Für die vermeintlich Besserverstehenden in unserer Gesellschaft sind "elende" Schulmediziner nicht mehr gut genug. Sie erwarten von der Homöopathie Wunder.
Dieser unstillbare Reiz, jemanden zu würgen, stellt sich immer dann ein, wenn das Wort "Schulmedizin" fällt. Kommt eine Kollegin ins Zimmer, klagt, setzt sich auf mein gelbes Sofa, klagt weiter. Ihr Arzt sei so ein engstirniger Schulmediziner, sagt sie. Sie wünscht sich jemanden, der "einen ganzheitlichen Ansatz" hat und sie "natürlich" behandelt.
Nachdem die Kollegin erwürgt worden war, besuchte er eine Tagung. (© Foto: iStockphotos)
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Schon ist er wieder da, dieser akute Würgereiz. Die zuverlässigsten medizinischen Reflexe lassen sich längst nicht mehr unterhalb der Kniescheibe auslösen. Vielmehr kommen sie immer dann in Gesprächen über die Heilkunde zum Vorschein, wenn Ideologie und Therapie nicht zusammenpassen.
Antidepressiva kennt man in Kreisen der vermeintlich Besserverstehenden nur noch als "Psycho-Hammer". Wird jemandem im Krankenwagen, auf der Intensivstation oder in der Notaufnahme das Leben gerettet, "hängt" er an "Schläuchen und Kabeln" - obwohl die Patienten dort in der Regel liegend untergebracht sind. Und eine Operation ist natürlich nur nötig, "weil Ärzte operieren und ihren Katalog vollbekommen müssen".
Kritische Journalisten kennen das superkritische arznei-telegramm, das so unabhängig und anzeigenfrei ist, dass es kleingeschrieben wird, nur noch als "pharmakritisches" oder wie es der Spiegel jüngst ganz ganzheitlich ausdrückte "industriekritisches" arznei-telegramm. Oh, wie schön ist Panama.
Besonders hübsch wird es, wenn es um pflanzliche Arzneimittel geht, die Patienten gerne von Heilern mit ganzheitlichem Ansatz in Empfang nehmen. Das wird dann zur religiösen Ersatzhandlung, und der Hohepriester der Gesundheit überreicht das Kraut wie eine Hostie.
Die Mär vom Druiden
Auch wenn Mistelpräparate, Johanniskraut und Baldrian längst millionenfach über den Apothekentresen gehen und industriell gefertigt und abgepackt werden, bleibt beim Käufer die Illusion, ein Druide - oder gendermainstreammäßig korrekt: eine Kräuterhexe - habe den heilenden Farn persönlich für sie mit der Sichel von Stängel oder Stamm geköpft und naturtrüb in Ampulle oder Tablette gepresst.
Manchmal möchte man diesen Graswurzelfundamentalisten einen biopharmakologischen Aufbaukurs an den Hals wünschen, in dem sie erfahren, was die garstige Schulmedizin für Pfeile im Köcher hat. Acetylsalicylsäure, das der bösen Pharmariese Bayer als Aspirin verkauft, ist ein Wirkstoff der Weidenrinde.
Das Gichtmittel Colchizin ist aus Herbstzeitlosen extrahiert worden. Die meisten Antibiotika stammen aus Pilzen. Die Substanzgruppe der Taxane, die in der Krebsmedizin verwendet werden, kommen in der Eibe vor. Digitalis-Präparate zur Behandlung der Herzschwäche sind die Bestandteile des Fingerhuts.
Was hat hingegen der natürliche und naturnahe Homöopath zu bieten? Schwermetalle, Arsen, Blei, Quecksilber oder eine Pflanze mit dem schönen Namen Brechnuss, die Strychnin enthält. Die Ausrede, wonach die Verdünnung bei Homöopathens so groß ist, dass eh kein Molekül mehr in den Kügelchen enthalten ist, zieht nicht. Es kam schon zu Strychnin-Vergiftungen, weil die Verdünnung zu niedrig ausgefallen war.
Nachdem die Kollegin erwürgt worden war, besuchte ich eine Tagung. In fast allen Vorträgen ergänzten sich Psychologen, Ärzte, Hirnforscher, Meditationslehrer und andere Therapeuten in ihren Ansichten.
Die Hirnströme und die Energieflüsse und die Vibrationen fanden auf wunderbare Weise zueinander und ließen sich gelten. Alle Seiten fanden ein paar Belege für die Wirksamkeit der anderen Methode, der Schulenstreit schien sich plötzlich in vielfältiger Einigkeit aufzulösen.
Es dunkelte bereits, da erhob sich im Publikum eine bebende Stimme. Eine junge Frau meldete sich und klagte, dass ihr Arzt ein elender Schulmediziner sei. Sie suche aber eher den ganzheitlichen Ansatz.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 18.04.2009/mmk)
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keine Medikamentenstudie ohne Placebogruppe!), aber Wirkungen sind konkrete Veränderungen, die ein bestimmtes Ding mit bestimmten Eigenschaften unter bestimmten Umständen in einem anderen bestimmten Ding mit bestimmten Eigenschaften hervorruft. Um eine Wirkung gezielt herbeiführen zu können, muß man die Eigenschaften der an ihr beteiligten, bzw. zu beteiligenden Dinge kennen oder zumindest indirekt und statistisch untermauert auf sie schließen können. Nichts von alledem leistet die Homöopathie! Obendrein ist sie total unvereinbar mit der Gesamtheit dessen, was in Physik, Chemie und Biologie als wohlbestätigtes Wissen gelten kann. Homöopathen müssen also davon ausgehen, daß die philosophischen und theoretischen Grundlagen der Wissenschaft grundfalsch und ihre Vertreter ein Haufen V-ll-d--t-n sind - angesichts der technologischen und medizinischen Triumphe der Wissenschaft ist eine solche Implikation an Unverschämtheit und Impertinenz kaum zu überbieten!
keine Medikamentenstudie ohne Placebogruppe!)...
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Nun haben Sie also zwei Thesen/Hypthesen. Ich kenne Wissenschaftler aus so ziemlich allen Forschungsdisziplinen, wieso, das schreibe ich hier nicht, und daher weiß ich auch, dass sie sehr danebenliegen können - vieles, was erforscht wurde, hat sich oftmals wie eine Luftblase wieder aufgelöst! Und ich kenne die obere Riege der Forschung!!!
Haben Sie jemals Homöopathie bei sich angewendet? Das könnten Sie doch ohne weiteres mal probieren, da Sie ja vom Placebo-Effekt schreiben! Wie kann jemand, der keine praktischen Erfahrungen mit der Homöopathie hat, sie als wirkungslos darstellen - weil Sie mal gerade zwei wissenschaftliche Artikel gelesen haben?
Sie werden wohl auch wissen, dass bei dem einen Menschen ein Medikament wirkt, beim anderen nicht. Kennen Sie ein Krebsmittel, das bei allen Menschen erfolgreich eingesetzt werden kann - oder ein AIDS-Mittel? Kennen Sie eine Grippe-Impfung, die bei allen Menschen Immunität gegen einen bestimmten Grippe-Virus bewirkt? Na, dann wissen Sie aber mehr, als alle Wissenschaftler zusammen.
Die Homöopathie ist übrigens eine Langzeit-Therapie, es gibt kein Mittel, das speziell gegen eine Krankheit eingesetzt werden kann, es kommt nämlich auf den Menschen an. Und da es so gut wie keine Mediziner gibt, die sich mit der total komplizierten Medikamentierung der Homöopathie auch nur auskennen, wird sie natürlich sozusagen verschrien.
Ich kenne sehr wohl die Wirkweise der Homöopathie!
weil "rein pflanzlich":
Morphin, Kokain, Nikotin, Mutterkornalkaloide, ...
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