Scheinpräparate wirken bei Depression, Schmerz und Parkinson - Ärzte wollen die Behandlung nun optimieren
Ein Placebo ist eine Pille ohne Wirkstoff. Nur Zucker, Stärke oder Kochsalzlösung sind darin. Dass Placebos bei vielen Leiden helfen, wissen Ärzte schon lange. Ob Depression, Bluthochdruck oder Schmerzen - Mittel ohne Wirkstoff lindern Krankheitssymptome. Jetzt sollen die Scheinpräparate noch besser und gezielter eingesetzt werden. "Wir versuchen nun herauszufinden, wie man die Wirkung von Placebos weiter optimieren kann", sagt Rainer Schneider, Psychologe an der Universitätsklinik Freiburg.
"Es zeigte sich, dass das Placebo ebenso effektiv wirkte wie die eigentliche Substanz." (© Foto: ddp)
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Schneider hat in einer Untersuchung festgestellt, dass der Nutzen eines Placebos steigt, wenn der Arzt seinem Patienten eine schnelle Besserung durch das Präparat verspricht, wenn er selbst von einer solchen Behandlung überzeugt ist und wenn er behauptet, dass die Symptome leicht zu kontrollieren sind.
Suggestive Aussagen des Arztes verstärken den Placeboeffekt weiter, etwa: "Dieses Mittel ist bekannt dafür, dass es bei vielen Menschen sehr zuverlässig wirkt." Außerdem gilt: Kleine und farbenfrohe Placebopillen sind weißen und mittelgroßen überlegen. Placebospritzen wirken besser als Placebotabletten.
"Die Placebowirkung hat eine physiologische Basis."
Entscheidend ist die Erwartung, die ein Patient an ein Scheinmedikament knüpft. Diese Erwartung spiegelt sich in biologischen Parametern wider, wie der Neuropsychologe Thomas Weiß von der Universität Jena bei Schmerzpatienten nachweisen konnte: "Je positiver die Erwartung, desto stärker werden bestimmte Regionen des Frontalhirns und des sogenannten anterioren Cingulums aktiviert." In diesen Arealen würden dann körpereigene Opiate freigesetzt, die dem Schmerzmittel Morphin ähnelten. "Die Placebowirkung", so Weiß, "hat eine physiologische Basis."
"Die Erwartung eines Patienten wird durch die Informationen beeinflusst, die ein Arzt gibt", sagt die Ärztin Karin Meißner vom Institut für Medizinische Psychologie an der LMU München. In Studien konnte sie zeigen, dass ein als Magenpräparat getarntes Placebo genau jene Symptome hervorruft, über die der Arzt den Probanden zuvor aufklärte.
"Sagt der Arzt einer Person, dass ein Medikament die Aktivität des Magens erhöht", so Meißner, "dann registrieren Elektroden auf ihrer Bauchdecke tatsächlich eine höhere Magenaktivität." Durch Placebos ließen sich Organe direkt und spezifisch beeinflussen. Andere physiologische Parameter wie Hautleitfähigkeit oder Herzfrequenz würden durch die Placebobehandlung des Magens hingegen nicht beeinflusst.
Eine weitere Möglichkeit, den Placeboeffekt zu vergrößern, besteht darin, Menschen zu konditionieren. Dies gelang etwa in Experimenten mit Patienten, denen über längere Zeit ein Schmerzmittel verabreicht wurde. Irgendwann ersetzten die Ärzte das Medikament durch ein Pseudopräparat, das genauso aussah wie das echte Mittel. "Es zeigte sich, dass das Placebo ebenso effektiv wirkte wie die eigentliche Substanz", sagt Psychologe Schneider.
Koffeinwirkung ohne Koffein
Dieser Konditionierungsprozess wurde mittlerweile gut dokumentiert: Sind Menschen überzeugt, koffeinhaltigen Kaffee zu trinken, stellen sich bei ihnen automatisch die entsprechenden psychischen und physiologischen Reaktionen ein - auch wenn das Getränk gar keinen Muntermacher enthält. "Nimmt ein Patient immer dieselbe Tablette mit derselben Verpackung und demselben Geschmack zur selben Tageszeit ein, dann geht irgendwann ein Teil der eingetretenen Wirkung auf die Konditionierung zurück", sagt Meißner. Das heißt: Die Heilung würde auch eintreten, wenn die Tablette inhaltsleer wäre.
Placebobehandlungen sind dann besonders wirkungsvoll, wenn sie das "Glaubenssystem" eines Patienten stützen. "Vertraut der Patient auf Spritzen, dann sollte man spritzen", sagt Harald Walach, Psychologe an der University of Northampton. Sei er eher von "schweren Geschützen" überzeugt, dann würden Antibiotika besser helfen als homöopathische Mittel.
Aus Sicht von Walach sind Placebobehandlungen manchmal sogar das Mittel der Wahl. "Neue Akupunkturstudien der Krankenkassen zeigen etwa, dass Placebo- oder Scheinakupunktur sogar wirksamer ist als die konventionelle Behandlung", sagt Walach. Deshalb sei zu überlegen, ob man in solchen Fällen nicht gleich auf die Scheintherapie setzen solle.
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ich hätte gern eine Placebobehandlung gegen Mistrauen gegenüber Scharlatanen.
Hallo xxx
ich bin ja schon kurz auf Ihre Antwort eingegangen.
Hier werde ich versuchen , mich konkret auf einzeln Punkte zu beziehen.
Das mit Vehemenz vertretene: Ich habe Recht-Du Nicht! erwächst meiner Meinung nach aus
einer tief verwurzelten Selbst-Unsicherheit. Unausweichlich begegnen einem deshalb besonders Dogmatiker auf dieser Rechthaberschiene. Das Dogma selbst entängstigt, gibt Haltlosen Halt, lässt sie allerdings in einer leblosen Starre verharren...
Somit sind wir bei dem - auch für Placebo- relevanten Thema Angst.
Eine Situationen, die besonders starke Angst auslöst, ist die Hilflosigkeit, in vielen Fällen eine in der Kindheit (traumatisch) erlebte Urerfahrung.
Krankheit ist in vielen Fällen ein sogenannter Trigger. Er führt zu einer Regression. Zugespitzt: Ich bin bedroht wie ein Säugling, der sich zu 100% auf die empathische und lebenserhaltende Fürsorge der Mutter verlassen können muss. Neurobiologisch bilden sich beim Säugling durch Fürsorgeerfahrungen Gehirnstrukturen Neuroneogenese-, die in jedem Lebensalter abgerufen werden können.
Dies erklärt, weshalb fürsorgliche Zuwendung heilend wirkt. Sie bezeichnen das als sehr aufmerksam zugewendet, kurz präsent.
Der aktuelle Helfer ist somit der Träger der Entängstigung.
Das Gehirn ist in der Lage, die eine neue Erfahrung durch sogenannte adulte Neuronegogenese zu speichern. Dies ist übrigens sogar durch Antidepressiva der Klasse der Selektiven Serotonin Rezeptor Antagonisten -SSRA- möglich: letzte Ausgabe- Der Nervenarzt.
Ich vermute, dass Placebo ebenfalls eine adulte Neuroneogenese auslösen können. Verabreicher des Schein-Medikamentes, der OP. e.t.c. hat hier quasi Mutterfunktion.
Stellt such nun die Fürsorgeperson als insuffizient oder selbst hilflos dar, wirkt der Placebo nicht. Die Frage, weshalb es anschließend sogar möglich ist, das Schein-Mittel selbst wirkungsvoll ein zu setzten, erklärt sich vielleicht so: Das Kind lernt durch Übergangsobjekte -Teddybär- auf die ständige Präsenz der Mutter zu verzichten. Der Teddy wird zur materialisierten Ersatz-Beziehung.
Das Medikament ist der verlängerte Arm...., schrieb ich
Am Ende schreiben Sie:... Situationen, in denen keine Hilfe mehr angeboten werden kann.,...
ein Heilimpuls??, der dann auf eine ganz bestimmte Situation zurückgeführt wird..
Wenn ich Sie recht verstanden habe, stellen Sie die Frage, ob nicht die nachträgliche Interpretation eines Heilerfolgs mehrdeutig bleibt....
Dem stimme ich vorbehaltlos zu.
Ich bin der Meinung, dass wir keine Kontrolle über unsere Lebenszeit und unseren Tod haben.
Gerade DAS macht Menschen hilflos! Auswüchse vom Wunsch nach Lebenskontrolle und Versuche das Lebensende aufzuschieben, kennt man von neuen lukrativen Märkten. Der Tod lässt sich nicht kontrollieren, wir müssen ihn als äußersten Ausdruck von Leben annehmen.
In dem Artikel Auf der Suche nach dem perfekten Placebo beschreibt Nikolas Westerhoff die interessante und mittlerweile gut abgesicherte Erkenntnis, dass die Gabe von Placebos, also Pillen ohne Wirkstoff, therapeutisch wirksam sein kann. Zwei Punkte werden jedoch nicht ausreichend deutlich: Erstens zeichnen sich wirksame Medikamente im Sinne evidenzbasierter Medizin gerade durch eine überlegenheit gegenüber Behandlung mit Placebo aus. Zweitens untergräbt die subjektive und nicht transparente Entscheidung von ärztes, Placebo zu verschreiben, die Idee von Informed Consent und Patientenautonomie als Grundlage der Arzt-Patient Beziehung und Behandlung. Problematisch wird die Verschreibung von Placebos (um einem Konflikt mit dem Patienten aus dem Weg zu gehen) spätestens dort, wo wirksame Behandlungen, z.B. Psychotherapie bei Depression, nicht gefördert werden und Patienten die Möglichkeit verbaut wird, eine ggf. übertriebene Pillengläubigkeit und einseitig biochemische Krankheitsmodelle zu überwinden. Evidenzbasierte Medizin und Stärkung der Patientenautonomie sind wichtige Entwicklungen der letzten Jahre, die durch die willkürliche und undurchsichtige Verschreibung von Pillen ohne Wirkstoff in Frage gestellt werden.
C. Nissen
"Gegen Bakterien hilft keine Homöopathie!"
Das würde auch kein Homöopath jemals behaupten. Homöopathie bekämpft eben genau nicht die Bakterien, sondern setzt systematisch ganz woanders an. Sie erhalten homöopathische Medikamente nicht ohne Grund ausschließlich in Apotheken und nicht im Supermarkt um die Ecke, angesichts dieser für jedermann erkennbaren Tatsache ist es schlicht ignorant, die Wirkung der Homöopathie pauschal auf Placebo-Effekte zurückzuführen wie Sie es tun. Wer zudem beobachtet hat, welche zum Teil drastischen Effekte homöopathische Therapien zum Beispiel auch in der praktischen Kleinkinder- oder auch Veterinärmedizin haben, kann als Praktiker über solch geradezu hysterischen Ausfälle nur noch den Kopf schütteln. Gerade hier kann die suggestive Placebowirkung eindeutig nicht ausschlaggebend sein.
Also, bevor Sie sich hier grundlos und künstlich echaufieren, sollten Sie Ihr fachliches Unwissen - sowohl auf klassisch-medizinischem wie auf homöopathischem Gebiet - schleunigst beseitigen. Derlei Literatur gibt es in Buch- wie in elektronischer Form (im Web) zuhauf. Nichts für ungut, aber die ersten drei Absätze Ihres Beitrag sind eine komplette Fehlleistung und offenkundig durch Ihrer subjektiven Antipathie gegenüber alternative Heilmethoden getrieben. Ihre Erkrankung bzw. pers. Situation, für die ich Ihnen von ganzem Herzen auch weiterhin alles Gute wünsche, rechtfertigt solche Ausfälle keineswegs.
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