Sie ist die Rosamunde Pilcher der USA, ihre Bücher verkauften sich weltweit mehr als 300 Millionen Mal. Sich selbst bezeichnet Nora Roberts als große Lügenerfinderin. Interview von Eva Marz
In einer Hotel-Lounge in Dallas sitzt Nora Roberts gutgelaunt und trinkt Champagner. Roberts, 56, ist auf der 27. Konferenz der amerikanischen Autoren von Liebesromanen in dieser Woche die Königin: Sie hat mehr Bücher geschrieben als die anderen Teilnehmer und mit über 300 Millionen Exemplaren weltweit auch entschieden mehr verkauft.
Eine Frau mit vielen Vorlieben: Nora Roberts liebt fernsehen, Alfred Hitchcock, und wenn sie nicht gerade ihr 200. Buch schreibt, werkelt sie im Garten. (© Foto: © Mandalay Television/Stephanie Germain Productions)
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Die unprätentiöse, freundliche Schriftstellerin trägt Glitzerturnschuhe und wird nach dem Gespräch eine Zigarette rauchen gehen. In den Kiosken amerikanischer Flughäfen werden ihre pastellfarbenen, seitenstarken Bücher im Dutzend angeboten: Angels Fall, Blue Smoke, Valley of Silence. Von diesem Donnerstag an sind vier Roberts-Verfilmungen in der ARD zu sehen: Der weite Himmel, 20.15 Uhr. - 19.7.: Verschlungene Wege. - 26.7.: Tödliche Flammen. - 2.8.: Lilien im Sommerwand, alle ebenfalls um 20.15 Uhr.
SZ: Frau Roberts, wie haben Ihnen die Filme gefallen, die jetzt auch in Deutschland ausgestrahlt werden?
Nora Roberts: Ich mag sie. Sie haben das Wesen meiner Romane bewahrt und eine Menge der Originaldialoge. Ich habe durchaus schon schreckliche Literaturverfilmungen gesehen, nach dem Motto: Das Buch Der weite Himmel geht über eine Ranch in Montana, aber wir zeigen jetzt eine Schafzucht in Wyoming.
SZ: Wie ist der Job einer Autorin von Liebesromanen?
Roberts: Er ist genau mein Ding. Ich erzähle Geschichten über Menschen und über das, was passiert zwischen ihnen - also Beziehung, Familie, Freundschaft - und wie sie das verändert.
SZ: Woher nehmen Sie Ihr Wissen auf diesem Gebiet?
Roberts: Ach, ich denke, wir alle wissen doch immerhin etwas. Schließlich führen wir Beziehungen. Aber klar: Am Ende ist alles erfunden und ausgedacht. Ein Roman ist natürlich eine große, unterhaltsame Lüge. Ich erzähle in meinen Büchern definitiv nicht die Wahrheit.
SZ: Glauben Sie nicht, dass Ihre Leser eine Schule des Lebens in Ihren Romanen suchen?
Roberts: Das will ich nicht hoffen. Über den Unterschied zwischen Realität und Fiktion sollte man sich im Klaren sein. Wer das nicht kann, hat mehr Probleme, als ich behandeln könnte.
SZ: Um was geht es dann?
Roberts: Ich bekomme eine Menge Briefe von Menschen, die eine schwere Zeit durchmachen: Tod, Scheidung, ein Unfall. So ein Roman gibt dir dann die Möglichkeit, für eine kleine Weile woanders hinzugehen. Kurz beiseite treten und einmal durchatmen. Dann kommst du zurück und befasst dich wieder mit deinem Leben. Das ist die wundervolle Dienstleistung, die Romanschreiber anbieten. Ich mag das Wort Eskapismus nicht besonders, weil es mir zu sehr nach "ich hasse mein Leben und komme nicht damit zurecht" klingt. Das Ganze ist doch eher ein kurzer Erholungsurlaub.
SZ: Ihr Genre, der Romantic Suspense verbindet Liebe und Verbrechen und wird erstaunlicherweise als "junge Erscheinung" bezeichnet.
Roberts: Angefangen habe ich mit reinen Liebesromanen. Im Romantic Suspense geht es um eine Liebesbeziehung und eine äußere Spannung, die sich gegenseitig affizieren. Wir machen das erst seit Mitte, Ende der achtziger Jahre. Aber im Grunde gab es das immer, schon Hitchcock machte Romantic Suspense.
SZ: Mögen Sie Hitchcock besonders?
Roberts: Er ist großartig, ich habe alle seine Filme auf DVD. Was für ein Geschichtenerzähler! Und er zeigt eben die normalen Menschen in außerplanmäßigen Situationen. Genau das interessiert mich auch.
SZ: Sind Filme überhaupt wichtig für Sie und Ihre Arbeit?
Roberts: Auf alle Fälle. Mein Vater war ja Filmvorführer in einem Kino. Als Kind saß ich oft mit ihm im Vorführraum und blickte auf die Leinwand. Zu Hause haben wir viel ferngesehen. Ich kannte früh all die alten Schwarz-Weiß-Filme: Casablanca, Leoparden küsst man nicht - Sie wissen schon.
SZ: Haben Sie deshalb so viele Geschichten im Kopf, aus dem Kino?
Roberts: Nicht nur. Meine Familie stammte von irischen Einwanderern ab: große Geschichtenerzähler, große Lügenerfinder begleiteten mein Aufwachsen.
SZ: Sie haben einen demokratischen Ansatz in den Liebesroman gebracht. Ihre Heldinnen sind moderne, arbeitende Frauen, die nicht immer heiraten und schon gar nicht nach oben müssen.
Roberts: Heirat ist in meinen Büchern nicht das erklärte Ziel. Nebenbei kann ich es auch nicht leiden, wenn Männer eine Beziehung suchen, nur weil sie jemanden haben wollen. Es muss schon passen. Sonst kann man sich doch eigentlich genauso gut einen Hund kaufen.
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Habe schon etliche Bücher von Nora Roberts gelesen, vor allem ihre Irland-Romane gefallen mir am besten. Das Interview bestätigt meinen Eindruck von Ihr, mit beiden Beinen auf der Erde, kann aber auch träumen und phantastische Geschichten erzählen. Romantik und Realismus wunderbar vereint. Dass auch der Optimismus nicht zu kurz kommt, gefällt mir besonders gut. Alles in allem eine tolle Frau und herrliche Romane, die mich immer wieder in andere Welten entführen. Eine Bitte noch: nicht aufhören, Geschichten zu erzählen.........!!!
LG G.E.