Die Rückkehr von Anzug und Kostüm: Weil Arbeitnehmer in der Wirtschaftskrise Angst haben, als unseriös zu gelten, kleiden sie sich klassisch - und langweilig.
"Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance." Gerade zu Zeiten der Finanzkrise erhält dieser Satz eine neue Endgültigkeit. Wer im Job nicht genug leistet - sei es als Bänker, Verkäufer oder Selbständiger - muss um seinen Arbeitsplatz fürchten. Und da viele Menschen Kompetenz auch nach der Optik beurteilen, ist der gute Kleidungsstil schon eine halbe Jobgarantie - schließlich sind Geldgeschäfte Vertrauenssache. Einem schludrigen Bankangestellten überlassen die Anleger ihr letztes Geld weniger gerne als einem Mann in dunklem Anzug und gepflegten Schuhen. Seriosität ist das Zauberwort - zum Erfolg und zu vollen Firmenkassen.
Business-Kleidung muss nicht langweilig sein. In schweren Zeiten muss man allerdings abwägen, wie weit man gehen kann. (© Foto: Istock)
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Obwohl gerade in der Mode guter Rat teuer ist, scheuen nicht wenige Angestellte, professionelle Hilfe zu suchen - weil sie nicht wissen, was sie mit den Begriffen anfangen sollen. Selbst wenn ein Dresscode vorgegeben ist - bei der "Deutschen Bank" etwa ist es "Business Casual" - wissen viele nicht, wie sie diesen Look angemessen anwenden sollen. Denn "Business Casual" bedeutet nicht etwa mit Jeans und Turnschuhen zur Arbeit zu kommen. Bei der "Deutschen Bank", bedeutet es: Anzug ohne Krawatte für den Mann, Business-Kostüm für die Frau.
Die neue Eleganz
Ein schlecht sitzender Anzug oder die falsche Farbwahl wirken schnell lächerlich. Image- und Modeberaterin Tiziana Assmann aus Enger kennt die Probleme ihrer Kunden und bietet einen Ausweg aus dem Kleidungs-Dilemma. Die "neue Eleganz", wie sie es nennt, stellt ihre Kunden vor scheinbar unüberwindbare Hindernisse. Geschäftsleuten rät sie zu einer soliden Grundgarderobe: "Klassische Mode kann man mit trendigen Accessoires kombinieren, Twin-Sets mit zwei bis drei übereinander geschwungenen Perlenketten oder Kostüme mit Satin-Saum".
Klassiker seien mehr denn je gefragt, solange sie nicht bieder erscheinen. Doch genau das sei oft ein Problem. Pastellfarben waren lange Zeit tabu, jetzt feiern sie plötzlich ein Comeback. Falsch kombiniert, wirken sie jedoch nur langweilig und trist. Die Angst vor dem Jobverlust, vor Unseriösität und Kontrollverlust, führt zu einer Neuorientierung. Vor allem: zurück zu alten Werten. Zu Vertrauen, Eleganz, Sicherheit und Ordnung.
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Menschen die "nur" für ihren Job leben haben die Gesellschaft so geprägt dass sie zu dem wurde was sie heute ist. Wenn ich 100% Lebenszeit und Energie in meinen vermeintlichen "Erfolg" investiere, der aus Arbeit besteht, dann darf ich mich nicht wundern wenn ich ein Problem mit meinem Selbstwertgefühl bekomme wenn ich fallen gelassen werde.
Aussagen von irgendwelchen Modeberatern können aber auch nur so Sinnfrei ausfallen, weil die es nicht besser wissen. Selbst talentfrei bis zur letzten Haarspitze, vermarkten sie das einzige das ihnen Lohn und Brot gibt "Einheitsbrei aus Baumwolle". Machen um die, maximal, Mittelmäßigkeit ihres Daseins so einen Wind das sie in einem komplett neuen Bild dastehen um nicht im Sumpf der Bedeutungslosigkeit unterzugehen. Es liegt in der Natur der Sache dass viel Klientel dort vorbei kommt, weitere talentfreie Möchtegerns die mit mehr Schein ihr Sein übertrumpfen wollen.
Tja, da sehe ich doch parallelitäten zur gesellschaftlichen Entwicklung und zu unserer momentanen Lage. Das hier ist zwar nicht die Wurzel allen Übels, aber mit Sicherheit ein kleines Rädchen im Getriebe.
Wie sagte ein anderer Artikel in der Süddeutschen so schön: "Wahre Eleganz kommt von innen."
Sitze ich hier in meinen Jeans und studiere diesen höchst hilfreichen Beitrag.
Und ein wenig frage ich mich:
Wo ist die Zielgruppe, und sollte das nicht in Vogue oder FTD?