Von Werner Bartens

Autos rufen automatisch den Notarzt und Ärzte überwachen gleich mehrere OPs am Monitor. Wie lange wird es dauern, bis der sogenannte "eDoktor" die Mediziner ersetzt?

Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt. Dieses Codewort hilft fast immer. Als Mediziner kommt man noch schneller ans Ziel als mit einem Journalistenausweis oder als Angehöriger des Diplomatischen Korps. Ständig muss man helfen, lindern, heilen - das duldet nun mal keinen Aufschub. Trost spenden, ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen der Patienten haben, den Rezeptblock zücken und zwischendurch Leben retten: Wer einen solchen Tagesablauf hat, genießt Vorfahrt. Doch es gibt ein Dilemma. Auch ein hauptamtlicher Lebensretter kann nicht überall gleichzeitig sein.

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eCall, das Auto, das automatisch den Notarzt ruft, gibt es bereits. Wie lange wird es dauern, bis es das eKrankenhaus mit eOP-Saal gibt, die automatisch den Arzt rufen? (© AP)

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Findige Chefärzte haben eine Lösung für dieses eigentlich unlösbare Problem gefunden. Sie wollen ihre ärztliche Weisheit und ihr operatives Geschick keinem Patienten vorenthalten und keine Unterschiede machen. Legendär der Chefarzt der Anästhesie, der Kameras in alle Operationssäle der Klinik einbauen ließ, um auf diese Weise jede Narkose von seinem Büro aus überwachen und im Notfall rettend eingreifen zu können. Das ist wahre Telemedizin. Böse Zungen unterstellen ihm zwar, er hätte den Videobeweis nur eingeführt, um alle Operationen abrechnen zu können, aber das verkennt sein ärztliches Ethos - zu helfen, wann und wo immer er kann.

Allerdings hat der ehrenwerte Doktor nicht beachtet, dass er während der Visite, in der Ambulanz oder bei einer Besprechung nicht über das aktuelle Geschehen während Narkose und Operation wachen kann. Wie schnell läuft da ohne seine engagierte Kontrolle etwas schief? Innovative Chirurgen haben auch hierfür einen Ausweg gefunden. Ihr Chef trägt sich grundsätzlich in jedem OP-Bericht als Operateur ein. Permanent im Einsatz.

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