Von Claudia Fromme

Seit Jahren tingelt Yves Gijrath durch die Welt und bringt Millionäre und Luxusgüter zusammen. Doch auch der Kampf um reiche Kunden wird immer härter.

Die Sonne senkt sich über Kortrijk und am roten Teppich vor der Messehalle der belgischen Stadt riecht es nach Auspuff. Drei Bentleys folgt ein weißer Lamborghini. Der Motor heult auf, und eine Frau lacht schrill aus dem Seitenfenster. Sie eilt aus dem Sportwagen die Teppichtreppe hoch, in ihrem Fahrwasser ein älterer Mann mit maritimer Bräune. Was sie von dem Abend erwarte, ruft ihr die Reporterin der kroatischen Fernsehshow "Red Carpet" ("40 Prozent Marktanteil!") hinterher. Die Blonde lacht wieder und läuft davon. Ihr Begleiter blinzelt der Reporterin zu und schlägt kurz auf die Brusttasche seines Anzugs. An diesem Abend versteht jeder die Handbewegung. Man ist unter sich.

Der Holländer Yves Gijrath schmückt sich mit Liz Hurley. (© Foto: AFP)

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In Westflandern ist Millionaire Fair, und das ist eine Art Tupperparty für Superreiche, nur dass statt bunter Plastikpötte Privatjets, Diamanten und Luxusautos angeboten werden. Der Gastgeber, der Getränke und Häppchen stellt und für den am Ende etwas abfällt, heißt Yves Gijrath, 41. Der Niederländer reist seit 2002 mit dem Jahrmarkt der Eitelkeiten an Orte, an denen Geld vermeintlich locker sitzt. In diesem Jahr wird er fünf weitere Messen veranstalten: in Shanghai, Istanbul, Moskau, Amsterdam, München. Im nächsten Jahr folgen Dubai und Delhi.

Yves Gijrath verkostet im Hotelrestaurant zwitschernd chilenischen Wein, abends ist Messestart in Kortrijk. Es gibt Thunfisch, Rinderfilet und Fritten, zum Nachtisch Marlboros und markige Sprüche: "Ich will Leute, die Spaß am Ausgeben haben, Leute, die so schnell Geld verdient haben, dass sie nicht daran hängen", sagt er. Moskau sei dafür ideal. Auf der nach oben offenen Dekadenzskala schlägt die dortige Luxusmesse jede andere. Eine Yacht mit Mini-U-Boot (16 Millionen Euro) war in Moskau ebenso schon im Angebot wie ein Goldhandy mit 1700 Diamanten (1,5 Millionen), Villen in Panama (35 Millionen) und turkmenische Rassepferde (1,3 Millionen). Einige Oligarchen zahlten bar, aus Koffern voller Dollars.

Jets und Butler für den Geldadel

In Moskau machten die Aussteller 2007 fast 500 Millionen Euro Umsatz, in Amsterdam 300, fast 45.000 Menschen waren gekommen. Die Rituale sind immer gleich: Zum Start der exklusiven Verkaufsshow schlägt immer ein Stargast einen Gong, dann regnet es Gold und Feuer und Champagner. Fotos in Firmenbroschüren zeigen Liz Hurley und Joan Collins am Arm des stets gut gebräunten Gijrath. Wie viel er als Kuppler zwischen Luxusware und Luxuskunden kassiert, will er nicht sagen. Nur so viel: Ein paar Millionen seien es schon, der Aufwand müsse sich lohnen. Am Umsatz der Aussteller sei er nicht beteiligt, wohl aber an Standmiete, Werbung und Kartenverkauf - für 35 Euro darf jeder Kleinsparer sehen, was er sich nicht leisten kann.

In Kortrijk sind es Luxusjets für 35 Millionen Euro, Villen in Dubai für 2,3 Millionen Euro, Lamborghinis für 350.000 Euro. Oder Butler. Eine gute Kraft koste 270.000 Euro im Jahr, sagt Toni de Witt von der International Butler Academy, der schon der Queen gedient hat. Nun vermittelt er vor allem nach China, dort seien europäische Butler Statussymbole. In Kortrijk erhält er immerhin ein Dutzend Anfragen. "Das richtige Geschäft läuft nicht auf der Messe", berichtet Benno op den Berg. Er verkauft Massagestühle für 8000 Euro.

Vor Messestart habe er bereits 200.000 Euro Umsatz mit Vorbestellungen gemacht, sagt er. So sehr der belgische Geldadel vor der Halle protzt, so kühl reagiert er drinnen auf Pressefragen. Man wolle sich informieren, heißt es meist knapp. Selten sind Szenen zu sehen wie bei Hulchi Belluni. Dort gibt es Diamanten, die bei Vollmond verarbeitet wurden. Eine alte Dame mit Hut lässt sich nicht von Kameras irritieren, als sie ein Collier für 400.000 Euro anlegt, sie zögert, eines für 15.000 Euro lässt sie direkt einpacken.

Die Clubtreffen der Millionäre haben Gijrath selbst zu einem gemacht. "Man sollte fünf Millionen Euro besitzen, um ein einigermaßen komfortables Leben führen zu können", sagt er. Er trägt Jeans, Hemd, Sakko und eine IWC Schaffhausen am Handgelenk; man muss ihn nicht lange bitten, zu sagen, dass sie 30.000 Euro kostet. Abgesehen von der Sammelleidenschaft für Uhren sei er zurückhaltend, sagt er, wichtiger als alles Geld seien ihm seine Frau und seine zwei Söhne.

Gern erzählt Yves Maxime Antoine Gijrath vom Mythos seines Aufstiegs. Nach dem Wirtschaftsstudium arbeitete der Sohn eines Reiseunternehmers als Animateur in Tunesien, verteilte in Kaufhäusern Ostereier im Hasenkostüm, brachte seine dunkle Stimme bei einer Telefonsex-Agentur ein. Als Berater machte er in den neunziger Jahren schnelles Geld, mit 30 die erste Million. Er druckte Gratiszeitungen in Amsterdam, ging pleite, arbeitete sich wieder hoch, gründete einen Verlag, die Gijrath Media Group, die Hochglanzhefte produziert. 2000 beschloss er, ein Magazin für Millionäre zu gründen und es genauso zu nennen: "Miljonär".

Die erste Auflage von 26.000 Stück war innerhalb eines Tages ausverkauft, heute setzt er 40.000 Stück im Quartal ab. Eine russische Version gibt es schon, eine deutsche ist geplant. Als ihm die Idee mit der Messe kam, erklärten ihn viele für verrückt, sagt Gijrath. In Holland eine Protzmesse? "Du spinnst doch", hätten sie ihm gesagt. Als 2002 die erste Millionaire Fair in Amsterdam stattfand, hatte Mammon ganz offensichtlich Calvin abgelöst. "Es gab den teuersten Stau, den die Niederlande je gesehen hat", prahlt Gijrath. Vor der Messe steckten Bentleys, Aston Martins und Jaguars fest.

Das Konzept der Haushaltsmesse für Superreiche funktioniert so gut, dass inzwischen ein Kampf um die betuchte Klientel entbrannt ist. Es gibt etliche Nachahmer, die "Eccentric" oder "Extravaganza" heißen. Marktführer Gijrath wirbt mit dem Slogan "World's leading luxury fair". Der Triumph, die erste deutsche Luxusmesse zu feiern, währte nur kurz.

Wenige Tage nachdem Gijrath bekanntgab, im Oktober eine Millionaire Fair in München ("Eine Stadt voller Geld und anders als Berlin ohne Neid") zu feiern, annoncierte Konkurrent Mobilon die Luxurious Millionaire Fair in München, die an diesem Wochenende stattfindet und mit 5000 anvisierten Gästen zwar viel kleiner ist als das Vorbild, sich aber sonst stark daran orientiert - bis zur Gala, zu den Eintrittpreisen, zum Namen. Wirkt Yves Gijrath sonst, als könne ihm die ganze Welt den Buckel runterrutschen, steigt ihm Röte ins Gesicht, wenn man ihn danach fragt. "Die Menschen werden sehen, wer das Original ist", presst er hervor. Damit ist das Thema für ihn erledigt, für seine Anwälte nicht.

Die Stimmung in der Branche ist gereizt, jeder will seinen Teil vom rasant wachsenden Luxus-Markt. 2007 wurde dem weltgrößten Nobelkonzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) zufolge 150 Milliarden Euro Umsatz mit Luxusgütern gemacht, in den nächsten drei Jahren soll er sich weltweit verdoppeln. Ein Drittel entfällt auf Russland, China und Indien, wo das Pro-Kopf-Einkommen durch den Wirtschaftsboom rapide steigt. Gijrath plant mehrere Messen in Asien.

"Ich schaffe Arbeitsplätze"

Der Umsatz auf der Moskauer Messe, 500 Millionen Euro, ist exakt so viel, wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im April von der Staatengemeinschaft als Soforthilfe forderte, um der weltweiten Nahrungsmittelkrise zu begegnen. "Ich habe es satt, mich immer verteidigen zu müssen", sagt Gijrath genervt. Seine Messe sei ein Wirtschaftsmotor. "Hotels, Taxis, Caterer - alle profitieren." Muss man Luxusshows in Russland feiern, wenn ein Fünftel der Bevölkerung unter dem Existenzminimum lebt?

"Wem nützt es, wenn ich es nicht täte?", fragt Gijrath. Er sei nicht für die soziale Schieflage verantwortlich. Privat spende er, sagt er, für Kinder in Afrika. Mit der Messe habe das nichts zu tun, er wolle sich nicht das Recht erkaufen, sie veranstalten zu dürfen. Es sei die einzige Messe, bei der sich Millionäre für nichts rechtfertigen müssen. In Shanghai verteilten Damen in Kreditkartenkleidern Champagner, in Moskau konnte man in Dollarnoten baden. Neureiche sind Gijraths Klientel. Denen biete er "eine Mischung aus Disneyland und Harrod's".

Während der Rubel weiter rollt, widmet sich Gijrath neuen Projekten. Derzeit baut er den weltweit ersten Fernsehsender für Millionäre auf, bald bringt er in Holland ein Magazin für Gutverdiener mit grünem Gewissen heraus. "Noch nie hatten die Leute so viel Geld wie heute, man muss sie nur motivieren, es auszugeben", sagt er. Selbst in den Niederlanden gebe es 120.000 Millionäre. Fast schon zu viele. Yves Gijrath hat sich längst den Namen Billionaire Fair schützen lassen. Da geht es dann direkt um Milliarden.

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(SZ vom 14.05.2008/jüsc)