In der Krankenpflege werden die Ressourcen knapp - sowohl das Personal als auch das Geld. Die Leidtragenden sind die Patienten.
In manchen Situationen scheint jeder Ausweg verbaut zu sein. Gerade die Medizin schafft immer wieder solche hässlichen Aporien. Da ist beispielsweise der Fall der älteren Dame, die sich den Unterschenkel gebrochen hat, als sie auf einer Treppenstufe ausgerutscht war. Ausgerechnet auf der letzten Stufe.
Das Krankenhauspersonal ist knapp und überlastet - Patienten haben das Nachsehen. (© Foto: dpa)
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Erst tat es ein bisschen weh, dann wurde es immer schlimmer, und der Knöchel immer dicker. Sie wurde operiert, der Knochen dabei mit einer Platte verschraubt und stabilisiert. Vier Wochen lag die Patientin anschließend im Krankenhaus, hatte Liegegips und konnte sich kaum rühren. Der eine Arzt sagte, sie müsse schnell wieder auf die Beine kommen, ein anderer riet, sie solle sich schonen.
Die Pflegekräfte kümmerten sich rührend um die Patientin und überlegten mit ihr gemeinsam, wie es nach der Entlassung aus der Klinik weitergehen solle. Sie redeten mit den Angehörigen darüber, wie sie die Patientin erlebten und ihren Zustand einschätzten, sprachen der Kranken Mut zu, wenn sie wieder allein war.
Eine Krankenschwester sagte, dass es im Alter wichtig sei, den Fuß bald wieder zu belasten. Die andere gab zu bedenken, dass die Knochen nach so langer Liegezeit schon mal porös sein könnten. Das müsse nicht, könne aber zu einem erneuten Bruch führen, gerade in fortgeschrittenem Alter.
Die Patientin war unsicher, wie sie sich verhalten sollte. Die Physiotherapeutin in der Klinik hatte nur zweimal die Woche eine halbe Stunde Zeit für sie. Sie ließ die Patientin den Fuß ein bisschen belasten, nicht ganz, sondern nur teilweise, was nicht leicht ist. Dann riet sie der Patientin dazu, sich und ihr malades Bein wieder zu schonen. Man wisse ja nicht, wie der Knochen das mitmache, in ihrem Alter. Die Ärzte hätten sich unklar ausgedrückt und sie wolle nicht dafür verantwortlich sein, sollte der Knöchel erneut brechen.
Keine Zeit
Während der anschließenden stationären Kurzzeitpflege war leider das Personal knapp. Essen bringen, waschen und bei anderen Verrichtungen der Körperpflege helfen, klappte gerade noch. Um ein paar Schritte mit der Patientin auf dem Gang zu üben, blieb keine Zeit. Die Physiotherapeutin kam leider nur einmal die Woche.
Die Pflegekräfte rieten der Patientin dazu, nichts zu überstürzen, gerade in ihrem Alter. Der Hausarzt kam einmal in der Woche vorbei, hatte aber meist keine Zeit, sich die Sorgen der Patientin anzuhören.
In der orthopädischen Rehaklinik sollte die Patientin "wieder auf die Beine gestellt" werden. Das hörte sie dort zumindest am Anfang. Leider waren die phsysiotherapeutischen Anwendungen dort zeitlich sehr begrenzt, im Kurbetrieb werde gespart, sagte der Klinikleiter. Die Patientin konnte immer noch nicht besser laufen als zu dem Zeitpunkt, da sie aus dem Krankenhaus entlassen worden war. "So was braucht Zeit", sagte einer der Pfleger. "Ich habe eine offene Stelle am Fuß", sagte die Patientin.
Es war der andere Fuß, nicht der operierte, der jetzt Probleme machte. Wahrscheinlich war er vom vielen Liegen wund geworden. Vielleicht auch von der ungewohnten Belastung, wenn die Patientin den operierten Fuß schonen wollte.
Sie brauche etwas mehr medizinische Hilfe und pflegerische Betreuung, sagte die Patientin. Ein Pfleger sagte, er könnte sich nicht um die offene Stelle kümmern. Die Verordnungen würden nur für den operierten Fuß gelten. Die Patientin gab vorsichtig zu bedenken, dass sie beide Füße zum Gehen braucht. Auf einem Bein kann man nicht stehen, das ließe sich nicht isoliert betrachten.
Die Patientin bekam in den nächsten Tagen ein paar Broschüren über Unfälle und Brüche im Alter in die Hand. Überall lautete der wichtigste medizinische Rat: Bleiben Sie mobil, um Komplikationen und frühe Gebrechlichkeit zu vermeiden. Tipp: Versuchen Sie möglichst schnell, wieder auf die Beine zu kommen.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 20.02.2010/dog/pfau)
Partyzone Flußufer
Da macht sich doch eine teure Grafik oder Gemählde doch sehr viel besser. Oder andere Kunstgegenstände. Die Verwaltung prahlt doch lieber mit solchen Dingen, als ihrem Personal gute Arbeitsbedingungen zu geben, die letzlich auch den Patienten zu gute kommen.
Menschlichkeit ist mit Geld nicht aufzuwiegen. Und überall sollen Gewinne gemacht werden. Schlimmer wird es durch die Aktiengesellschaften, die die Krankenhäuser übernehmen. Herr Lauterbach ist hier Lobbist. Sitzt im Aufsichtsrat der Rhönklinikum AG und im Bundestag. Und früher sass er ja auch noch auf dem Schoss von Frau Gesundheitsministerin. Klar, dass angesichts solchen Verflechtungen alte Damen, wie die von Tante Polly unter die Räder kommen, da sich für sie das vollkommen überforderte Pflegepersonal interessiert, aber in der Verwaltung, die alle klugen Entscheidungen trifft, keiner.
Meine Mutter hat zwar die komplizierte OP, die viele Stunden dauerte, dann überstanden, erlitt wenige Stunden nach dem Erwachen jedoch einen Herzstillstand, wurde 17 Min. wiederbelegt, kam zu sich, das aber mit der Perspektive, dass ein erneuter unausweichlich war. Mein Bruder sprach vor Ort mit dem Arzt und bat darum, keine weiteren Reanimationsversuche zu unternehmen und ich rief dann auch noch dort an und bekam von dem Arzt das Versprechen, sie in Frieden einschlafen zu lassen. Sie haben dann alles getan, um ihr das Sterben zu erleichtern. Zurück bleibt das Gefühl, dass meine Mutter tot gemacht wurde und diese zweite OP von vorneherein zum Scheitern verurteilt war.
Wir haben auf Regressansprüche verzichtet, denn das hat ja wohl niemand gewollt, sie hatte immer wieder betont, dass sie nicht mehr am Leben hänge und Geld hätte sie auch nicht mehr zurückgebracht. Aber diese Schmerzen hätte man ihr ersparen können mit ein wenig mehr Sorgfalt.
Nach einer OP wegen Schenkelhalsbruchs hatte man meine damas 84jährige Mutter vor drei Jahren in eine Reha-Klinik verlegt und dort sollte sie mit Hilfe von Physiotherapie und Lymphdrainage wieder auf die Beine kommen. Bereits nach der ersten Behandlung klagte sie über unerträgliche Schmerzen, aber erst nachdem sie auf erneute Röntgenaufnahme bestand, wurde das Haus entsprechend initiativ. Da dort aber keine Röntgenabteilung vorhanden war, bekam sie einen Termin in einem Krankenhaus, verbunden mit einer ganzen Woche Wartezeit, in der die Physiotherapie unvermindert fortgeführt wurde und das, obwohl sie kaum auszuhalten war für die alte Frau. Die Röntgenuntersuchung ergab, dass sich die Schraube im Hüftgelenk gebrochen war und bei jeder Bewegung irgendwo im Fleisch herumbohrte.