Luft und Liebe Lauter kaputte Typen

Die Expartner des anderen lassen sich nur schwer verscheuchen. Sie sind überall, schlimmstenfalls liegen sie mit im Bett. Meistens aber sitzen sie bloß im eigenen Kopf.

Von Violetta Simon

Das Wunderliche an einer neuen Beziehung ist, dass man nicht nur einen Partner bekommt, sondern - sofern man die 16 überschritten hat - dessen Vergangenheit gleich mit dazu. Jeder Mensch schleppt Altlasten und Gebrauchsspuren mit sich herum, wie einen alten Heizlüfter oder einen Mantel aus zweiter Hand. Jenseits der 30 wird es noch schlimmer. Da stehen die Gespenster der Vergangenheit zuweilen Schlange.

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Expartner sind die Pest. Sie sind omnipräsent, und ständig fragt man sich: Bin ich auch bald einer von ihnen?

(Foto: Foto: iStockphotos)

Doch warum sind wir eifersüchtig auf diese Gespenster? Immerhin sind sie in der vorigen Runde ausgeschieden, die Wege haben sich getrennt, das Kapitel ist abgeschlossen. Außerdem wurde man höchstpersönlich zum Nachfolger erwählt.

Nachfolger. Ein schlimmes Wort. Jeder Nachfolger hat einen Vorgänger. Das geht dem neuen Chef eines großen Unternehmens oder dem Dackel von Oma Koritke genauso. Doch schließlich kann man es jetzt besser machen, wo also liegt das Problem?

Das Problem liegt in unserem Kopf: Von nun an müssen wir es besser machen, sonst werden wir ersetzt.

Expartner sind die Pest. Sie sitzen hinter einem im Kino, mit dabei am Tisch, schlimmstenfalls schauen sie einem beim Liebesspiel über die Schulter. Corinnas Ex war so einer. Dieser Benno war omnipräsent. Jedenfalls für Tobi. Corinna selbst erwähnte ihn nur gelegentlich. Doch was sie dann sagte, genügte vollkommen.

Hin und wieder erzählte sie, wie "unerträglich" gut er aussah und wie froh sie war, dass Tobi "nicht so der Womanizer" war. "Weißt du, einen schönen Mann hat man nie für sich allein", dozierte sie, "das hat schon meine Mutter immer gesagt". Sie tätschelte ihm den Bauch und sagte dann ganz ohne Ironie: "Was ein Glück, dass ich jetzt dich hab."

Tobias fühlte sich dann immer ein bisschen wie ein alter Lappen.

Der Präsident und seine Vorgänger

In letzter Zeit musste er öfter an Nicolas Sarkozy denken. Wie hielt der das nur aus? Der Mann hatte es mit Kevin Costner, Donald Trump und Mick Jagger zu tun. Mick Jagger! Wie konnte der noch ruhig schlafen! Wie konnte er überhaupt bestehen, stets in Brusthöhe mit dieser großen Schönen. Stimmt, da war doch was: Er war der Präsident Frankreichs. Da konnte man schon mal locker bleiben, selbst wenn die Frau an seiner Seite sich hin und wieder nach einem Rockstar verzehrte.

Doch wer war er? Wenn er Corinna richtig verstand, ein lauwarmer Aufguss. Einer, in dessen Gegenwart man seinen Blutdruck bedenkenlos auf Schlafmodus senken konnte.

Aber was ihn noch viel mehr beschäftigte: Wer waren die anderen? Wie vielen Männern hatte sie bereits die drei Worte gesagt? Hatte sie mit einem von ihnen in den Dünen von Maspalomas gezeltet? Von einem gemeinsamen Kleinwagen, einem Reihenhaus geträumt? Wer von ihnen saß schon unterm Weihnachtsbaum ihrer Eltern und hatte sich mit Braten und Klößen füttern lassen?

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