Lustiges Österreich Braune Kuchen

"Österreich ist wie ein Punschkrapferl: außen rosa und innen braun." Selten passte der Satz so sehr wie auf den österreichischen Konditor, der Torten mit Nazi-Symbolen dekoriert. Nur eben andersrum. KZ-Überlebende haben ihn nun angezeigt.

Von Michael Frank, Wien

Süßes Backwerk hat in Österreich ein weit größeres Stück der Nahrungsvorlieben zu decken als in anderen Nationen. Die "Mehlspeisen" sind folglich hoch symbolgeladen, auch politisch. Ein Spruch des Schriftstellers Robert Menasse wurde geradezu sprichwörtlich: "Österreich ist wie ein Punschkrapferl: außen rosa und innen braun." Der Skeptiker wollte damit seiner verzweifelten Überzeugung Ausdruck geben, dass die Gesellschaft seines Heimatlandes sich außen noch so sozialdemokratisch geben könne, innen indes halte sich immer ein Nazi-Kern.

Manchmal aber gerät diese Gesinnung auch farbenprächtig auf die äußere Glasur, was einem Zuckerbäcker aus Maria Enzersdorf bei Wien soeben eine Anzeige eingebracht hat. Der Betrieb ist auf Jubiläums- und Feiertorten aller Art spezialisiert. Er präsentiert seine Kreationen, zur Nachbestellung empfohlen, in einem Katalog, der sogar eine nicht jugendfreie Abteilung hat, mit allerlei Erotika und saftigen Obszönitäten. Und eine ebenfalls öffentlich im Internet zugängliche Auswahl von Torten mit Nazi-Symbolen und -Sprüchen.

Satirischer Touch?

Dem Marzipansäugling auf Hakenkreuz mit zum Faschistengruß gerecktem Arm könnte man noch einen gewissen satirischen Touch zubilligen. Bei Torten mit originalgetreuem Hakenkreuz wie damals im Dritten Reich, umkränzt mit der SS-Rune und dem Spruch "meine Ehre heißt Treue" wird die Sache allerdings zum eindeutigen Bekenntnis. Diese Floskel war der Wahlspruch der SS, Hitlers wirkungsvollster Mördertruppe. Ein Spruch übrigens, den heute noch immer mal wieder Sympathisanten der Freiheitlichen Partei (FPÖ) in die Welt blasen.

Das Mauthausen Komitee Österreich, das sich um das Gedenken an die Opfer des gleichnamigen Konzentrationslagers kümmert, hat die anrüchigen Zuckerbäckereien angezeigt. Bei der kritisierten Konditorei gibt man sich harmlos, beruft sich auf die "Nachfrage": Man werde alles auf Torten applizieren, was das Publikum wünsche. Die Staatsanwaltschaft grübelt jetzt darüber nach, ob man die Bäckerei wegen der Abbildung von Abzeichen in Österreich verbotener Organisationen anklagt oder gleich nach dem Gesetz gegen die "Wiederbetätigung im Sinne des Nationalsozialismus".

Auf anderer Geschmacksebene hat ein glühender Nazi stilbildend gewirkt: Ein Wein namens Zweigelt, gezüchtet aus den Rebsorten St. Laurent und Blaufränkisch, ist heute Österreichs beliebtester Roter. In so manchem Beisl oder Heurigen wurde er lange schlicht als "Nazi-Tröpferl" bestellt - weil ihr Schöpfer, Professor Friedrich Zweigelt, nachmaliger Direktor der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau, ein begeisterter Anhänger Hitlers war. Heute versickert der krause Brauch.

Ausrutscher nach rechts

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