Zwischen Schlecker-Filiale und Parfum-Abteilung: Die Apotheken von heute sind nicht mehr das, was sie mal waren.
Der gottesfürchtige Mensch kennt und befolgt die zehn Gebote. Wenn er diesen christlichen Zehnkampf sein Leben lang durchhält, hat er sich nicht nur um seine Religion, sondern auch um den Frieden im Großen wie im Kleinen verdient gemacht. Bei Leichtathletik-Wettkämpfen gibt es den Zehnkampf, dessen Sieger gern als König der Athleten bezeichnet wird. Jürgen Hingsen, eine Art schnauzbärtiger Prinzgemahl vom Niederrhein, war das offenbar nicht genug. Der Zehnkämpfer forderte eine elfte Disziplin, was wohl nur daran lag, dass er so endlich einmal seinen ewigen Rivalen Daley Thompson zu besiegen hoffte.
Dieser Teppich ist ein eindeutiges Indiz. Aber dass man eine Apotheke sicher als solche identifiziert, ist heute nicht mehr überall gewährleistet. (© Foto: AP)
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Wie diese elfte Disziplin beschaffen sein sollte, ließ Hingsen in einem legendären Gespräch im Aktuellen Sportstudio allerdings offen. Um mehr zu erfahren, solle man die Frauen der Zehnkämpfer fragen, empfahl der Sportler damals spitzbübisch. Das lässt darauf schließen, dass Hingsen einen multidisziplinären Ansatz verfolgt. Andererseits scheint er auch erotische Beziehungen in erster Linie als einen athletischen Wettstreit verstanden zu haben.
Der Normalbürger, der weder religiös noch sportlich und auch nicht erotisch unterwegs ist, kennt nicht so viele Gebote und Disziplinen. Sofern er ein Mann ist und dem Bier nicht abgeneigt, mögen ihm die Abseitsregel und vor allem das Reinheitsgebot einfallen, wenn es um lebenswichtige Vorschriften geht. Im Kopf mag es im Zustand des Rausches noch so wild zugehen - wenigstens die Zutaten des Bieres müssen in Ordnung sein. Man will ja im nüchternen Zustand wissen, von was man einen Brummschädel bekommen hat.
Als Arzt kennt man durchaus einige Regeln, die mit geistigen Ausnahmezuständen zu tun haben - darunter sind so schöne wie das "präoperative Nüchternheitsgebot", an das eine eminente medizinische Fachgesellschaft dieser Tage erinnert. Damit ist weniger gemeint, dass Ärzte vor chirurgischen Eingriffen nichts trinken sollten.
Eine Regel, die sowieso zu überdenken ist, denn Alkohol steht bei Kleinkaliberschützen und anderen treffsicheren Sportlern auf der Dopingliste. In geringer Dosis ermöglicht Alkohol schließlich eine ruhige Hand. Dem Sportler verschafft das einen Wettbewerbsvorteil, jedem Operateur sollte es hingegen willkommen sein.
Die Anästhesisten betonen, dass bis zu zwei Stunden vor Beginn einer Narkose etwas getrunken werden kann, sofern es sich dabei um "klare" Flüssigkeiten handelt, die "kein Fett, keine Partikel und keinen Alkohol enthalten". Bier enthält eigentlich immer Partikel und meistens auch Alkohol. Je nach zugeführter Menge kann Bier sogar zu einem Narkoseerlebnis besonderer Art führen - und das deutlich schneller als nach zwei Stunden.
Wer nicht nur narkotisiert, sondern auch operiert werden möchte, sollte auf kleinere Mahlzeiten und Bier mindestens sechs Stunden vor dem chirurgischen Eingriff verzichten. Partikellose Getränke hin oder her. Für narkotisierende Erfahrungen anderer Art weiß der Wirt oder Apotheker Rat.
Dass man eine Apotheke sicher als solche identifiziert, ist heute allerdings nicht mehr gewährleistet. Manche sehen mit ihren Beauty-Angeboten und Vitamin-Kartons eher aus wie eine Schlecker-Filiale oder die Parfum-Abteilung eines Kaufhauses. Besonders irritierend sind auch neuartige Namensgebungen, die ablenken.
Am Kölner Hauptbahnhof befindet sich ein Etablissement, an dem außen in großen Schriftzügen der dem Griechischen entlehnte Begriff Apotheke wie auch die französische Bezeichnung Pharmacie prangen. Dazwischen steht in gleich großer roter Leuchtschrift das deutsche Wort "Gesundheitserlebnis". In einer deutschen Apotheke erwartet man wirklich alles - ermattete Zehnkämpfer, partikelfreie Getränke und gesalzene Preise - nur kein Gesundheitserlebnis.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 30.01.2010/pfau)
Brasiliens Präsidentin Roussef
In gewissem Sinne hat jens57 recht. Bin total narkotisiert von dem Artikel und weiß überhaupt nicht mehr, warum ich ihn angefangen habe zu lesen. Bin völlig durch den Wind. Ich glaub' ich brauch' jetzt 'ne Pulle Parfüm.
Nachbarin Euer Fläschchen, bitte zu mir !
Lieber Moderator,
nehmen wir an, ich schreibe einen Artikel "Kafka und der französische Surrealismus". Nach einem Vorspannn über Zehnkämpfer, die nüchtern Brause trinken, Christen, die auch nüchtern keine Brause trinken, Anästhesisten, die kleine Mahlzeiten zu ihrer Brause einnehmen und über das postoperative Brauseverbot, schließe ich meinen Artikel mit den Zeilen:
Am Kölner Hauptbahnhof befindet sich ein Etablissement, an dem außen in großen Schriftzügen der dem Griechischen entlehnte Begriff Apeiron. Darunter steht in gleich großer roter Leuchtschrift das deutsche Wort "Abgrund". In einer deutschen Buchhandlung erwartet man wirklich alles - ermattete Zehnkämpfer, partikelfreie Getränke und gesalzene Preise - nur keinen Kafka.
Herzliche Grüße
Ihr User
Lieber User,
Ihre Kritik in allen Ehren, aber noch mehr würden wir damit anzufangen wissen, wenn Sie sie auch noch fundieren würden.
Wir freuen uns darauf!
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Moderator
Herr Bartens wird zum Vielschreiber. Leider merkt man das. Dieser Artikel ist wahrlich eine bemühte, unwitzige Nullnummer.