Von Moritz Koch

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt und alles andere als ungefährlich. Weltweit gehen die Infektionen zurück - ausgerechnet in Deutschland steigen sie.

Die Zahl der Menschen, die jährlich an Masern sterben, ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO seit 1999 um 60 Prozent gesunken.

Masern nehmen zu

Im Impfbuch sollte der Eintrag Masern-Impfung enthalten sein. (© Foto: ddp)

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Die Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan, sprach am gestrigen Donnerstag von einem "historischen Erfolg globaler Zusammenarbeit in der Gesundheitsversorgung".

Die Entwicklung in Deutschland nennen viele Experten hingegen beunruhigend. Innerhalb der vergangenen Jahre nahm die Häufung von Maserninfektionen dramatisch zu. Hoffnung macht den Fachleuten aber, dass sich zuletzt wieder mehr Deutsche impfen ließen.

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt. Sie werden durch ein Virus übertragen und verursachen hohes Fieber und Hautrötungen. Bei kritischen Krankheitsverläufen können lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnhautentzündungen auftreten.

Letztere treffen jedes fünfhundertste infizierte Kind, wovon jedes dritte bleibende Schäden davonträgt oder an den Folgen stirbt. In einigen Entwicklungsländern, in denen Menschen Hunger leiden und nur sporadisch Zugang zu medizinischer Versorgung haben, sterben bis zu 30 Prozent aller Masern-Infizierten.

Günstige und effektive Impfstoffe gegen Masern gibt es bereits seit mehr als 40 Jahren. Nur etwa einen Dollar kosten die Mittel inzwischen.

875.000 Masern-Tote weltweit allein 1999

Trotzdem starben 1999 Schätzungen zufolge noch weltweit 875.000 Menschen an Masern, die meisten von ihnen Kinder. Fast 60 Prozent der Todesfälle soll das Virus in Afrika verursacht haben, 25 Prozent in Südostasien.

Die WHO startete 2001 den Versuch, bis 2005 die Zahl der Maserntoten im Vergleich zu 1999 zu halbieren. 2002 schlossen sich auch die Vereinten Nationen der Initiative an. Dieses Ziel wurde nun sogar noch übertroffen. Schwerpunkt der ersten Phase einer weltweiten Impfkampagne war Afrika.

In Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden, teilweise auch mit Hilfe des Militärs, das Hubschrauber und Lastwagen bereitstellte, organisierten die WHO und das UN-Kinderhilfswerk Unicef Massenimpfungen. Insgesamt wurden 360 Millionen Kinder geimpft. Allein in Afrika sank die Infektionsrate um 75 Prozent.

Mehr als 308 Millionen Dollar konnten UN und WHO für das Projekt sammeln - Spenden, die vor allem das Amerikanische Rote Kreuz und die Amerikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -Prävention leisteten.

"Deutschland beteiligt sich an unserer Initiative leider nicht", klagt Rudi Eggers, Impfexperte bei der WHO. "Dabei ist unser Finanzbedarf weiterhin hoch. Unsere ersten Erfolge dürfen darüber nicht hinwegtäuschen."

Vor allem in den rückständigen Regionen Indiens und Pakistans sind nicht einmal die Hälfte aller Kinder gegen Masern geimpft. "Diese Länder werden in den kommenden Jahren zum Schwerpunkt unserer Impfkampagne", sagt Eggers.

Als Vorbild im Kampf gegen Masern dient der WHO eine Initiative, mit der Kinderlähmung in vielen Weltregionen ausgerottet werden konnte.

Aufwändige Impfung

Ob sich dieser Erfolg wiederholen lässt, ist allerdings umstritten. Zwar können Masern genau wie Pocken nur Menschen anfallen, so dass sich das Virus nicht ins Tierreich zurückziehen kann.

Aber Impfungen gegen Masern können nur mit einer Spritze verabreicht werden und sind somit aufwändiger als es die Immunisierung gegen Kinderlähmung war, die als Tablette eingenommen werden konnte. Trotzdem wurden im Kampf gegen Masern schon große Erfolge erzielt.

Aus Südamerika etwa konnte das Virus vollständig verdrängt werden. Gerhard Krause vom Robert-Koch-Institut, warnt dennoch davor, das Risiko zu unterschätzen. "Einen dauerhaften Sieg gegen die gefährliche Infektionskrankheit kann es nur geben, wenn das Virus weltweit ausgerottet wird", sagt er. "Sonst droht die Gefahr der Wiedereinschleppung."

Zum Beispiel aus Deutschland: Die Zahl der Masernfälle ist hierzulande zuletzt dramatisch gestiegen. Wurden im Jahr 2004 nur 122 Erkrankungen registriert, so kletterte die Zahl 2005 auf 778 Fälle. Im vergangenen Jahr waren es sogar 2282, 1726 davon allein in Nordrhein-Westfalen.

"Die Ausbrüche zeigen, dass die Impfabdeckung immer noch nicht hoch genug ist", sagt Krause. Paradoxerweise sind es gerade Eltern aus höheren Bildungsschichten, die eine Impfung ihrer Kinder versäumen oder ablehnen. "Das ist bei vielen eine bewusste Entscheidung", sagt Krause. "Wir beobachten mit Sorge, dass Impfgegner die Infektionsgefahren unterschätzen."

Die Bundesregierung versucht, diesem Trend mit Informationskampagnen entgegenzuwirken, und betont die Unbedenklichkeit von Masernimpfungen.

Diese werden in Deutschland zumeist im Alter von einem Jahr in Kombination mit einer Immunisierung gegen Röteln und Mumps gespritzt. Vier Wochen darauf ist eine zweite Impfung fällig.

Beide Male werden lebende Viren verwendet, die noch vermehrungsfähig sind, aber keine ernsthafte Erkrankung mehr auslösen können. "Einige Patienten verspüren nach der Impfung eine gewisse Müdigkeit", heißt es beim Paul-Ehrlich-Institut, einer Bundesbehörde, die Impfstoffe auf ihre Nebenwirkungen testet. "Ernsthaftere Komplikationen sind absolute Raritäten."

Die Aufklärung zeigt bereits Wirkung. 2005 erhielten mehr als 95 Prozent aller Kinder im Vorschulalter eine erste Masernimpfung - gegenüber knapp 88 Prozent im Jahr 1996. Mehr als 70 Prozent nehmen inzwischen auch den zweiten Immunisierungstermin wahr. Vor zehn Jahren waren es kaum mehr als 33 Prozent.

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