Während überteuerter Unsinn von Verbrauchern oft als solcher erkannt wird, scheint dieses Gespür in gesundheitlichen Dingen immer wieder auszusetzen. Dabei sind manche Anzeichen untrüglich: Bietet eine ärztliche Privatpraxis in städtischer Bestlage Stoffwechseltests, Vitalkuren, Bio-Analysen oder Darmsanierungen an, kann man gleich in griechische Staatsanleihen oder in Opel investieren. Kostet auch viel, ist aber weniger invasiv.

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Die entsprechenden Methoden heißen BioVita oder VitaBio, BioSan, SanaVita oder schlicht Vitakur - den aufgeblähten Wortschöpfungen sind keine Grenzen gesetzt. Meist sind gleichnamige Produkte mit im Angebot, die dem Körper angeblich fehlen und unkompliziert beim Arzt zum Vorzugspreis von 49,90 Euro oder 89,90 Euro in der Vorratspackung - weil es günstiger ist - erworben werden können.

Eigentlich ist es ganz einfach: Was in der Medizin nicht von den Krankenkassen erstattet wird, taugt zumeist auch nichts. Der Nutzen ist dann schlicht nicht belegt. Geschäftstüchtige Ärzte schärfen ihren Patienten geduldig immer wieder das Gegenteil ein: Weil Sie es sich wert sein sollten, es lohnt sich, man lebt nur einmal, betrachten Sie es als Investition in Ihre Gesundheit ...

Auf diese Weise werden Patienten sogar Flüssigkeitsanalysen des Stuhlgangs verkauft und die angebliche Abwehrkraft ihrer Darmschleimhaut getestet. Dafür kassiert der Arzt Hunderte, manchmal Tausende Euro. In den Befunden stehen Textbausteine mit Reizwörtern der Epoche: Umweltbelastungen, Stress, defekte Defensine und Mangelversorgung mit Mikronährstoffen - da kann die Schleimhautimmunität schon leiden. Medizinisch ist daran nichts, nur das vermeintliche Fachvokabular - das aber erinnert eher an den Irren aus "Der Name der Rose'', der in vielen Sprachen Unsinn lallt. Der Aufwand dient dem Verkauf von Prebiotika und Probiotika für den Darm. Man sollte sie Trallalabiotika nennen, denn - man muss es so sagen - das ist Medizin, die keiner braucht.

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(sueddeutsche.de/jado)