Wie kriegt man einem bekennenden Frischluft- und Ohren-frei-Fanatiker einen Helm auf den Dickkopf? Gar nicht mal so einfach.
Skimützen sind mir ein Graus. Irgendein wollenes, schweißtreibendes, womöglich gar kratzendes Gewebe auf dem Schädel: bloß nicht! Da muss es schon richtig zapfig kalt sein und mindestens in Orkanstärke über die Piste pusten, bis ich mir so einen Ohrenschutz gönne. Das war eigentlich schon immer so, hätte sich in den nächsten Dekaden wohl auch nicht mehr geändert, wenn, ja, wenn nicht plötzlich der Helm über uns gekommen wäre, sozusagen als Über-Mütze.
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Der Helm, das unbekannte Wesen (© Foto: Uvex)
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In der Kinderwelt hat er sich ja schon länger etabliert - und das natürlich vollkommen zu Recht. Die zarten Kinderköpfe: Da muss man doch drauf aufpassen, rief das Heer der Vernünftigen. So weit, so gut. Vor ein paar Jahren ging es dann mit den Radlern los. Mit einem Mal musste jeder so einen hässlichen Kopf-Topf tragen. Was für die süßen Kleinen galt, sollte jetzt auch für uns Alte gelten? Zugegeben: Bislang war in unserer altersweisen Argumentationskette ja doch immer dieses Loch: "Und warum musst du keinen Helm anziehen, Papa?"
Aber beim Skifahren ist das natürlich anders. Gewesen. All die Jahre. Ski fahren mit Helm: Das war was für Kleinkinder und Abfahrtsläufer. Jetzt ist es: Irgendwie behelmt. Rückenverstärkt. Gepolstert. Kniegeschützt. Der Skifahrer von heute kommt fast so ausstaffiert daher wie ein Eishockeyspieler. Fehlt nur noch der Mundschutz. Muss das denn alles sein?
Rein vernunftmäßig betrachtet, ist die Sachlage eindeutig: Jeden Winter verzeichnet der Deutsche Skiverband etwa 6000 Kopfverletzungen - deren Großteil durch das Tragen eines Helms vermieden werden könnte. In Südtirol, wo seit drei Jahren eine Helmpflicht für Kinder unter 14 Jahren gilt und Eltern mit Geldstrafen zwischen 30 und 150 Euro belangt werden können, ist die Zahl der verletzten Kinder mit schweren Hirntraumata auf null zurückgegangen.
Zwar besteht der Mensch nicht aus Vernunft allein, doch er lässt sich zuweilen eines Besseren belehren. Besucht also im Pitztaler Skigebiet Hochzeiger den Workshop eines Helmherstellers, lässt sich die Vorteile eines Protektoren-Rucksacks demonstrieren und erfährt staunend, wie man aus handelsüblichen Skischuhen Maßanfertigungen macht.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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Der Helm ist kein Add-On für Weicheier, sondern ein Schutz gegen eigene oder fremde Fahrfehler oder Blödheiten. Im letzten Winter habe ich mitten auf der Piste vor einer Alm einen vereisten Schneeball an den Kopf bekommen. Das war trotz Helm noch ein heftiger Schlag. Ich möchte es mir gar nicht vorstellen, wie es ohne ausgegangen wäre.
der beste Schutz beim Skifahren, wie bei fast allem ist das Können. Wer sich auf der Piste ohne Helm unsicher fühlt, ist entweder auf der falschen Piste gelandet, -oder leidet an Selbstüberschätzung.
Es ist unbestreitbar, daß Helme schützen - den Helmträger.
Aber was ist mit Unfällen, die durch Helmträger verursacht und mit Helm verschlimmert werden?
Beispiel:
Vor zwei Wochen wurde ein Freund von mir von einem Elfjahrigen übergewichtigen Krümelmonster auf völlig freier Piste umgefahren. Er prallte mit seinem helmgeschützten Kopf auf den Oberarm meines Freundes. Ergebnis: mehrfacher komplizierter Oberarmbruch, der nur durch eine längere Operation wiederhergestellt werden konnte. Weitere Folgen noch nicht absehbar. Im österreichichen Krankenhaus erfuhr er, daß derartige Verletzungen inzwischen keine Seltenheit sind. Der Arzt schätzte, daß diese in wenigen Jahren mehr als 30 Prozent aller Skiverletzungen ausmachen werden.
Fazit: Der Helm schützt (vielleicht?) den Raser, aber auch nur diesen!
Nachteil des Helmes (und aller anderen Protektoren):
Es gibt genügend Vollid..ten, die sich dann unbesiegbar fühlen und die Piste auf noch schwachsinnigere Art runterknallen - meilenweit von ihrem tatsächlichen Können entfernt!!! Und die schwersten Verletzungen entstehen nunmal nicht bei den normalen "Einpersonen-Stürzen", sondern bei Zusammenstößen zwischen Personen.
Wenn man also untersucht, ob die Schädelverletzungen gesunken sind, dann sollte man doch gleichzeitig auch untersuchen, wie die Entwicklung bei den Schwerstverletzungen bei Opfern, die übern Haufen gerast wurden, aussieht und wieviele der Raser behelmt waren.
Ich will NICHT sagen, dass die Helmträger Raser wären, die meisten von denen fahren völlig vernünftig - ich will andersrum nur sagen, dass mir aufgefallen ist, dass viele, die weit schneller fahren, als es ihrem Können angemessen wäre, einen Helm tragen! Und ich wundere mich, ob ein Helm und dessen Schutz nicht bestimmte Schwachköpfe dazu verleitet, noch ein bißchen mehr Gas zu geben...
Und es bleibt dabei, Helmfahrer sind unsexy. Ich werde auch weiterhin ohne Helm radeln, boardern und auf die Toilette gehen.
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