Wer beim Unterwasser-Rugby mithalten will, sollte Körperkontakt mögen, Ballgefühl haben und die Luft anhalten können - kurz: eine Mischung aus Hai, Delfin und Wal sein.
Ich bekomme keine Luft mehr. Ich habe Panik. An mir zischt eine haiartige Gestalt vorbei. Über mir ist Wasser. Unter mir ist Wasser. Neben mir ist Wasser. Jetzt nur nicht an "Titanic" denken, auch nicht an "Open Water" und schon gar nicht an "Der Weiße Hai". Plötzlich kommt ein Kugelfisch auf mich zu und prallt gegen meinen Bauch. Hoppla, das ist ja gar kein Lebewesen, sondern ein Ball. Und ich bin auch nicht in der Südsee, sondern im Schwimmbecken eines Münchner Hallenbades. Als mir das bewusst ist, hat mich das haiartige Wesen schon wieder attackiert und mir den Ball abgenommen.
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Eine Szene vom Unterwasserrugby: Nichts für ungelenke und weiche Sportler. (© Foto: oh)
Ich spiele Unterwasser-Rugby. Zum ersten Mal. Mein bisher atemraubendes Taucherlebnis hatte ich mit elf Jahren, als mich mein Bruder so lange unter Wasser hielt, bis ich ohnmächtig wurde. Schön war das nicht, aber eben atemraubend. Und nun soll ich so lange unter Wasser bleiben, bis ich einen mit Salzwasserlösung gefüllten Ball in einem Korb versenkt habe.
Das Problem ist die Position des Korbes. Der steht in mehr als vier Metern Tiefe auf dem Grund des Springerbeckens. Sagen wir es einmal so: Vor dem Training habe ich nach einem Sprung vom Drei-Meter-Brett versucht, den Boden zu erreichen, was mir unter größter Anstrengung gelang. Und nun soll ich ohne Schwerkraft da runter? Naja.
Wie ein gestrandeter Wal
Immerhin trage ich eine Taucherbrille und kann so zumindest sehen, was da unter Wasser alles abgeht. Ich sehe Menschen mit Flossen an die Füßen und einer Maske im Gesicht, mit der sie auch bei einem "Star Wars"-Film mitspielen könnten. Sie tragen Kappen, um sich gegen den Luftdruck zu schützen. Die Farbe der Armbänder bestimmt die Mannschaftszugehörigkeit.
Ich warte am Beckenrand auf den Anpfiff. Die sechs Spieler jeder Mannschaft sehen sich an wie Raubfische, die unbedingt die Beute in der Mitte des Beckens haben wollen. Nun ja, elf Spieler sehen so aus. Ich komme mir eher vor wie ein gestrandeter Wal, der darauf wartet, von Greenpeace ins Meer zurückgeschoben zu werden.
Dann geht es los, die Spieler stürzen sich auf den Ball - jedoch nicht unkontrolliert, es gibt durchaus eine Taktik. Ich wundere mich, wie präzise man den Ball doch passen kann, wenn man die Technik einmal raus hat. Kratzen, Beißen, Schlagen, Treten, Fingerverbiegen, Würgen ist verboten. Festhalten ist erlaubt, das Angreifen auch - wobei das "Angreifen" anscheinend Auslegungssache ist. Man wird gerammt, gezogen, getaucht. Und während die anderen Teilnehmer locker 30 Sekunden unter Wasser bleiben, kommt bei mir nach zehn Sekunden die Atemnot.
Irgendwann in der zweiten Halbzeit jedoch ist es soweit: Ich bekomme den Ball in der gegnerischen Hälfte und tauche ab. Vor mir nur noch der Torhüter. Ich wälze mich und schiebe ihn mit der Schulter zur Seite. Dabei verliere ich den Ball, der jedoch in den Korb fällt. Tor! Tor! Tor! Ich will schreien, merke aber, dass ich keine Luft dazu habe. Ich muss auftauchen - und bin überglücklich.
Den Rest des Spiels erlebe ich wie im Rausch: Plötzlich wird aus dem Wal ein, naja kein Hai, zumindest aber ein Delfin. Ich stoße, ich passe, ich werfe. Ein Tor will mir nicht mehr gelingen, dafür stehe ich einmal im Weg, als ein Gegenspieler eines erzielen will. Ich verbuche das mal als Erfolg.
Nach einer Stunde ist das Training vorbei. Ich bin so fertig, als hätte ich einen Tag im Konditionstraining von Werner Lorant absolviert. Ich wanke kaputt, aber zufrieden in die Umkleidekabine. Um Unterwasser-Rugby zu verstehen, dauert es nicht lange, auch Anfänger werden ihren Spaß haben. Um aber wirklich erfolgreich zu sein, muss man mehr draufhaben als ein gestrandeter Wal.
Unterwasser-Rugby kann in den meisten deutschen Großstädten gespielt werden, in vielen Vereinen gibt es Hobbymannschaften und Schnuppertrainings. Mehr Informationen gibt es unter www.unterwasserrugby.com. Dort sind auch alle Vereine in Deutschland und deren Ansprechpartner aufgelistet.
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(sueddeutsche.de/bilu)
Die UW-Rugby Spieler haben um die Mannschaftzugehörigkeit zu zeigen weiße und schwarz(-blau-)e Badehosen und Käppis. Die Farbe der Armbänder stimmt damit überein. Die Armbänder dienen eigentlich nur dazu dass man viele Hände die gleichzeitig versuchen nach dem Ball zu greifen den Mannschaften zuordnen kann. Nicht alle Maannschaften spielen immer mit Armbändern.
mausi56, ich schaff auch 2 Minuten und mehr - in Ruhe, aber nie im Spiel. Da sind 30, 40 Sekunden schon lang. Und meine Mitspieler sagen mir immer, ich hätte gut Luft. Den Spieler, der beim Spiel (das heißt ja, im Kampf!) 2 Minuten unten bleibt, oder gar 3, den hab ich noch nicht erlebt. Wo spielst Du?
Schon mal Wasserball gespielt? Da schwitzt man auch, und zwar nicht unerheblich. Die Kappen schützen übrigens keineswegs vor Luftdruck, auch nicht vor Wasserdruck (was wenigstens naheliegend wäre). Die kommen ebenfalls vom Wasserball, schützen vor Verletzungen und dienen durch ihre Farbe und Nummer der Identifikation der Spieler. Mehr jedenfalls als eventuell getragene Armbänder.
die regelmäßig spielen, schaffen zwei Minuten. Und ein gut trainierter Torwart drei Minuten unter Wasser.
Ein tolles Spiel - und die einzige Möglichkeit, unter Wasser zu schwitzen.