"Die Mode demokratisiert sich durch das Internet": Junge Designer nutzen das World Wide Web als Plattform. Welche Entwürfe am Ende umgesetzt werden - darüber entscheiden die User.
Ein Abendkleid, das sich in hellblauen Kaskaden bis auf den Boden ergießt, gleich darunter ein schwarzes Military-Jackett mit dicken Schulterpolstern, gefolgt von einem schokobraunen Hemdkleid mit riesigen Puffärmeln: Das sind die neuesten Modelle aufstrebender Designer auf der Internetseite Garmz.com. Und sie kommen ausnahmsweise nicht aus Paris, London, Mailand oder New York. Sondern aus Minsk, Johannesburg und Wien.
Am Anfang war nur eine Skizze auf einer Internetseite, doch die gefiel so vielen Usern, dass die taillierte Winterjacke mit falschem Fellbesatz in Serie ging. (© Garmz.com)
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Den Glamour der großen Modestädte brauchen die Kreativen im Internet nämlich nicht mehr. Ebenso wenig wie die Modeindustrie. Die Jungdesigner stellen ihre Entwürfe einfach selbst ins Netz. Welche davon produziert werden, darüber stimmen dann die Nutzer der Seite ab - ganz demokratisch. Die Betreiber von Garmz.com kümmern sich am Ende um Produktion und Vermarktung.
Eine Internetseite reicht zur Kundenakquise
"Good bye, fashion industry. Good morning, designers", ist deswegen das Motto der aus Wien geschalteten Seite. Mitbetreiber Andreas Klinger beschreibt die Idee hinter dem Unternehmen so: "Viele junge Designer kommen von der Modeschule, haben markttaugliche Entwürfe - aber keine Kundenkontakte und keine Möglichkeit, ihre Modelle zu produzieren."
Die Lösung: Um einen Partner zu gewinnen, muss man nicht unbedingt reiche Investoren von den eigenen Entwürfen überzeugen. Im Prinzip reicht eine Internetseite völlig aus. Das Team bei Garmz.com besteht aus Modedesignern, Wirtschaftswissenschaftlern und Technikern. "Durch die User-Abstimmung sehen wir, welche der hochgeladenen Modelle einen Marktzuspruch haben und überlegen dann gemeinsam mit dem Designer, wie die Modelle realisierbar sind."
Garmz.com ist nur eine von vielen Seiten, die Jungdesigner fördert und User in den Entwurf von Mode einbindet. Ebenfalls aus Wien kommen die Betreiber von Useabrand.com. Hier können kreative Nutzer Modeentwürfe für die neueste gemeinsame Kollektion einreichen und werden, sofern die User sich für ihre Idee entscheiden, am Gewinn beteiligt.
Die US-Seite Fashionstake.com lässt - ähnlich wie Garmz.com - die Nutzer darüber abstimmen, welche Entwürfe junger Designer in die Produktion genommen werden. Die Seite hat bereits 30.000 registrierte User und mehr als hundert Designer. Und auf der Streetware-Site Threadless.com stimmt eine Community von inzwischen mehr als einer Million Nutzern über Design-Entwürfe für T-Shirts, Kapuzenpullis und Kunstdrucke ab.
"Crowdsourcing", also die Auslagerung von unternehmerischer Arbeit an Amateure im Internet, heißt diese Produktionsweise. Sie bringt den Unternehmen, die sonst teures Geld in Trend- und Marktforschung investieren, neue, marktfähige Ideen und den Kreativen eine Plattform, ihre Entwürfe und Produkte zu präsentieren und umzusetzen.
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