In Paris tragen die "Großen" ihre Haute Couture zur Schau. Auf der Kindermode-Messe in Florenz zeigen Achtjährige, dass sie genauso schick seinen können.
Ach so . . . Kindermode . . . das hab ich früher auch mal gemacht." Dazu ein leicht mitleidiger Blick. So sieht eine typische Reaktion von Menschen aus der Modebranche aus, wenn es um das Thema Kinderbekleidung geht, betont gelangweilt und leicht abfällig. Schließlich handelt es sich in ihren Augen um Mode dritter Klasse, die noch dazu besonders in Deutschland extrem polarisiert. Denn hochpreisige Kindermode, marktwirtschaftlich gesehen ein großes Stück vom Kuchen der Luxuswarenindustrie, bringt die Gemüter in Wallung. Das, was heute kein noch so abgerockter Luxusfummel zu erreichen vermag, gelingt einer winzig kleinen Baby-Seidenbluse auf Anhieb. Nicht ganz unverständlich bei 300 Euro, die man schon mal für so ein Stückchen Stoff bezahlen muss.
Vorbild Mama: ein Mädchen zeigt auf der 65. Internationalen Kindermodenmesse in Florenz, wo es für Kinder modisch lang geht. (© Foto: ddp)
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Von solchen Skrupeln ist man in Florenz, auf der "Pitti Immagine Bimbo" ("Il bimbo" das Kind) weit entfernt. So heißt die größte und wichtigste Kindermodenmesse der Welt, die seit 30 Jahren jedes Jahr im Januar und Juni stattfindet. Mittlerweile sind dort 500 Marken und 8000 Einkäufer vertreten. Schließlich liebte man in Italien schon immer Kleider und Kinder. Mag sich das auch nicht in der rekordverdächtig niedrigen Geburtenrate widerspiegeln.
Erfrischend politisch unkorrekt geht es hier zu. So liefen Bikinimädchen in echter Supermodelmanier für Miss Blumarine, der Kinderlinie von Anna Molinari, über den Laufsteg, die die Hautfarbe von gegerbten Handtaschen hatten. Als habe es das Thema Hautkrebs nie gegeben, von anderen heiklen Themen ganz zu schweigen. In der Zwischenzeit posierte Lavinia Biagotti, die Tochter von Laura Biagotti und verantwortlich für die Kinderkollektion "Laura Biagotti Dolls", für die Fotografen. Sie blühte lächelnd als rosagrüne Wasserpflanze in einem zum Seerosenteich verwandelten Aquarium. Mittendrin ein großer Froschkönig aus Pappmaschee, um den viele kleine Mädchenseerosen tanzten. Der Frosch trug übrigens ein kindskopfgroßes, strassbesetztes "B" um den Hals. Sieht etwa so die Welt der Kindermodendesigner aus?
Zwar handelt es sich um einen internationalen Markt, mit einem Auslandsanteil von immerhin 40 Prozent, und doch findet das Kerngeschäft in Italien statt und ist, wie nicht anders zu erwarten, oft eine Art Familienbusiness. Wie bei der erwachsenen Mode gibt es reichlich Dynastien zu bestaunen. Hier heißen sie Stronati oder Cavalleri, und wie bei den Missonis oder Guccis wird geerbt, vererbt, gestritten und versöhnt, was der Stoff für Familienopern hergibt. Auch wenn der deutsche Markt zusammen mit Russland in Florenz zur Zeit zu den erfolgreichsten gehört, gelten die Deutschen hier als Spielverderber. Wir sagen: "Mein Kind soll sich immer schmutzig machen können, ohne auf seine Kleidung achten zu müssen. Außerdem wächst es eh so schnell wieder heraus. Und überhaupt verdirbt so teure Kleidung bestimmt den Charakter."
Hinter solchen Sätzen muss nicht immer der knappen Haushaltskasse geschuldete Sparsamkeit, teutonischer Pragmatismus oder pietistische Bescheidenheit stecken. Manchmal ist es einfach die Angst vor Missgunst, die in Deutschland selbst steinreiche Eltern dazu bringt, ihre Kinder wenig glamourös auszustatten. Soll bloß keiner denken, die Kinder werden verzogen! Für den internationalen Kindermodenmarkt gelten wir deshalb als ein Haufen verstaubter Modemuffel, deren Hang zur Piefigkeit jeglichen Experimentierwillen im Keim erstickt. Sollten wir den großen Kindermodenspaß tatsächlich an den falschen Stellen ganz einfach viel zu ernst nehmen?
Natürlich findet sich trotzdem vielleicht ein Dutzend profilierter Kindergeschäfte wie Pfüller in Frankfurt oder Korbmayer in Stuttgart. Aber es gibt immer noch zu viele Boutiquenbesitzer, die denken, es würde reichen, ein paar süße Kleidchen aufzuhängen. Wer so wenig wagt, gewinnt bestimmt nichts. Um eine neue begehrte Marke aufzubauen, braucht man eben nicht nur Platz und Geld, sondern vor allem Marktkenntnis. So kommt es, dass es gewiss nicht mehr als zehn Prozent der neuen Sachen, die es auf der Messe zu sehen gibt, auf deutsche Kinderhaut schaffen werden. Sehr fraglich, ob wir das weiße Frotteecape von La Perla, den roten Knautschlackblouson von Fay oder den Streifen-Strampler mit angenähter Fliege von Armani Junior je im heimischen Einsatz sehen werden.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...