Leihmutter für den eigenen Sohn Familiengeschäft

Der Mexikaner Jorge hat immer gewusst, dass er Vater werde wollte. Doch seine Homosexualität stellte ihn vor ein Problem: Wer würde das Kind austragen? Eine bizarre Idee wurde zur Lösung - seine Mutter wird sein Kind bekommen.

Von Peter Burghardt

Er freut sich auf die Geburt, Anfang November soll es so weit sein. Sein erstes Kind. Jorge, der seinen Nachnamen für sich behält, will es David nennen. "Ich habe schon ein Zimmer für den Kleinen", sagt er. Der Mexikaner aus Guadalajara wollte immer Vater werden, und er fand, mit 31 sei es an der Zeit. Dass er homosexuell ist, das sollte daran nichts ändern.

Nun wächst das Geschöpf tatsächlich in einem Bauch heran, sechster Monat. Die Frau, der dieser Bauch gehört, ist ebenfalls sehr zufrieden. Bisher ging alles gut, obwohl sie schon 50 Jahre alt ist. Sie wollte immer einen Enkel, seit 15 Jahren gab es in der Familie keinen Nachwuchs mehr. Wenn auch in der restlichen Schwangerschaft keine Probleme auftreten, dann bringt sie ihn in drei Monaten zur Welt. Ihren Enkel, Jorges Sohn.

Die Leser staunten, als sie die Geschichte Ende Juli in der mexikanischen Zeitung Reforma fanden. "Oma und . . . Mutter!", stand darüber. "Vater und Bruder" hätte es auch heißen können. Eine Mutter will das Baby ihres eigenen Sohnes gebären? Vieles hat sich verändert in Mexiko, das als Hochburg der Machos galt, was nie so recht stimmte, und als erzkatholische Bastion. Gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibungen sind zumindest in der Hauptstadt erlaubt, zudem ließen sich vereinzelt Frauen fremde Embryonen in den Uterus einsetzen. Die Medizintechnik ist auch in diesem Land sehr fortgeschritten.

Aber so einen Fall hatte man noch nie gehört. Auch Jorge fand die Idee erst bizarr. "Eines Tages rief mich meine Mama an und hat mir erzählt, dass sie im Fernsehen erfahren habe, dass Großmütter die besten Leihmütter sind. Ich will die Leihmutter für dein Kind sein, hat sie gesagt. Ich habe geantwortet, du bist verrückt." Doch sie sammelte Argumente.

Seine Mama erinnerte ihn daran, dass er dem Papa eine Niere gespendet hatte. Da hatte er etwas gut, die Ersatzteile bleiben also in der Familie. Er solle an den Jungen denken. Eine andere Leihmutter würde immer damit kämpfen, ihn nicht abzulehnen, "ich nicht, weil es mein Enkel sein wird. Ich biete ihm ein Plätzchen, damit er wächst." Im Mai 2009 war Jorge überzeugt. Er brauchte nur noch Eizellen.

Eine verheiratete Freundin stellte sich zur Verfügung, und berichtete, "ich habe immer gedacht, dass er ein guter Vater sein würde". Die Produktion begann. Der Gynäkologe und Endokrinologe Juan Manuel Casillas Santana empfing das Trio in einer Klinik in Guadalajara zur Untersuchung, später wurden dann Eizellen entnommen und künstlich befruchtet. Kritiker finden, dass alles sei widernatürlich, Doktor Casillas sagt dagegen: "Zum Glück kann ich den Leuten helfen, Leben zu schaffen."

Oma und Mama, Vater und Bruder

Der Preis für dieses Leben sind Arztkosten von ungefähr 60.000 Pesos, 3600 Euro. Die Mutter wurde fünf Monate nach dem ersten Arztbesuch schwanger, es gab keine Probleme. "Ich habe es nie bereut", sagt sie. "Im Gegensatz, es ist ein Vergnügen und ein Privileg, aber ich spüre die hormonellen Veränderungen. Ich wurde dicker, wie früher", während der Schwangerschaft mit Jorge. "Viele wundern sich. Du musst keine Erklärungen abgeben, doch sie sehen dich, und das hemmt dich." In einer alles in allem eher konservativen Umgebung fiel die Sache natürlich auf. Ihr Alter dagegen war bisher kein Problem. Und es ist ein Kaiserschnitt geplant.

Jorge sagt, die meisten bewunderten und unterstützten ihn. Das Gesetz macht auch keine Schwierigkeiten, es gibt in Mexiko da noch keine eindeutigen Regeln. Jorge macht Vorbereitungskurse und will in San Francisco ein Seminar für schwule Eltern besuchen. David werde die Wahrheit erfahren, sobald er sie verstehe, Psychologen sollen dann helfen. Er sehe sich schon, wie er morgens aufstehe und ihn in die Schule bringe, bei den Hausaufgaben helfe und Essen mache. "Mir war immer klar, dass ich mehr Mama sein wollte als Papa."

Ganz die Mama

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