Der Orthopäde, unser letzter natürlicher Feind

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Kürzlich musste ich selbst zum Arzt. Ich hatte Gliederschmerzen, einen lästigen Hustenreiz, Fieber und brauchte eine Krankschreibung. Der Doktor fragte kurz nach meinen Symptomen, dann nach dem Arbeitgeber.

Anschließend war er nicht mehr zu halten. Ich bekam einen Vortrag über die Gesundheitsreform zu hören und über die Kassenärztliche Vereinigung. Stolz berichtete er, dass er weniger Medikamente verschreiben würde als seine Kollegen.

Zum Schluss kam er noch auf die Orthopäden zu sprechen, nach Einschätzung vieler nicht orthopädischer Ärzte die letzten natürlichen Feinde des Menschen. Er würde ja keine Zwei-Minuten-Medizin machen so wie viele Orthopäden am Nachmittag, sondern sich die Zeit für Patienten nehmen, die nötig ist, sagte mein Arzt.

Er hätte sagen sollen, dass er sich die Zeit nimmt, die er braucht. Denn in der Tat saß ich jetzt schon fast 40 Minuten im Sprechzimmer des Arztes - zwei Minuten lang hatte er sich um meine Beschwerden gekümmert und die Krankschreibung ausgefüllt.

"Orthopäden haben ja überhaupt keine Zeit für die Kranken und machen nicht mal einen Hemdknopf auf, sondern schieben die Leute zum Röntgen oder in die Röhre ab", schimpfte er. "Darüber müssen Sie mal schreiben." Ich verabschiedete mich und wollte darüber nachdenken, sagte ich. Erst jetzt merkte ich, dass ich noch immer die Jacke anhatte.

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(SZ vom 20.12.2008)