Ist der Vater im Kampfeinsatz, steigt in der Familie das Risiko für die Misshandlung und Vernachlässigung der Kinder erheblich. US-Forscher fordern deshalb mehr Unterstützung für Soldatenfamilien.
Wenn Soldaten in den Kampf geschickt werden, bedeutet das nicht nur Stress für sie, sondern auch eine erhebliche Belastung für ihre Angehörigen.
Der Abschied fällt schwer - und ist der Vater im Kampfeinsatz, kann das Leben für die zurückbleibende Familie zur Hölle werden. (© Foto: AP)
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Und unter diesen Bedingungen wächst das Risiko für Kindesmisshandlungen offenbar erheblich.
Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Organisation RTI International und der University of North Carolina in Chapel Hill.
Wie die Forscher berichten, lag die Häufigkeit solcher Vorfälle während des Aufenthaltes von Soldaten in Kampfgebieten wie dem Irak insgesamt um mehr als 42 Prozent höher als während der Zeit, die sie bei ihren Familien waren (Jama, Bd. 298, S.528, 2007). Misshandelt wurden die Kinder dabei vor allem von Müttern während der Abwesenheit ihres Partners.
Die Forscher analysierten die Daten von fast 1800 Familien von US-Soldaten, in denen es zwischen September 2001 und Dezember 2004 mindestens einmal zu einer Kindesmisshandlung gekommen war. Dann verglich das Team um Deborah Gibbs vom RTI die Häufigkeit der Vorfälle während der Kampfeinsätze und der Zeit, in der die Soldaten daheim waren.
In den 40 Monaten wurden fast 3000 Kinder von 1858 Eltern misshandelt. Doch die Fälle waren nicht gleichmäßig über die Zeit verteilt. Vielmehr stieg die Zahl der moderaten oder schweren Misshandlungen während der Kampfeinsätze um fast 60 Prozent, darüber hinaus wurden Kinder doppelt so oft vernachlässigt.
"Da Vorfälle innerhalb individueller Familien ausgewertet wurden, weisen die Ergebnisse deutlich darauf hin, dass die Kampfeinsätze für die Zunahme verantwortlich sind", erklärt Gibbs.
"Dass Stress der Eltern eine der Ursachen für Kindesmisshandlung ist, ist bekannt", bestätigt Hanna Prausnitz vom Deutschen Kinderschutzbund in München. Hilfe für die Angehörigen von Soldaten, wie sie in Deutschland die Familienbetreuung der Bundeswehr leistet, ist deshalb äußerst wichtig.
Aber in den USA, so Gibbs und ihre Kollegen, brauchen die Soldatenfamilien offenbar mehr Unterstützung, als sie derzeit bekommen.
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(sueddeutsche.de)
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1. Waren die Mütter als Soldaten im Einsatz und Väter übernahmen deshalb die Erziehung, wurde dabei kein nennenswerter Unterschied zu der "normalen" Situation festgestellt:
"The researchers also saw a small increase in child maltreatment by male civilians whose soldier-wives were deployed, although this result was not statistically significant," schreibt etwa der "New Scientist".
Zum Vergleich: Waren die Frauen zuhause und die Männer im Kampfeinsatz, stieg die Misshandlungsrate um 42 Prozent.
2. Was vielleicht vielen hier nicht bekannt ist: Jahr für Jahr ergibt die Kriminalstatistik des BKA beim Delikt "Kindesmisshandlung" einen beachtlichen Anteil weiblicher Täter, der in den vergangenen Jahren stets um die 43 Prozent aller Täter/-innen lag. Das ist deswegen so wenig bekannt, weil es von den Medien behutsam an die allerkleinste Glocke gehängt wird. So behutsam ist man beim Herausposaunen männlicher Täterschaft für gewöhnlich nicht.
Die katholische Uni Eichstätt hat in ihrer Zeitschrift (googeln) Agora 2002 eine Umfrage zu Gewalt in den Familien durchgeführt (Seite 9). Da wird leider nur in einem Satz erwähnt, dass Frauen die als Kinder geschlagen wurden, eher dazu neigen ihre eigene Kinder zu schlagen als die Männer. Der Kindernotdienst Berlin hat in seiner Stellungnahme von 2004 eine sehr ausgewogene Position eingenommen und keinem Geschlecht die Vorherrschaft bei der Gewalt gegen Kinder zugewiesen. Beide Studien zeigen aber auf, dass Kinder eindeutig häufiger Opfer der häuslichen Gewalt sind, als die Erwachsenen. Und, das mag manchen "MöchtegernStatistikNichtZurKenntnisNehmen" nicht ins Kram passen, es werden viel öfter Männer von ihren Partnerinnen geschlagen.
@savia
Daher wäre ich sehr dankbar, wenn eine qualifizierte Quellenangabe käme, hinsichtlich der Aussage "die meisten Kindsmisshandlungen sehr wohl von Männern begangen"? Sonst ist diese Aussage eine schlichte Unwahrheit.
Ansonsten weist ja die Studie klar aus, dass, wenn der Mann zu Hause ist, die Frau ausgeglichener ist. Dazu hätte es allerdings keinerlei Studie gebraucht, dass kann doch jeder glücklich verheirateter aus eigener Erfahrung erzählen ;-).
Es ist ja schon ein Fortschritt, dass ausnahmsweise auch die Mütter als Täterinnen benannt werden. Sonst herrscht immer Schweigen im Walde, wenn es um Mütter geht, obwohl die Mehrheit misshandelter Kinder von Müttern misshandelt wird. Grundsätzlich, nicht nur in Soldatenfamilien.
Wenn es um Männergewalt geht, herrscht ein ganz anderer Ton. Sehr viel lauter, reisserischer, betroffener und immer sehr genau mit "Täter" bezeichnet. Typischerweise ist im Verlauf des obigen Artikels nicht mehr von Müttern und Täterinnen, sondern nur "Eltern" die Rede.
Die Aussage zu misshandelnden Müttern im Artikel ist nicht eindeutig zu interpretieren. Entweder wird damit zum Ausdruck gebracht, dass
- vor allem Mütter ihre Kinder misshandeln, weil die Mehrzahl der Soldaten im Irak Männer sind
oder
- dass die daheimgebliebenen Frauen von eingezogenen Soldaten ihre Kinder statistisch gesehen öfter misshandeln als die daheimgebliebenen Männer von eingezogenen Soldatinnen.
Welche Bedeutung gemeint ist, kann aus dem Artikel nicht eindeutig geschlussfolgert werden. Dazu müsste man die gesamte Untersuchung vorliegen haben.
Ich würde eher zur zweiten Möglichkeit tendieren, da vermutlich mehr Männer eingezogen und daher mehr Frauen bei den Kindern geblieben sind. Dass es somit mehr Mütter sind, die Kinder misshandeln, wäre naheliegend und es wäre überflüssig diesen Sachverhalt extra zu erwähnen, es sei denn, es wäre die zweite Bedeutung gemeint.
In der Forumsdiskussion hat sich daraus ein Wettstreit an unbewiesenen Behauptungen über die vorherrschende Beteiligung von Männern oder Frauen an Misshandlungen ergeben.
Wer misshandelt denn jetzt häufiger? Männer oder Frauen?
Ich würde die vorschnelle Behauptung, dass Männer die häufigeren übeltäter sind, bezweifeln. Sie entspricht zu sehr dem allgemein verbreiteten und beliebten Sündenbockschema.
Also am Wochenende, ja?
Und dass das den Grund haben könnte, dass die Männer unter der Woche außer Haus arbeiten und daher sich am Wochenende gerne um den Nachwuchs kümmern, kommt gar nicht in Betracht? Das ist also statistisch signifikant, wenn man dann die Väter die Kleinen tragen oder schieben sieht, aha. Grins.
Und nochmal: Ich denke, es geht in diesem Artikel nicht darum, dass Kinder generell mehr von ihren Müttern oder den Vätern misshandelt werden. (Davon abgesehen sind die meisten Kindsmisshandlungen sehr wohl von Männern begangen, allerdings sind das oft Männer - Väter! - , die dann anderer Leute Kinder misshandeln, dies z.B. machen Frauen eher sehr selten!)
In diesem Artikel geht es um die Familien, bei denen ein Angehöriger im Krieg ist. Diesen muss geholfen werden, da sie offensichtlich unter mehr Stress leiden als andere Familien und dies zeigt sich u. a. in vermehrten Kindsmisshandlungen.
Übrigens ist auch hier online zu lesen, dass die Kriegsheimkehrer verstärkt unter Alkoholismus, Psychosen und Depressionen leiden. Sicher wird dann auch irgendwann mal statistisch erfasst, dass das für den Nachwuchs schädlich ist. Der gesunde Menschenverstand sagt es mir jetzt schon.
Savia
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