Ein Kommentar von Werner Bartens

Der Volksmund sagt ohnehin, Übergewicht liege in der Familie - nun wollen britische Forscher auch noch ein Gen identifizert haben, welches das Risiko für überflüssige Pfunde erhöhen soll: eine Entlastung des schlechten Gewissens.

Kürzlich kam eine Sendung im Fernsehen über fette Haustiere. Eine korpulente Dame kam darin zu Wort, die konnte sich das Übergewicht ihres offensichtlich überfütterten Dackels nicht anders erklären und sagte deshalb: ,,Es muss wohl an seiner Veranlagung liegen.''

Übergewicht

Ob dieser Mann auch die Studie der britischen Forscher gelesen hat? (© Foto: AP)

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Ob dicke Dackel oder dicke Menschen - immer sind die Erbanlagen schuld. Wissenschaftlich heißt das dann ,,genetische Risikofaktoren'', der Volksmund sagt: ,,Liegt in der Familie''.

Prima Sache: Wenn andere schuld sind, ist der Dicke von etwaigen Ernährungssünden entlastet, denn gegen das schicksalhafte Wechselspiel der Erbanlagen ist ja keine Diät gewachsen.

Die wissenschaftlich verbrämte Ausrede ist zudem schwer zu widerlegen und damit der ideale Rettungsanker für Menschen mit Rettungsringen. Britische Forscher berichten nun in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science, dass ein FTO genanntes Gen das Risiko für Übergewicht erhöht, wenn es mehrfach vorliegt, sozusagen als molekulare Sättigungsbeilage.

Das ließe sich ja als ,,Gen der Woche'' abbuchen, wenn nicht so viele Menschen daran glauben wollen würden nach dem Motto: Die Wissenschaft hat festgestellt - und schon ist vom Dicken-Gen die Rede.

Probanden mit multiplen FTOs in ihren Erbanlagen wogen durchschnittlich zwar nur drei Kilogramm mehr als die ohne FTO oder diejenigen mit einer Gen-Kopie. Egal, nachdem etliche Ernährungsmythen zertrümmert sind, bietet die Forschung wenn schon keine Entlastung von überflüssigen Pfunden, so doch vom schlechten Gewissen.

Dass ,,schwere Knochen'' kein Übergewicht auslösen, hat sich mittlerweile herumgesprochen: Das Skelett Erwachsener wiegt zwischen acht und zehn Kilogramm und kann daher allenfalls für zwei, drei Pfunde zu viel herhalten.

Gute und schlechte Futterverwerter gibt es auch nicht. Wer viel isst und wenig verbraucht, vergrößert seine Polster. Auch die Tageszeit, zu der gegessen wird, ist egal - die Gesamtmenge macht's, das ist das ganze Geheimnis. Wie schön, dass wenigstens noch auf die Gene Verlass ist. Dabei haben Forscher eine Ursache für Übergewicht schon vor Jahren entdeckt: Es ist das Zum-Kühlschrank-Gen.

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(SZ vom 13.4.2007)