Fruchtgeschmack

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Und so sieht es fast überall aus: Der penetrante Himbeergeschmack etwa, mit dem man gefärbte und gesüßte Joghurts "naturalisiert", wird nicht aus den abgebildeten Himbeeren, sondern aus den Spänen der Zeder gewonnen. Vanillearoma, das fast alle Kindernahrungsmittel und Süßspeisen mit einem gefälligen, süchtig machenden Einheitswohlgeschmack versieht, wird aus Holzabfällen der Papierindustrie hergestellt. Beim Erdbeeraroma kann man schon froh sein, wenn es mal nicht mit Holzspänen, sondern mit Tomaten simuliert wird. Um Pfirsich zu suggerieren, aber auch um die in Lebensmitteln vielfältig eingesetzte, auch als Entkalker bewährte Zitronensäure zu erzeugen, vergreifen sich die Aromazauberer gar an Schimmelpilzkulturen. Und den Meeresfrüchtegeschmack für mehrfach schockbehandeltes, um jeglichen Geschmack betrogenes Meermaterial leihen sie sich von Fischabfällen.

Rindfleischsuppe

In einer Rindfleischsuppe aus der Tüte muss heute kein Rindfleisch mehr drin sein; es genügt, wenn der Erzeuger Aminosäuren mit Zucker erhitzt und zu einer braunen Substanz ummodelt, in der dann die Pyrazine Röstaromen suggerieren. Viele Käufer, die mit aromatisierten Fertigprodukten aufgewachsen sind, also nie eine aus Fleisch und Knochen gekochte gehaltvolle Rinderbrühe genossen haben, werden das fleischfreie Laborprodukt bei einem Blindtest wahrscheinlich sogar für angenehmer und echter im Geschmack halten als eine konventionell erzeugte Suppe.

Lesen Sie dazu die ausführliche Analyse "Arrivederci, Aroma!" von Gottfried Knapp in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung. Hier können Sie die SZ unverbindlich testen.

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  1. Schmeckt echter als echt
  2. Sie lesen jetzt Was nach Pfirsich schmeckt, muss nicht Pfirsich sein
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Lesetipp aus der aktuellen SZ: Es geht ums Leben

Zweimal ist er in Deutschland dem Tod entkommen: in Bergen-Belsen und in München. Der Geher Schaul Ladany gehörte 1972 zu Israels Olympiateam. Das ist jetzt 40 Jahre her, doch die Erinnerung folgt ihm auf Schritt und Tritt. Seite Drei. Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/SZ vom 20.03.2010/pfau)