Schlafes Schwester: Schlafyoga verspricht alles Gute dieser Welt, ganz ohne Anstrengung. Eine prima Idee - wenn man dabei nicht so lachen müsste.
Mit dem Yoga ist das so eine Sache: Entweder, man glaubt daran - oder man lässt es bleiben. Es wird sich wohl niemand ein zweites Mal in einem Yoga-Kurs einfinden, wenn er bei seinem ersten Besuch in Lachen über kopfbetuchte Mitstreiter, atmosphärische Verwehungen, Duftkerzen und das berühmte "Ohm" ausgebrochen ist. Auch wenn von Madonna über Ralf Bauer bis zu Ursula Karven die Promis sich in Anpreisungen des unlängst entdeckten Yoga-Lifestyles überbieten.
Gemütlich, dieses Schlafyoga. (© Foto: iStock)
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Insofern ist es niemandem ernsthaft übelzunehmen, wenn er sich von der Yoga-Welt erst mal fernhält - trotz nachweislich positiver Auswirkungen auf Körper und Geist. Es gibt allerdings eine Form des Yoga, die genauere Betrachtung verdient, vor allem für die, sagen wir, Stressanfälligeren unter uns: das Schlafyoga.
Schlafyoga, in Fachkreisen "Yoga Nidra" genannt, ist die weitgehend unbekannte und weitgehend unbewegliche Variante des Yoga, bei dem es ja ansonsten mitunter schon mal zu schwindelerregenden Verrenkungen kommen kann. Hier muss niemand seine Zehen zu den Ohren führen, hier geht es allein um: Entspannung.
Im Jobbing-Anzug
Prima, denke ich mir, als ich mich zwischen zwei TV-Kritiken, zwei Seminararbeiten über Caravaggio und die mittelalterliche Spätgotik, zwischen zwei Jobs und dem steten Pendeln zwischen zwei Wohnorten mit Anfang 20 doch ein wenig ausgelaugt fühle. Es kommt aber zunächst, wie es kommen musste: Ich muss lachen.
Die Sporthalle an der Uni Köln ist alles andere als meditationsgeeignet: Neonlicht, PVC-Boden und Schweißgeruch. Die Satyananda-Jünger, die uns in den "bewussten Schlaf" tragen wollen, scheinen weit hergereist aus einer anderen Welt: in orangefarbenen wallenden Gewändern und mit wahrhaft erhaben-seligem Lächeln. Um die Umgebung ihrer Stimmung anzupassen, haben sie Räucherstäbchen und Musik mitgebracht.
Wir legen uns in "gemütlicher Kleidung" auf unsere Matten. Bei mir besteht die gemütliche Kleidung aus meinem Jobbing-Anzug, weil ich zum Umziehen nun wahrlich keine Zeit hatte. Den Gürtel solle ich aber wenigstens ausziehen, bittet die Lehrerin. Ich öffne ihn. Zu mehr bleibt keine Zeit, denn dann kommt schon die "Totenhaltung".
Der große Zeh
"Lege dich in die Totenhaltung und werde bereit für Yoga Nidra", spricht die Lehrerin, die uns fortan nur noch als Stimme durch die Übung führen wird. Denn wir liegen alle dort, auf dem Boden, mit geschlossenen Augen, die Beine 30 Zentimeter auseinander, die Arme liegen ausgestreckt neben dem Körper. Und sollen versuchen, uns an der Stimme festzuhalten, denn es folgt eine meditative Reise durch den Körper, bei der der eine oder andere gerne mal einschläft.
Das ist also das Ziel: wach zu bleiben, während der Körper schläft. Es geht los. "Berühre mit deiner Wahrnehmung die großen Teile des Körpers", sagt die Stimme, und ich folge. Die Beine, den Po, den Rücken. Dann geht es ins Detail. Wir sollen an nichts anderes denken als an die Körperteile, die gerade aufgerufen werden: kleiner Zeh, mittlerer Zeh, großer Zeh. Die Fußsohle, die Verse, der Knöchel. Weiter oben sind dann Schultern, Nacken, Hals, Hinterkopf, Augen und "Brumadia", die Stelle zwischen den Augen, dran. Ich fange an zu glucksen.
Hier liegen eine Menge erwachsener Menschen in Totenhaltung und denken an ihren großen Zeh. Sie versuchen angestrengt, sich an einer Stimme festzuhalten, die bestimmte Worte sehr merkwürdig ausspricht. Enthält das Wort ein "i", klingt es ganz furchtbar niedlich. Die Musik ist ein Auf- und Abschwellen von schrägen Lauten und ziemlich nervig. Die Räucherstäbchen vernebeln uns die letzten Sinne. Und keinen wundert's. Nehmen wir uns gleich an den Händen und tanzen nackt im Kreis? Ein Mann fängt an, laut zu schnarchen. Es platzt aus mir heraus.
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Partyzone Flußufer
"Es kommt aber zunächst, wie es kommen musste: Ich muss lachen."
Ex oriente lux, ex occidente iux?
Ah, da kommt mir eine prima Geschäftsidee: das Lach-Yoga (in zukünftigen Fachkreisen Yoga Prusta genannt).
Schlafen ist die beste Art der Meditation. -- Dalai Lama