Ming: Natürlich gibt es hier immer die Klischees von weiblicher Gefallsucht und männlichem Imponiergehabe, doch letztlich ähneln sich die Bedürfnisse. Jeder ärgert sich über Egoismus, Ignoranz und Eitelkeit, alle wünschen sich Einfühlungsvermögen, Phantasie und Respekt. Da gibt es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede.

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sueddeutsche.de: Im Vorwort Ihres ersten Buches heißt es: "Gank klar - die Männer sind schuld!" Im zweiten Buch schreiben Sie vorab über Frauen, "die alles tun, um hilflosen Männern die schlimmste Nacht ihres Lebens zu bereiten". Ist das wirklich Ihr Ernst? An wem liegt es denn nun?

Ming: In erster Linie will ich mit dieser ironischen Aussage natürlich provozieren. Die meisten Erzähler versuchen einfach nur, eine Entschuldigung für ihre Erlebnisse zu finden. Letztendlich liegt es niemals immer nur am Mann oder an der Frau.

sueddeutsche.de: Sie sind also auch der Meinung, dass zu schlechtem Sex immer zwei gehören?

Ming: Absolut.

sueddeutsche.de: Vielleicht sagen wir uns einfach zu oft "Augen zu und durch" - nach dem Motto: Lieber schlechten Sex als gar keinen.

Ming: Zumindest die meisten Männer geben sich damit zufrieden, weil sie auch von einer rein mechanischen Befriedigung profitieren. Oft merkt man aber auch erst zu spät, dass es nichts mehr wird.

sueddeutsche.de: Und die Frauen - was ist ihre Motivation, sich so etwas anzutun? Angst vor Ablehnung?

Ming: Bei Frauen tritt die Erkenntnis, dass der Sex nicht gut ist, in der Regel früher ein. Auf der anderen Seite sind sie oft von Abenteuerlust geprägt, wollen einfach nur die Langeweile vertreiben.

sueddeutsche.de: Es fällt schwer zu glauben, dass die Langeweile derart groß sein kann.

Ming: Das bekomme ich jedenfalls immer wieder zu hören.

sueddeutsche.de: Dann darf man sich aber später nicht beklagen.

Ming: Im Vorfeld ist es eben oft schwierig, realistisch zu bleiben. Im Nachhinein hilft es, die Sache mit Humor zu betrachten.

sueddeutsche.de: Wie schützt man sich rechtzeitig vor schlechtem Sex?

Ming: Indem wir anspruchsvoller sind.

sueddeutsche.de: Sagten Sie nicht, unsere Erwartungen seien zu hoch?

Ming: Es geht nicht darum, wie hoch sie sind - die richtigen Erwartungen sind entscheidend.

sueddeutsche.de: Wie lautet die Botschaft Ihres Buches?

Ming: Ich will unterhalten. Wenn schon schlechter Sex, dann soll er wenigstens amüsieren.

sueddeutsche.de: Klingt einfach und gut, wenn auch ein bisschen nach Resignation. Gibt es denn gar keine Hoffnung?

Ming: Aber sicher! Sehen Sie es doch so: Mittlerweile wollen die Menschen wenigstens darüber reden. Wenn sie sich jetzt auch noch mehr Selbstironie und weniger Ich-Bezogenheit aneignen, sind wir auf einem guten Weg.

"Schlechter Sex 2" ist beim Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag als Taschenbuch erschienen. 224 Seiten, 9,90 Euro.

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(sueddeutsche.de/jja)