Lob der Realität Neu am Start

Man könnte mit der Bemerkung anfangen, dass alles irgendwann anfängt. Allerdings wäre das nur eine von vielen Möglichkeiten.

Von Peter Licht

Man könnte mit der Bemerkung anfangen, dass alles irgendwann einmal anfängt. (Ah ok! Dann würde ich also beginnen mit: "Alles fängt irgendwann einmal an". . . Ok.) Aber weil natürlich klar ist, dass es auch NICHT anfangen könnte, ist damit schon das Unverständnis abgebildet, das in jeglichem Dinge liegt, wie ein Sternenbild in der Nacht. (Ah ok! Dann würde es also nicht beginnen und ich würde beginnen mit: "Es fängt irgendwie nicht an". . . Ah ok.) Was könnte alles NICHT anfangen! Es ist unüberschaubar.

Aber NEIN, es fängt an! Der Anfang trägt uns, wir rauschen durch ihn hindurch. Und was wir sagen können: dass irgendeine Formation von Energie sich zusammenfindet und irgendwann später wieder auseinandergeht. Das steht wohl fest. Der Rest ist ein wenig unklarer. Ob irgendetwas befürchtet ist oder ersehnt, spielt keine Rolle. Wir betrachten mit Selbstverständnis oder Erstaunen wie jetzt tatsächlich ein neuer Tag beginnt, die Sonne aufgeht eine Tätigkeit ihren Anfang nimmt, eine Reise endet, eine Unternehmung startet, ein Jahr beginnt, ein Krieg ausbricht (oder ein Terrorist oder eine Seuche), wie ein Diktator gewählt wird oder die Vorspeise kommt. Und es stellt sich die Frage, WAS es ist, was sich ändert. Sind wir der Verlauf, sind wir es, die das Neue abbilden, sind wir der Stoff aus dem das Neue ist, oder bleiben wir die alten öden Zustands-Körper und DAS NEUE wölbt sich über uns als ein dunstiger Himmel? Manchmal gehen wir hinein in einen Ablauf und es stellt sich die Erkenntnis ein, dass es vielleicht so ist: dass der Anfang anfängt und wir durch ihn hindurchgeführt werden wie durch eine Waschstraße. Das Neue ist ein Apparat, ein Zustand, eine Maschine, durch die wir hindurchgetrieben werden oder getragen oder gezogen oder gesaugt oder wie auch immer. Das Neue überwölbt uns und überzieht uns mit einer Schicht. Die dann irgendwann verblasst oder abschabt oder vielleicht auch immerfort leuchtet. Man weiß es nicht. Wie auch immer wir dazu stehen, es ergibt sich. Vielleicht ist das der Grund für das Glück/das Einverständnis/die Geborgenheit, die uns die Waschstraßen schenken, durch die wir fahren in unseren verschmierten Gefährten an unseren verschmierten Samstagen (oder Mittwochen). Nie sah ich einen Menschen unzufrieden durch eine Waschstraße gleiten. Ich sah dort nur glückliche Menschen, die auf der ungeschäumten Seite der Scheibe saßen und in den Schmier schauten. Ich selbst wollte dort immer bleiben, wenn ich in meinem Auto saß, mochte es auch drinnen noch so müffeln. Nie war mir eine Waschfahrt zu lang. Immer wäre ich gern geblieben. Es wölbte sich über mich. Es trug mich hindurch. Ich verließ die Waschstraße als ein anderer. Sie selbst blieb immer gleich. Sie nahm keine Notiz von mir. Sie machte ihr Ding. Mich erreichte kein Tropfen vom Schaum. Wir (mein Auto und ich) glitten hindurch und begannen eine neue Fahrt. Kein Sinn, sich gegen den Anfang zu wehren. Er findet statt. Mit uns oder ohne. (... ah ok, an dieser Stelle könnte das oben Begonnene nun also enden. Dann würde ich also enden mit: "Jetzt hört es auf". Mmmh . . . Oder eben auch gerade NICHT. Und es ginge weiter. Ah ok. Dann würde es weitergehen mit: "Es geht also weiter". Ah ok . . .)