hat die Blogosphäre um die Prêt-à-Porter-Schauen hervorgebracht. Diane Pernet, Moderedakteurin des Magazins Zoo, unterhält mit ihrem optisch sehr einfachen Blog "A Shaded View on Fashion" eine der gegenwärtig einflussreichsten Modepublikationen weltweit. Pernets Artikel werden täglich von Tausenden gelesen.
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Und wenn die ehemalige Modedesignerin, die im New York der achtziger Jahre mit Klaus Nomi und Keith Haring Partys feierte, auf einer Schau auftaucht, erregt das mindestens ebenso viel Aufsehen wie der Auftritt eines einflussreichen Modekritikers. Seit dem Tod ihres ersten Ehemannes, der im Alter von 31Jahren starb, trägt die Witwe zu jedem Anlass einen schwarzen Schleier und eine schwarze Sonnenbrille. Trotz ihrer Extravaganz nimmt Pernet kein Blatt vor den Mund. "Es geht mir um die Demokratisierung der Mode", äußerte sie sich im Interview.
Digitalisierung
Auf die Spitze getrieben wurde der Trend zur Digitalisierung dieses Jahr vom Designerduo Viktor&Rolf. Die beiden für ihre intellektuellen Konzepte berühmten Niederländer haben ihre Gäste dazu eingeladen, ihre neue Kollektion "nicht in Paris, sondern in jeder Stadt der Welt anzuschauen", wie es auf den Einladungen hieß. Die Modenschau fand ausschließlich im Internet statt. Das Supermodel Shalom Harlow schritt den Catwalk im virtuellen Palais auf Viktor&Rolfs Homepage ganz ohne reales Publikum ab.
Beobachtet werden konnte das einsame Defilee auch ganz ohne Einladung, weltweit von jedem Rechner aus. Hierin lässt sich unschwer eine speziell gegen die Pariser Couturewelt gerichtete Provokation erkennen. Schon im Frühjahr hatten Viktor&Rolf mit dem Protest gegen das Modesystem kokettiert: Der graue Trenchcoat, der damals ihre Herbst-Winter-Show eröffnete, war mit einem großen dreidimensionalen "No" versehen. Dass der Mehrheitsanteil ihres Labels ein Jahr zuvor an den Moderiesen Diesel verkauft worden war, und Viktor&Rolf schon eine Linie für H&M entworfen haben, rückt solche "Proteste" aber wohl ins rechte Licht.
Während das Internet für Viktor&Rolf bloße Präsentationsform bleibt, haben andere Designer das neue Modemedium bereits tief in ihre Arbeit integriert. Eine Vorstellung davon, wie Mode im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit aussehen könnte, gibt die Arbeit des Pariser Designkollektivs Andrea Crews. Ohne selbst etwas im klassischen Sinne zu produzieren, verschaltet die Konzeptkünstlerin Maroussia Rebecq Produzenten, Schneider und Designer miteinander, die in immer neuen, internationalen Konstellationen ständig wechselnde Produkte für sie entwerfen. Die vor allem auf Internetplattformen wie Myspace und Facebook begonnenen Vernetzungen werden in der globalen Arbeit des Kollektivs Wirklichkeit.
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Partyzone Flußufer
Wertvoll und selten ist die Kleidung, die etwas wirklich begehrenswert macht. Wenn Modemacher ständig Scheinwerfer brauchen, um ihrer Persönlichkeit das Leuchten zu ermöglichen, werden aus einmaligen Veranstaltungen, gewohnte Spektakel, die nur noch mit Auswüchsen punkten können.