Von Jina Khayyer

Wo Helmut Lang draufsteht, stecken zwei neue Designer dahinter - der Marke hat das nicht geschadet. Ein Backstage-Report.

Kürzlich besuchte mich eine Bekannte und erblickte auf meinem Couchtisch die schöne Beilage des französischen Magazins Purple, die jedes Mal einem Künstler gewidmet ist, der sie dann auch selbst gestalten darf. Die Ausgabe auf meinem Tisch hieß "selective memory series", und war für und von Helmut Lang. Als einer der einflussreichsten Designer der letzten 20 Jahre war es dem Vater der Coolness gelungen, Österreich auf der Landkarte der Mode zu verorten.

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Er hatte es mit seinen bei aller Konzeptualität sensationell schlichten Entwürfen geschafft, Intellektuelle davon zu überzeugen, dass das Tragen exzeptioneller Kleidung genauso wichtig ist wie das Lesen exzeptioneller Bücher. Durch Lang gehörte es plötzlich - gerade in Kulturkreisen - zum guten Ton, sich mit Mode auszukennen, Helmut Lang zu tragen und seinen Boutiquen regelmäßige Besuche abzustatten.

Viele von Langs Freunden waren Künstler wie Jenny Holzer, die seine Läden mit ihren schicken Truism-Installationen zu verfeinern verstand. Auch im inner circle mit dabei: der österreichische Maler Kurt Kocherscheidt und seine Frau und Fotografin Elfie Semotan, deren viele Gratulationsbriefe, Postkarten und Faxe neben anderen Dokumenten seines persönlichen Lebens Helmut Lang nun als erstes eigenes Kunstprojekt veröffentlicht hat. "Schau an", sagte meine Bekannte etwas abfällig, "Kunst macht er jetzt also. Dabei war ich kurz davor, von ihm beeindruckt zu sein: endlich mal ein Designer, der all seine Boutiquen schließt und in Würde altert." Das, so ihr Schluss, durfte nun also mit einem großen Fragezeichen versehen werden.

Die eigentliche Geschichte geht so: 1999 verkaufte Helmut Lang sein Label, das er 1986 in Wien gegründet hatte, an den Prada-Konzern, dessen Herrscher Miuccia Pradas Gatte Patrizio Bertelli ist. Durch seine Unterschrift ereilte Helmut Lang das gleiche Schicksal wie Jil Sander, die ebenfalls 1999 an Prada verkaufte: Die beiden Modeschöpfer bekamen viel Geld, verloren dafür ihre Freiheit und am Ende auch ihre Unternehmen. Im Herbst 2004 hörte Jil Sander auf, Helmut Lang im Frühjahr 2005. Die Marken interessierten Bertelli ab sofort nicht mehr: Er verkaufte Jil Sander an die britische Finanzinvestorengruppe "Change Capital Partner" aus London und Helmut Lang an "Link Theory Holdings Co. LTD", Hauptsitz Tokio. Und hatte so die beiden stärksten Konkurrenten von Prada ausgeschaltet.

Und Helmut Lang? Ist nach einem Jahr der Ruhe und Besinnung jetzt gleich zweimal wieder da: Helmut Lang (Kunst) und Helmut Lang (Mode). Das Modelabel allerdings trägt heute als Zusatz die klein gedruckte Unterzeile New York, die Kollektion wird von Michael Colovos und seiner Frau Nicole entworfen.

Hier beginnt nun eine andere Geschichte: Michael Colovos und Nicole Garrett lernten sich in New York kennen. Der spanische Designer präsentierte nach dem erfolgreichen Debüt seiner eigenen Linie "Colovos" eine Damenkollektion namens "Welkin". Die gebürtige Neuseeländerin Nicole Garrett war zu dieser Zeit Senior Market Editor des amerikanischen Magazins Harper's Bazaar. Eine Art Trendscout also. Sie schaute sich seine Kollektion an - und es geschah, was so häufig geschieht, denn wo sonst sollen sich Paare kennenlernen außer im Beruf: Die beiden verliebten sich.

Ein Jahr später schon gründeten sie gemeinsam die Jeans-Marke "Habitual", ein weiteres Jahr darauf heirateten sie und zogen nach Los Angeles, um ihre Kollektion in die Hauptstadt des Denim zu tragen. Und wieder ein Jahr später, im Oktober 2004, gewann "Habitual" den CFDA/Vogue Fashion Fund: Eine Auszeichnung für Newcomer, die jedes Jahr vom Fashion Council zusammen mit der amerikanischen Vogue und deren Chefredakteurin, der einflussreichsten Dame des Geschäfts, Anna Wintour, vergeben wird und mit 50.000 US Dollar dotiert ist.

Nun wird die Sache ein wenig undurchsichtig: Denn obwohl die Marke "Habitual" weltweit ein großer Erfolg war, verloren Michael und Nicole Colovos ihr eigenes Unternehmen - und schweigen über die Gründe. Kurz danach bekamen sie vom japanischen Mode-Invest-Unternehmen "Link Theory Holdings Co. LTD", ein Angebot und schweigen desweiteren darüber, wie diese Verbindung zustandekam.

Grund genug für Spekulationen: Kürzlich berichtete die Journalistin Cathy Horyn in der New York Times darüber, dass Anna Wintour, die großen Teilen des Publikums erst seit "Der Teufel trägt Prada" bekannt ist, nicht nur sehr, sehr viel Einfluss habe, sondern auch Druck auf Unternehmer ausübe, die von ihr geschätzten und empfohlenen Designer zu engagieren: "Ich habe hier jemanden . . .", habe Wintour voriges Jahr zu Claudio del Vecchio, dem Chef des Herrenausstatters Brooks Brothers, gesagt. Daraufhin habe ihr Schützling Thom Browne, der bislang nur eine kleine Herrenlinie hatte, einen Vertrag mit dem Haus geschlossen. Von Herbst an - und das sind nun keine Spekulationen mehr - werden seine Entwürfe in neunzig Läden hängen.

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