In aller Dreistigkeit wird den Patienten Geld für überflüssige Untersuchungen abgenommen - um dann für die Diagnose einen Aufschlag zu verlangen.
Der Wahnsinn versteckt sich manchmal im Unscheinbaren, etwa in der Ärzte-Zeitung. Zwischen zahlreichen Anzeigen der Pharmaindustrie findet sich dort das Ergebnis einer Umfrage, wonach sich mehr als 50 Prozent der niedergelassenen Ärzte einen Gesundheitsminister von der FDP wünschen. Man fragt sich, was da in der Mediziner-Ausbildung schiefgelaufen ist.
Untersuchung, Diagnose, schriftliches Ergebnis - in der Praxis ist nichts umsonst. (© Foto: dpa)
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Interessant wäre auch die Frage, wie viele Patienten sich freiwillig von einem FDP-Arzt behandeln lassen würden, wenn es sich nicht gerade um einen Notfall handelt. FDP-Ärzte sind immerhin primär nicht ansteckend. Dagegen helfen aber auch nicht diese Desinfektions-Gels aus Seifenspendern, die neuerdings überall in unserem Verlags-Gebäude aufgehängt sind und eigentlich vor Schweinegrippe schützen sollen.
Es gibt ein paar hilflose Erklärungsversuche für die eigenartigen politischen Wünsche von Medizinern. Ärzte sind stolz darauf, Freiberufler zu sein und frei entscheiden zu können, wie sie die ärztliche Kunst ausüben. Diese Freiheit müssen sie irgendwie missverstanden und mit der Marktfreiheit der FDP verwechselt haben. Anders ist kaum zu erklären, dass Ärzte unter freier Berufsausübung in den letzten Jahren häufig freies Gewinnstreben verstanden haben. Aus der Serie innovativer ärztlicher Geschäftsmodelle ragt ein besonders originelles Beispiel heraus, das ein Augenarzt im süddeutschen Raum praktiziert.
Der Mediziner hatte seinen Patienten bereits leidlich lustlos untersucht und wollte ihn gerade wieder nach Hause schicken. Abschließend fiel ihm aber noch ein, den gesetzlich krankenversicherten Mann auf einen Behandlungsstuhl zu setzen. Der Arzt erwähnte beiläufig, dass die folgende Untersuchung nicht von der Krankenkasse erstattet würde. Der Arzt könne den Augeninnendruck daher nur gegen eine Kostenübernahme von 25 Euro messen, er würde dem Patienten aber zu dem Test raten. Und da der Patient nun schon mal auf dem Untersuchungsstuhl Platz genommen habe, wäre auch schon alles bereit und man könne sofort anfangen.
Der Patient fühlte sich zwar ziemlich überrumpelt von der ärztlichen Offensive, stimmte aber zu. Er spürte so etwas wie einen kurzen Lufthauch am Auge, dann hörte er ein klackendes Geräusch, und nach nicht mal zwei Minuten war der Spuk vorbei.
Spartipps von der Sprechstundengehilfin
Der Arzt verabschiedete sich ohne weitere Erklärung oder Diagnose von seinem Patienten und riet ihm, erst frühestens in einem Jahr wiederzukommen. Daraus schloss der Patient, dass er wohl nicht akut krank war. Wie die angeblich so dringend notwendige Messung des Augeninnendrucks ausgefallen war und ob der Patient sich Sorgen machen müsse, erwähnte der Arzt mit keinem Wort. Er verließ einfach den Raum.
Die Sprechstundengehilfin war hingegen deutlich gesprächiger. Ob er auch seinen Augeninnendruck habe messen lassen, wollte sie wissen. Wie erleichtert sie war, als der Patient zustimmte. Ja, wenn das so sei, hätte die Praxis noch eine andere Dienstleistung im Angebot: Für ein schriftliches Ergebnis der Untersuchung müsste er noch mal zehn Euro zusätzlich zu den 25 zahlen, die er bereits berappt hatte. Er bekäme dann einen Computer-Ausdruck von ihr.
Sie sagte kein Wort dazu, wie die Messung ausgefallen war und ob der Test etwas Beunruhigendes ergeben hatte. Ihr Chef und sie waren ein eingespieltes Team und würden umsonst nichts verraten. Darauf muss man erst mal kommen. In aller Dreistigkeit den Patienten Geld für eine überflüssige Untersuchung abzunehmen und dann Aufschlag für das Ergebnis zu verlangen. Dafür gab die Sprechstundenassistentin dem Patienten immerhin einen Spartipp: Wenn er zum Optiker gehen würde, um eine neue Brille zu bekommen, würde der sowieso alle Messungen wiederholen, die gerade angestellt worden seien. Dort seien sie aber umsonst.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 26.09.2009/aro/vs)
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Nach der GOÄ ist die reine Befundmitteilung mit der Grundgebühr abgegolten, also nicht gesondert berechenbar. Gegen diese Vorschrift wird von den Ärzten häufig und gezielt verstossen.
Falsch: Herr Schorre, damals KBV Vorsitzender hat für die Vertragsärzteschaft die Budgetregelung unterschrieben, in der festgelegt wurde, dass ¨keine Vergütung von Patienten zusätzlich zu fordern ist. Ausserdem dürfen Behandlungen, die die Kasse bezahlt nicht dem Patienten privat in Rechnung gestellt werden.
Wenn man sich also über jemanden beschweren will, dann in 1. Linie über die KV, die mit ihren Seilschaften ein Klima geschaffen hat, in der ärztliche Arbeit nicht mehr möglich ist. Allerdings darf man seinen Patienten nicht betrügen und ich empfehle daher jedem, der mit den Spielregeln nicht einverstanden ist, wie ich die Praxis aufzugeben.
Ausserdem soll man nicht immer nur alleine Frau Schmidt dafür verantwortlich machen. Ein grosser Teil des Unfuges ( z.B. Praxisgebühr ist auf ihrem Mist gewachsen) aber die grundlegenden Fehler dürfen schon die KVen mit ihren Fürsten verantworten.
naja, was soll ein Arzt schon machen?
Er will den Patient behandeln, darf aber nicht, da er ja nicht dafür bezahlt wird.
Und wenn der Patient nicht zustimmt, kann er den Arzt wegen Körperverletzung anzeigen. Und wenn er nichts verlangt, wird im Folgequartal sein Budget gekürzt, d.h. er darf gar nicht mehr Patienten behandeln.
Es ist inzwischen alles überreguliert: Ich bin sooo frohhhh, dass unsere allseits gehasste Ministerin und ein unerfahrener "Experte" nun nicht mehr direkt in das Gesundheitswesen eingreifen dürfen.
Zur allg. Info: Patient wird von "Geduld" abgeleitet, nicht von Kunde.
Daß sie sich Ihre Brille aussuchen können? Natürlich können Sie sich ein Brille für 1000 Euro zusammenbauen lassen (2 * 400 (Glas) + 200 (Gestell) ). Das geht aber auch viel billiger. Ist dann vielleicht zentimeterdickes Fensterglas und ein nicht gerade topschickes Gestell, kostet dann aber auch nur 50 Euro oder noch weniger.
... zum Optiker und wird untersucht:
A-B-F-C-M ... nein, doch, M-I
Der Optiker stellt natürlich Brillenbedarf fest.
Man wird sich erst technisch einig, dann geht's ums Geld.
Der Optiker:
"Die Brille kostet vierhundert Euro..."
Weil der Kunde ungerührt erscheint, ergänzt der Brillenverkäufer:
"... pro Glas, ..."
Um dann dem inzwischen wenigstens leicht erschrockenen Kunden den Rest zu geben mit:
" ... und dann kommt natürlich noch das Gestell dazu ..."
Warum sollten Ärzte nicht ähnlich dreist zulangen?
So funktioniert doch Marktwirtschaft, oder?
Wer sich's nicht leisten will kann ja zuhause bleiben ...
Das wird bestimmt noch seeehr lustig in der nächsten Legislatur.
Paging