Frauen heiraten Männer, weil sie möchten, dass sich der Gatte verändert. Passt er aber nach einem Jahr nicht mehr in den Hochzeitsanzug, gibt es Probleme.
Es gibt einen Scherz, der darf in keiner Mann-Frau-Geschichte fehlen: "Frauen heiraten Männer, weil sie denken, er ändert sich noch. Männer heiraten Frauen, weil sie denken, sie ändert sich nie. Beide irren sich." Ich muss zugeben, dass ich den Witz immer weniger lustig finde, je länger ich verheiratet bin - weil er so wahr ist.
In den Anzug passen, das bedeutet manchmal Kampf. (© Foto: istock)
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Seit einem Jahr versucht meine Frau, mich zu einem ordentlichen Menschen zu erziehen, der eine Leidenschaft fürs Bügeln und Geschirrspülen entwickelt und nebenbei noch stubenrein im weiblichen Sinne wird - die Rede ist von Sitzpinkeln. Sie hat sich sogar Belohnungen und Strafen ausgedacht. Bevor ich nun aber alle Details meines Ehelebens aufzähle, komme ich lieber zu meinem Problem, das zu einem großen Teil mit Veränderung zu tun hat.
Wir haben vor gut 14 Monaten geheiratet. Ich habe mir damals nach kurzer Diät einen Anzug maßschneidern lassen. Das eierschalenfarbene Hemd passte perfekt zum Hochzeitskleid meiner Frau. Und wie das mit Hochzeitsanzügen so ist, wanderte das sündteure Ding danach in den Schrank, wo es als Staubfänger diente und die Form bewahrte. Ich dagegen ging auf wie ein Hefeklos.
Heute heiratet einer meiner besten Freunde - und ich bin Trauzeuge. Ich dachte in meinem nicht mehr ganz jugendlichen Leichtsinn, dass es doch eine prima Idee wäre, in meinem Hochzeitsanzug von damals dort anzutreten. Mit einem anderen Hemd freilich, ich will ja nicht mit dem Bräutigam verwechselt werden - obwohl sein Hemd cremefarben sein wird und ich erfahren habe, dass "creme" und "eierfarben" vollkommen unterschiedlich sind.
Ich holte also den Anzug heraus, trug ihn zur Reinigung und kaufte mir ein Hemd in der Größe meines Hochzeitsmodells. Am vergangenen Sonntag war Anprobe. Die Beine flogen elegant durch die Hose, alles war prima. Dann versuchte ich, die Hose zuzumachen. Dazu muss man wissen dass es sich um eine Drei-Knopf-Hose handelt: Man muss zwei Knöpfe durch Löcher schließen und dann noch ein Häkchen befestigen. Erst dann ist man eingepackt. Knopf eins: geht gerade noch. Knopf zwei: spannt. Als ich das Häkchen nahm, schien es mit mir zu sprechen: "Wenn du mich zumachst, platzt die Hose!"
Also, Häkchen bleibt offen, sieht ja keiner. Mit dem Jackett gibt es weniger Probleme, auch wenn ich mir sicher bin, dass es durch die lange Zeit im Schrank ein wenig eingegangen ist. Es spannt nicht, aber die Ärmel sind schon arg kurz. "Das kommt davon, weil du oben breiter geworden bist", sagt meine Frau. Ich überlege kurz, ob das ein Kompliment war, beschließe dann aber, doch beleidigt zu sein.
Vor allem aber war ich wild entschlossen, bis zum Freitag in diesen Anzug zu passen. Kann ja nicht sein, dass ich von einem Knopf gesagt bekomme, dass ich immer noch zu fett bin.
Lesen Sie im zweiten Teil: Große Anstrengungen und kleine Hosen ...
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