Lebensentwurf Ich muss keine Kinder haben

Weiblich, ledig, kinderlos - und froh darüber!

(Foto: Swaraj Tiwari/Unsplash.com)

Ein Kind ist das Schönste auf der Welt? Nicht für unsere Autorin. Sie ist viel zu gerne allein. Und wünscht sich nur eines: Dass alle anderen das endlich akzeptieren.

Von Ruth Schneeberger

Um das gleich klarzustellen: Ich will - absolut freiwillig - und da bin ich mir sehr sicher - überhaupt gar keine - Kinder haben.

Ich bin weder unglücklicher Single noch kinderlos wegen Krankheit noch auf der ständigen Suche nach einem Mann zwecks Fortpflanzung noch habe ich Torschlusspanik. Eines davon oder alles zusammen wird ja gerne vermutet, wenn frau keine Kinder hat.

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Nur mal so zur freundlichen Erinnerung: Frauen müssen nicht mehr heiraten, um versorgt zu sein. Sie können sich selber versorgen. Und sie können ganz alleine entscheiden, ob sie sich fortpflanzen möchten, ihr Bauch gehört ihnen. Das ist ein Riesenfortschritt in der Geschichte der Menschheit seit nunmehr einem runden halben Jahrhundert. Kommt die Gesellschaft da nicht schnell genug mit, oder warum werden allein lebende Frauen immer noch so kritisch beäugt?

Weil Singles die neuen Sündenböcke sind. Während sich Eltern der wichtigen, mitunter anstrengenden und durchaus auch teuren Aufgabe stellen, Kinder erstens in die Welt zu setzen, zweitens im Bestfall zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen und drittens im Zuge ihrer Ausbildungspflicht dafür zu sorgen, dass diese später die Rente für die jetzigen Singles verdienen, drehen sich Solisten nur um sich selbst und entziehen sich ihrer hochheiligen Pflicht, zur Erneuerung einer alternden Gesellschaft beizutragen. So das Vorurteil.

Die Wahrheit ist: Singles bieten ein prima Feindbild für die ewig Unzufriedenen in einer saturierten Öffentlichkeit, in der trotzdem an jeder Ecke der Absturz lauert. Dabei stellen sie einen wesentlichen Teil der Gesellschaft: Nach aktuellen Erhebungen des Statistischen Bundesamts ist der Single-Haushalt (mit 41 Prozent) der häufigste Haushaltstyp in der Bundesrepublik. Was ist daran schlimm?

Eigentlich nichts. Singles zahlen deutlich mehr Steuern pro Kopf, entrichten mehr Sozialabgaben, konsumieren im Schnitt mehr - die Wirtschaft dürfte sich die Hände reiben ob dieser Entwicklung. Die Politik sorgt dafür, dass das so bleibt. Indem Familien sozialpolitisch unterstützt werden (leider insgesamt trotzdem noch zu wenig), werden sie entlastet und Singles belastet.

Am argwöhnischsten werden Frauen angesehen, die noch nicht einmal den Wunsch verspüren, Mutter zu werden. Diese Einstellung ist für viele offenbar schlicht nicht nachvollziehbar.

Und das obwohl sie im Trend liegt: Der britische Economist hat gerade sehr informativ zusammengefasst, warum Europäer im Vergleich zur Nachkriegsgeneration immer weniger Kinder bekommen - und warum das kein Problem ist. Etwa weil Kinderlose ihr erwirtschaftetes Geld eben nicht in Kinder investieren, sondern sich überprozentual gesellschaftlich engagieren, auch finanziell. Und weil zum Rentenerhalt nicht mehr Eltern, sondern mehr Babys vonnöten seien: Es kommt demnach nicht darauf an, dass jeder ein Kind hat. Sondern darauf, dass es neben ein paar Kinderlosen auch ein paar Kinderreiche gibt - und die gibt es.

Beruf und Familie? In Deutschland immer noch schwierig

Ich persönlich wollte einfach noch nie Kinder haben und werde das in diesem Leben auch nicht mehr wollen. Ich spüre diesen - offenbar bei vielen Menschen unbändigen - Wunsch überhaupt nicht. Und das schönste ist: Ich muss es auch nicht. Ich habe mich lange damit auseinandergesetzt und mich immer wieder dagegen entschieden. Vollen Herzens und in dem Bewusstsein, dass die meisten anderen Frauen (und Männer) nur zu gerne Kinder hätten. Ich überlasse das Thema deshalb sehr gerne den anderen.

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Schade ich mir damit selbst? Nein, denn ich müsste mich verbiegen, wenn ich etwas tun würde, was mir widerstrebt. Schade ich damit der Gesellschaft? Nein, denn es gibt genug Frauen, die unbedingt Kinder haben wollen. Auch meine Mutter konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als Babys großzuziehen. Sie war trotzdem berufstätig - zum Teil. Ich hätte diesbezüglich also auch ein Vorbild. Und will es trotzdem nicht.

Ich könnte jetzt der Politik die Schuld dafür geben. Weil es in Deutschland - im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern - nur schwerlich möglich ist, Beruf und Familie zu vereinbaren. Meiner Meinung nach liegt das auch immer noch an den Nachwehen des Nationalsozialismus', weil in großen Teilen der Bevölkerung immer noch die Angst vor dem Vorwurf herrscht, eine "Rabenmutter" zu sein.

Die Wahrheit ist aber: Das spielt gar keine so große Rolle für mich. Höchstens unterbewusst. Der Hauptgrund, warum ich keine Kinder haben will, lautet: Ich bin viel zu gerne Single. Mein Ideal ist ein Mensch, der sich selbst genügt. Und damit bin ich nicht alleine.

Der "Club of Rome" würde mir am liebsten sogar eine Prämie zahlen für meine Kinderlosigkeit. Auch deshalb, weil ewiges Wachstum sich als Irrtum herausgestellt hat, gibt es Gruppen, die - aus ökologischen Gründen - jede neue Schwangerschaft als eine zu viel ansehen. Sie betrachten den Fortpflanzungsdrang des Menschen als kulturell anerzogen, nicht als unabdingbar.