Fruchtgeschmack
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Und so sieht es fast überall aus: Der penetrante Himbeergeschmack etwa, mit dem man gefärbte und gesüßte Joghurts "naturalisiert", wird nicht aus den abgebildeten Himbeeren, sondern aus den Spänen der Zeder gewonnen. Vanillearoma, das fast alle Kindernahrungsmittel und Süßspeisen mit einem gefälligen, süchtig machenden Einheitswohlgeschmack versieht, wird aus Holzabfällen der Papierindustrie hergestellt. Beim Erdbeeraroma kann man schon froh sein, wenn es mal nicht mit Holzspänen, sondern mit Tomaten simuliert wird. Um Pfirsich zu suggerieren, aber auch um die in Lebensmitteln vielfältig eingesetzte, auch als Entkalker bewährte Zitronensäure zu erzeugen, vergreifen sich die Aromazauberer gar an Schimmelpilzkulturen. Und den Meeresfrüchtegeschmack für mehrfach schockbehandeltes, um jeglichen Geschmack betrogenes Meermaterial leihen sie sich von Fischabfällen.
Rindfleischsuppe
In einer Rindfleischsuppe aus der Tüte muss heute kein Rindfleisch mehr drin sein; es genügt, wenn der Erzeuger Aminosäuren mit Zucker erhitzt und zu einer braunen Substanz ummodelt, in der dann die Pyrazine Röstaromen suggerieren. Viele Käufer, die mit aromatisierten Fertigprodukten aufgewachsen sind, also nie eine aus Fleisch und Knochen gekochte gehaltvolle Rinderbrühe genossen haben, werden das fleischfreie Laborprodukt bei einem Blindtest wahrscheinlich sogar für angenehmer und echter im Geschmack halten als eine konventionell erzeugte Suppe.
Lesen Sie dazu die ausführliche Analyse "Arrivederci, Aroma!" von Gottfried Knapp in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung. Hier können Sie die SZ unverbindlich testen.
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(sueddeutsche.de/SZ vom 20.03.2010/pfau)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Also, ich BIN Lebensmittelchemikerin, und ich fühle mich nicht dazu ausgebildet Aromen in Lebensmittel zu panschen, sondern Betrugsversuche der Lebensmittelindustrie und die Einhaltung der geltenden Gesetze zu überwachen. Es wäre also meine Aufgabe, zerhäckselte Bank-Zertifikate im Joghurt zu finden bevor diese uns alle vergiften, ich bleibe aber lieber beim Thema Lebensmittel und versuche nicht krampfhaft andere, bekannte Feindbilder wie Banker, Monsanto oder Kannibalen mit unter zu bringen nur um meiner Argumentation mehr Gewicht zu verleihen. Ich finde es schade, dass mangels besserer Information viele Praktiken der Industrie (die übrigens von Berufs wegen mein Feindbild darstellt) sofort verteufelt werden. Nur weil Inhaltsstoffe einen chemischen Namen haben, sind sie nicht sofort giftig. Zitronensäure ist in Obst natürlicherweise enthalten und genauso gefährlich wie z.B. Essig, und ich denke Essig als Reinigungsmittel zu bezeichnen ist genauso gerechtfertigt wie Zitronensäure als Entkalker. Pyrazine sind nun mal Bestandteil von Röstaroma, egal ob sie nachträglich zugefügt werden oder durch tatsächliches Rösten entstehen. Das Aroma in Analogkäse wird aus Milch/Milchbestandteilen gewonnen, und zwar durch Mikroorganismen. Um es zu verdeutlichen: herkömmlicher Käse wird ebenfalls aus Milch/Milchbestandteilen durch Mikroorganismen hergestellt. Auch Tofu wird unter anderem mit Schimmelpilzen hergestellt. ch finde es wichtig, dass Lebensmittel bei lebenslangem Verzehr ungefährlich für den Verbraucher sind, aber ich finde es ebenso wichtig dem ganzen mit gesundem Menschenverstand zu begegnen. Daher fände ich es sinnvoller den Verbraucher richtig aufzuklären anstatt ihn mit Artikeln wie diesem in Panik zu versetzen über eingesetzte Praktiken, denn auch E-Nummern können für ganz normale Lebensmittelinhaltsstoffe wie Vitamine oder auch die gefürchtete Zitronensäure stehen. Kritische Bewertungen der Praktiken der Industrie sind wichtig, sollten aber der Wahrheit entsprechen!
@DocRock:
"Sie vergleichen die Lebensmittelindustrie mit dem Bankwesen und wenn Joghurt Kapital wäre, wären Aromen Schrottzertifikate?"
Ja. Überspitzt ausgedrückt, aber zutreffend.
Anstatt aufwendig Zutaten zu erzeugen zu lassen und diese auf einem endlichen Markt zu einem hohen Preis zu kaufen, stellt man billige Imitate her. Stoffe, die vorgeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Analog zu zertifikaten, die vorgeben, Werte zu repräsentieren, welche in Wirklichkeit nicht [mehr] vorhanden sind oder es nie waren. Man verpackt sie aber aufwendig, schon merkt niemand etwas davon. Was stört sie an dieser Analogie?
"Glauben Sie nicht, dass Sie mit diesem Vergleich ein wenig über das Ziel hinaus schießen und die Wirkungen der Finanzkrise verharmlosen?"
Möglich. Vieleicht stellt sich ja in ein paar Jahren heraus, dass wir uns alle an einem besonders billigen Aromastoff global vergiftet haben? Was dann? Erzählen sie mir nicht, dass hier tatsächlich Unbedenklichkeit vorliegt.
Ansonsten verteidigen Sie hier heldenhaft eine Vorgehensweise, die aber zu billig und durchsichtig ist, um nicht kritisiert zu werden. Ich kritisiere nicht den Berufsstand des Lebensmittelchemikers, sondern die Zusammensetzung und Vermarktung moderner "Lebensmittel".
"Gleiches gilt für Ihren Beitrag: Es ist einfach falsch, wenn Sie behaupten, dass ein Joghurt mit Aromen genauso teuer ist wie ein Joghurt ohne Aromen und es ist polemisch hier die Finanzkrise unterbringen zu wollen."
Ach? Tatsach ist, dass oftmals (die regel, nicht die Ausnahme!) Produkte mit billigen Inhaltsstoffen zu gleichen oder gar höherem VK gehandelt werden als solche mit teuren. Einfach mal mit offenen Augen durch den Supermarkt gehen.
DW
Teil 2:
Um Ihnen deutlicher zu machen worum es mir geht:
Zu schreiben, dass Lebensmittelchemiker harte Chemikalien in Lebensmittel einarbeiten ist ähnlich absurd wie zu schreiben, dass im Guggenheim Museum Werke von Kunstkritikern ausgestellt sind. Hier wird einfach ein ganzer Berufsstand durch schlechte Recherche und daraus resultierenden Unwahrheiten verunglimpft. Auch hier: Google; "Lebensmittelchemie" (eine Minute Arbeit und einen peinlichen Fehler vermieden).
Zu schreiben, dass in Lebensmitteln auch die als Entkalker bewährte Zitronensäure eingesetzt wird ist ähnlich polemisch wie zu schreiben, dass das Papier der Süddeutschen Zeitung aus den gleichen Rohstoffen hergestellt wird wie Klopapier.
Zu schreiben, dass Pyrazine Röstaromen suggerieren sollen ist ähnlich unsinnig wie zu schreiben, dass es sich bei einem bestimmten Auto nicht um einen VW, sondern um einen Polo handelt.
Zu schreiben, dass Analogkäse aus synthetischem Milcheiweiß hergestellt wird ist ähnlicher Bockmist wie zu schreiben, dass in Schokolade synthetischer Zucker enthalten ist.
usw.
Schönen Gruß
Lebensmittelchemie (eine Minute Arbeit und einen peinlichen Fehler vermieden).
Zu schreiben, dass in Lebensmitteln auch die als Entkalker bewährte Zitronensäure eingesetzt wird ist ähnlich polemisch wie zu schreiben, dass das Papier der Süddeutschen Zeitung aus den gleichen Rohstoffen hergestellt wird wie Klopapier.
Zu schreiben, dass Pyrazine Röstaromen suggerieren sollen ist ähnlich unsinnig wie zu schreiben, dass es sich bei einem bestimmten Auto nicht um einen VW, sondern um einen Polo handelt.
Zu schreiben, dass Analogkäse aus synthetischem Milcheiweiß hergestellt wird ist ähnlicher Bockmist wie zu schreiben, dass in Schokolade synthetischer Zucker enthalten ist.
usw.
Schönen Gruß
Teil 1:
Sie vergleichen die Lebensmittelindustrie mit dem Bankwesen und wenn Joghurt Kapital wäre, wären Aromen Schrottzertifikate?
Glauben Sie nicht, dass Sie mit diesem Vergleich ein wenig über das Ziel hinaus schießen und die Wirkungen der Finanzkrise verharmlosen?
Ich habe ja gar nicht vor hier ein flammendes Plädoyer für Aromen zu halten. Mir geht es um die unanständige Art und Weise wie über ein solches Thema in einer angesehenen Zeitung berichtet wird. In jedem Absatz finden sich Formulierungen, die vor Populismus und Polemik fast platzen und darüber hinaus Abschnitte, die schlichtweg unwahr sind.
Gleiches gilt für Ihren Beitrag: Es ist einfach falsch, wenn Sie behaupten, dass ein Joghurt mit Aromen genauso teuer ist wie ein Joghurt ohne Aromen und es ist polemisch hier die Finanzkrise unterbringen zu wollen.
Ich bin ja bei Ihnen, wenn Sie fordern, dass sich jeder aussuchen können sollte, ob er Produkte mit Aromen (geringerer Preis) oder ohne Aromen (höherer Preis) kauft. Wäre es nicht schön, wenn die Hersteller dazu verpflichtet wären auf der Verpackung anzugeben, ob sie Aromen benutzt haben oder nicht? Moment die Pflicht gibt es ja! Googlen Sie mal nach der Aromenverordnung und wenn Sie schon mal dabei sind: die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung und die Nährwertkennzeichnungsverordnung könnten Sie auch interessieren. Aufgrund dieser rechtlichen Grundlagen schaffen es Vegetarier ja auch sich fleischfrei und Lactoseintolerante lactosefrei zu ernähren. Und daher ist es natürlich auch unwahr, wenn Sie behaupten, dass in einem Produkt die Komponente X durch ein Substitut Y ersetzt wird und dies nicht angegeben wird. Ach und um nochmal auf Ihren Vergleich auf Stammtischniveau zu kommen: Zeigen Sie mir doch mal entsprechende Gesetze für den Finanzmarkt (es mag sie geben ich bin auf diesem Gebiet kein Fachmann).
Ich stimme Ihnen ja auch zu, dass viele Konsumenten nicht genau wissen was Aromen sind und somit keine begründete Wahl treffen können. Daher sollte in diesem Gebiet Aufklärung stattfinden (aber meine Gedanken dazu schrieb ich ja bereits).
Fortsetzung folgt...
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