Von Werner Bartens

100 Jahre alt werden setzen sich immer mehr Menschen zum Ziel. Sollen sie auf Algen kauen, regelmäßig Rotwein trinken oder einfach zu arbeiten aufhören?

Die grünen Briketts sahen von weitem aus wie verdorbene Fischstäbchen. Die nette Frau hielt sie in der Hand. Sie wirkte heute noch ein wenig älter und übermüdeter als sonst. Eine Freundin hatte ihr das Algen-Präparat empfohlen.

Tägliches Kreuzworträtsellösen hilft den grauen Zellen sicher eher auf die Sprünge als das Schlucken von Algenextrakt (© Foto: photocase)

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Erschöpft ließ sie sich auf mein gelbes Sofa fallen. "Bringt das was?" wollte sie wissen. "Ich habe gehört, dass man damit wieder Energie bekommt und 100 Jahre alt werden kann."

Ohne Algen kann man das auch, wollte ich entgegnen, aber da führte sie schon den endgültigen Beweis für die Wirksamkeit des überteuerten Extraktes an: "Der Gründer der Firma ist über 90 geworden."

Man sollte mal untersuchen, ob kommerzieller Erfolg oder der Kampf für eine besonders absurde Geschäftsidee die Lebenserwartung erhöhen. Aber das will natürlich keiner dieser hochbegabten Hochbetagten hören. Sie wollen vielmehr mit ihrem eigenen Überleben zeigen, dass ihre fragwürdige Therapie zum Jungbrunnen taugt.

Besonders clever war in dieser Hinsicht Linus Pauling. Der zweifache Nobelpreisträger (für Chemie und Frieden) hat in fortgeschrittenem Alter eine obskure Vitamin-Theorie entwickelt, deren Wirksamkeit trotz Hunderter Studien bis heute nicht belegt werden konnte.

Pauling nahm das Zehn- bis Hundertfache der empfohlenen Tagesdosis Vitamine zu sich und futterte das Pulver grammweise zum Schutz vor Krebs und anderen Leiden. So wollte er 100 werden.

Falls er früher sterben würde - er starb mit 93 an Krebs - spreche das keineswegs gegen seine Vitaminkur, behauptete er. Er habe lediglich zu spät damit begonnen. Wird Helmut Schmidt wider Erwarten nicht 100, liegt das wohl daran, dass er erst mit 15 Jahren angefangen hat zu rauchen.

Da Leni Riefenstahl und Ernst Jünger über 100 geworden sind und auch etliche NS-Verbrecher im Alter jenseits der 90 in ihren Schlupflöchern in entlegensten Winkeln der Erde gefunden worden waren, könnte auch eine andere Vermutung zutreffen - Faschismus hält jung. Aber auch das konnte wissenschaftlich bisher noch nicht eindeutig bewiesen werden.

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