Lesermeinungen "Ich verstehe alle meine Freundinnen, die die Elternschaft hinausgezögert haben"

Eltern werden lieber mit 20 oder mit 40 Jahren? Die Meinungen der SZ.de-Leserinnen gehen auseinander.

(Foto: Getty Images)

Kinder erst mit Anfang 40? Der Essay unserer Autorin hat eine breite Leser-Debatte über die Vorzüge früher oder später Elternschaft ausgelöst. Wir dokumentieren die besten Beiträge.

"Wir gehen davon aus, man könnte Kinder zu dem Zeitpunkt bekommen, an dem es einem gefällt. Problemlos auch mit Mitte, Ende 30, vielleicht sogar Anfang 40." Das schreibt SZ-Autorin Felicitas Kock in ihrem Essay "Mit 40 machen wir dann (k)ein Kind".

Wir haben sehr viele Rückmeldungen auf den Text bekommen - zustimmende Kommentare, aber auch Kritik. Viele Leserinnen und Leser fühlten sich inspiriert, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen - darunter sind Menschen, die ihren Kinderwunsch sehr früh verwirklicht haben genauso wie solche, die lange gewartet haben.

Hier eine Auswahl der besten Kommentare aus einer weiterführenden Diskussion auf SZ.de und aus Äußerungen unter einem Post auf unserer Facebook-Seite:

"Ich habe meine vier Kinder mit 31, 32, 35 und 43 Jahren bekommen und das problemlos, ohne nachzuhelfen. In meinem Bekanntenkreis läuft es ähnlich ab. Alle sind deutlich über 30 Mütter geworden. Ich halte es für übertrieben, den Frauen Ängste zu machen." (Leserin Chris Kaufmann via Facebook)

"Mit 22 Jahren kam das erste Kind, mit 25 Jahren das zweite. Und mit Ende 50 wurden wir Großeltern und waren noch gut genug drauf, um mit den Enkeln Spaß zu haben. Urgroßeltern zu werden schaffen wir auch noch - aber so etwas ist ja heutzutage furchtbar altmodisch." (Leserin G. Schmied via Facebook)

"Ich fand es wichtig, eine junge Mutter zu sein. Die Ausbildung war mir ganz wichtig. Ich möchte ja gerne danach einen guten Job haben, auch als Vorbild für meine Kinder. Bei meinem ersten war ich 26 und beim zweiten jetzt 27 Jahre. Finde ich etwas spät. Ich meinte immer, wenn ich mit 30 noch kein Kind habe, will ich nicht mehr. Das ist meine Meinung. Natürlich stört es mich überhaupt nicht, wenn andere mit 50 schwanger werden. Muss jeder selber wissen." (Melissa Fersuoch via Facebook)

Unerfüllter Kinderwunsch - ein Schwerpunkt auf SZ.de

Das Geschäft mit dem unerfüllten Kinderwunsch boomt. Welche Erfahrungen haben etwa eine Leihmutter oder ein Spenderkind mit der Reproduktionsmedizin gemacht? Und müssen wir uns früher mit dem Ende der eigenen Fruchtbarkeit beschäftigen? Lesen Sie hier alle Texte zum Thema.

"Ich habe meine Kinder relativ problemlos mit 40 und 42 bekommen. Ich sage relativ, weil die erste Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endete. Ohne diese wäre ich mit 39 Jahren zum ersten Mal Mutter geworden. In meinem Umkreis gibt es Schwangere, die 44 Jahre alt sind. Das ist nicht mehr so ungewöhnlich und war es auch nie. Ja, die meisten Eltern der Freunde meiner Kinder sind zehn Jahre jünger als wir und die hatten tatsächlich eine heftigere Rush Hour des Lebens." (Userin "sigidur" in der SZ.de-Diskussion)

"Ich habe meine Kinder bewusst und geplant jung bekommen und bin die ersten Jahre daheim gewesen. Das Studium angefangen habe ich, als meine dritte Tochter ein Jahr war. Eine tolle Zeit. Jetzt bin ich mit 52 Oma und liebe es. Wie schrecklich die Vorstellung, jetzt noch die Pubertät meiner Kinder durchzumachen." (Ursula Schneider via Facebook)

"Das erste Mal Mutter geworden bin ich recht früh, mit 20 Jahren. Drei Kinder habe ich selbst geboren, zwei weitere immerhin miterzogen. Wenn ich mit dem ersten Kind gewartet hätte, bis ich die 30 überschritten hatte, wäre ich heute wahrscheinlich kinderlos. Und das hat nichts damit zu tun, dass der Körper schwerer schwanger wird. Mit über 30 Jahren sind viele Frauen einfach zu gut aufgeklärt über die Lasten einer Mutterschaft, als dass sie dieses Risiko leichtfertig eingingen. Gerade heute, wo erwartet wird, dass Frauen sich durch eigene Erwerbstätigkeit selbst vollständig finanzieren, wird es knapp. Abi mit 19, Studium fertig mit Mitte 20, wenn Frau Glück hat anschließend endlose Praktika, Einstellung, Probezeit, Bewährung und schwupps ist Frau Mitte 30. Gleichzeitig sollte noch eine gelungene Partnerschaft da sein und ein Mann, der ebenfalls jetzt Kinder möchte und voll mitzieht, wenn sie denn da sind. Das ist selten geworden. Auf meine Kinder würde ich heute niemals verzichten wollen. Bin aber sehr froh, dass ich damals einfach noch nicht ahnte, was auf mich zukommt." (Dorit Denecke via Facebook)

"Ich erfahre als hochqualifizierte, aber arbeitslose Mutter zweier Kinder, von denen eines chronisch krank ist extrem wenig gesellschaftliche Unterstützung. Mein Arbeitsvertrag wurde nach der Geburt nicht verlängert und immer wieder enden Vorstellungsgespräche und Assessment Center erfolglos. Ich verstehe alle meine Freundinnen, die die Elternschaft hinausgezögert haben. Sie tun mir natürlich leid, weil die Kinderwunschbehandlung sie so mit nimmt. Sie sehen aber auch den Preis, den ich für die Mutterschaft bezahle. Ich liebe meine Kinder natürlich. Aber diese Gesellschaft ist archaisch. Diese Gesellschaft ist nicht gerecht. Mutterschaft wird nicht honoriert. Das Gegenteil ist der Fall." (Userin "Marie77" in der SZ.de-Diskussion)

"Als mein Sohn zur Welt kam, war ich 38 und das ist perfekt so - für mich. Es war eine Schwangerschaft, die ich zwischendurch immer wieder vergaß, so dass ich mit meinem Babybauch zwischen Autos stecken blieb. Die Geburt war lang, das Baby gesund und munter und für meinen Mann und mich war es der glücklichste Moment in unserem Leben. Seien wir doch froh, dass wir heute (als Frauen) so frei sind, uns zu entscheiden, ob und wenn ja, wann und mit wem wir Kinder haben wollen." (Barbara Borchert-Best via Facebook)

Die Reproduktionsmedizin boomt. Wer auf natürlichem Weg kein Kind bekommen kann, findet heute zahlreiche Angebote von Kinderwunschkliniken. Aber was macht künstliche Befruchtung mit den Menschen? Lesen Sie:

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