Ein Kilo Kaviar oder Edelsteine auf dem Benz: Auf einer Messe für Millionäre finden Moskaus Reichste teure Kostbarkeiten.
Telman Ismailows Reichtum ist fast schon legendär. Im vergangenen Jahr ließ der Moskauer Konzernchef zu seinem Geburtstagsfest die Sängerin Jennifer Lopez einfliegen und bezahlte ihr für vier Lieder 1,5 Millionen Dollar - für den 51-jährigen Oligarchen ein Klacks. Selbst, als die Diva für jede halbe Stunde zusätzlich 200.000 Dollar verlangte, brachte das Ismailow nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil: Er schenkte ihr zusätzlich ein vergoldetes Mikrofon mit Diamanten. Man kann sagen, Telman Ismailow schwimmt im Geld. Und er ist Stammgast auf der Moskauer Messe für Millionäre, die bis zum Sonntag in der russischen Hauptstadt stattfand.
Was kostet die Welt? Ein Besucher der Millionärsmesse in Moskau. (© Foto: dpa)
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Eine Messe für Millionäre ergibt nirgendwo so viel Sinn wie in Moskau, der Stadt mit den meisten Milliardären. Nirgendwo sonst auf der Welt leben so viele Superreiche. 25 Milliardäre hat das Forbes-Magazin gezählt, außerdem schätzt man, dass die Zahl der Millionäre in die Zehntausende geht. Nirgendwo sind die Villen wuchtiger, steigen die Immobilienpreise rasanter. Jedes dritte Auto gehört inzwischen zur Luxusklasse.
Kein Wunder, dass die Messe für Millionäre - seit fünf Jahren eine Art Wanderzirkus für Luxusartikel, der auch in Schanghai, Amsterdam, Dubai oder Cannes hält - seit 2005 regelmäßig in der russischen Metropole gastiert. Genauer gesagt im Crocus Center, einem Hallenkomplex am Stadtrand von Moskau. Auf einer Fläche von 33.000 Quadratmetern zeigten etwa 200 Aussteller, was teuer ist: Rückenkratzer aus Elfenbein, kunstvoll geschnitzte Figuren aus vierzigtausend Jahre alten Mammutstoßzähnen. Auch ganze Südseeinseln werden gehandelt, oder aber ein Konzertflügel aus Platin wechselt den Besitzer.
Im vergangenen Jahr präsentierte das Genfer Unternehmen Goldvish sein Designerhandy "Million de la nuit", mit dem die Schweizer speziell den russischen Markt anpeilen. Entsprechend seines Namens kostet das Mobiltelefon eine Million Dollar. Es besteht aus 140 Gramm Gold, die Zahlen auf der Tastatur und die Funktionsknöpfe sind mit mehr als hundert Brillanten besetzt. Beliebt sind auch schlüsselfertige Schlösser im Stil von Zar Peter dem Großen und dazu einen Helikopter für den Sonntagsausflug.
Der Nachholbedarf an Konsum ist groß. Der Raubtierkapitalismus der Jelzin-Zeit brachte viele Dollar-Millionäre hervor, inzwischen sollen es landesweit etwa 400.000 sein. Sie wollen ihr Geld unter die Leute bringen. In diesem Meer von Superreichen ist selbst Wirtschaftsmagnat Telman Ismailow nur ein kleiner Fisch. Sein Vermögen, das sich nach einer Schätzung des US-Magazins Forbes auf 620 Millionen Dollar beläuft, hievt ihn nur auf Platz 76 der reichsten Moskowiter.
Die werden auf der Messe für Millionäre wieder ihren märchenhaften Reichtum verschleudern. Mehr als 45.000 Menschen kamen in diesem Jahr. Trotz der horrenden Preise wurde auch dieses Jahr penibel darauf geachtet, dass nicht über Geld gesprochen wurde - man hat es einfach. Der Eintrittspreis in Höhe von 30 Euro wirkt da fast schon kümmerlich.
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(sueddeutsche.de/jusc)