Von Jürgen Schmieder

Was ist effizienter: Abnehmen mit einem Video-Coach oder mit einem Personal Trainer? Nach einer Woche gibt es einen klaren Sieger.

Eine Woche Urlaub hat immer so etwas Konjunktives: Man könnte endlich das Auto ummelden. Die Wohnung aufräumen. Das Schuhregal aufbauen, das noch immer Ikea-verpackt in der Ecke steht. Am Ende der Woche hat man erledigt: gar nichts.

sadistischer fitnesstrainer

Quäl dich! Der Unterschied zwischen einem Video- und einem Personal Trainer ist: Einen von beiden kann man nicht abschalten. (© Foto: iStockphotos)

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Das liegt vor allem daran, dass der Hinterntreter fehlt: Der Arbeitsvorgesetzte muss einen im Urlaub in Ruhe lassen. Der Ehevorgesetzte geht selbst einem Beruf nach und ist tagsüber nicht zu Hause. Diese unverhoffte Freiheit - schlägt meist in Faulheit um.

Um dem Dilemma des Auf-der-Couch-Verlotterns zu entgehen, habe ich mir in dieser Woche vorgenommen, zwei Chefs zu engagieren: einen virtuellen Coach und einen Personal Trainer. Billy Blanks kenne ich bereits, nun möchte ich mich an die Übungen für Fortgeschrittene heranmachen. Im Fitnessstudio dagegen warten René und Stephan, um einen Übungsplan für mich zurechtzulegen.

Beginnen wir mit meinem Freund Billy: Er ist auf den Videos wie immer gut gelaunt und hat eine Menge Anfeuerungsrufe bereit. Nur die Kleidung hat sich verändert: Statt Shorts und Muskelshirt trägt er jetzt eine militärische Kampfhose und ein hautenges Shirt in Tarnfarben. Fehlen noch zwei schwarze Striche unter den Augen und Billy könnte als "Platoon"-Statist durchgehen.

Es geht zu den Bauchmuskelübungen. Ich liege auf dem Rücken und wuchte - ohne Schwung natürlich - meinen Oberkörper nach oben. Acht Wiederholungen sind kein Problem, sechzehn gehen gerade noch, bei 24 spüre ich ein Ziehen oberhalb des Bauchnabels. Da sagt Billy seinen Lieblingssatz: "Okay, give me one more set." Nach weiteren acht Sit-ups hat sich das Ziehen auf die gesamte Bauchmuskulatur ausgeweitet.

Zeit für eine Pause. Denke ich mir. Zeit für die nächste Übung. Sagt Billy.

Ich liege auf der linken Seite und stütze mich mit dem rechten Arm ab. Dann muss ich meine Hüfte nach oben schieben. Wie immer, wenn ich kurz vor einem Krampf stehe, sagt Billy diesen schrecklichen Satz: "Give me one more set." So geht es zwanzig Minuten. Ich sitze oder liege und muss immer ein anderes Körperteil nach oben stemmen, um die Bauchmuskeln zu trainieren. Und am Ende immer dieser Satz. Nur einmal sagt er: "Wenn ihr müde werdet, scheut euch nicht, einen Schluck Wasser zu trinken und ein bisschen herumzulaufen."

Ich nehme Billy beim Wort und stehe auf. Ich trinke einen großen Schluck aus der Wasserflasche und gehe vor dem Fernseher auf und ab. Ich sehe den anderen beim Quälen zu, was einen beruhigenden Effekt hat. Als wäre man einer dieser Zuschauer beim Münchner Marathon, die sich an der Strecke einen Liegestuhl aufbauen und die Läufer mit einem Bier in der Hand und einer Zigarette im Mund anfeuern: "Hopp, Hopp, Hopp. Das geht doch schneller!"

Dann nutze ich die Macht der Fernbedienung und drehe Billy den Ton ab. Kein "Okay, give me one more set" mehr. Ich mache die Übungen nach, die Billy und seine Kollegen zeigen - aber ich höre auf, wann immer es mir passt. Sagen wir es so: Meist passt es mir im einstelligen Zählbereich. Manchmal bleibe ich auch liegen und relaxe, während die Menschen im Fernseher eine komische Verrenkung durchführen.

Nach einer Stunde ist das Workout vorbei. Meine Nettozeit: 30 Minuten. Naja, immerhin.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Der individuelle Trainingsplan und der Damokles-Turnschuh über meinem Kopf.

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