Von Werner Bartens

Es gibt in Deutschland Dutzende Methoden zur Früherkennung von Krebs. Doch es ist für Patienten nicht immer von Vorteil, wenn die Erkrankungen zeitig entdeckt werden.

In Deutschland gibt es Dutzende Methoden zur Früherkennung von Krebs. In den nächsten Tagen dürften sie genauer unter die Lupe genommen werden. Denn im jüngsten Entwurf zur Gesundheitsreform steht, dass Tumorpatienten für die Therapie mehr zuzahlen sollen, wenn sie Früherkennungstests versäumt haben.

Mammografie

Mammografie: Der Nutzen der Früherkennung ist stark vom Alter abhängig. (© Foto: dpa)

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"Wenn das nur für die Tests gelten soll, deren Nutzen nachgewiesen ist, wäre das eine sinnvolle Idee", sagt Gerd Antes, der das Cochrane-Zentrum in Freiburg leitet, in dem die Qualität medizinischer Studien beurteilt wird.

Früherkennungstests haben zwar ein ausgezeichnetes Image. Was kann schon schlecht daran sein, wenn ein Krebs früh entdeckt wird? Je früher die Diagnose, desto erfolgreicher die Therapie und umso besser die Prognose, so die verbreitete Ansicht.

Doch diese Schlussfolgerung stimmt längst nicht immer. Schließlich nutzen Untersuchungen zur Krebsvorsorge Patienten nur dann, wenn sie ihr Leben verlängern oder die Lebensqualität verbessern.

Späte Beschwerden bei Prostatakrebs

Dies trifft aber nicht auf alle Tests zur Krebsfrüherkennung zu - manche verlängern nur das Leiden. Dies gilt etwa, wenn der Tumor schon Metastasen gebildet hat und die Therapie das Leben nicht mehr verbessern oder verlängern kann. Dies gilt auch, wenn ein Krebs nie metastasiert, nie Beschwerden macht und auch nicht zum Tode führt.

Die Stellungnahmen medizinischer Fachgesellschaften und ein Buch der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2005 (Untersuchungen zur Früherkennung - Krebs. Nutzen und Risiken) zeigen, dass Früherkennung nicht nur Vorteile bietet.

Prostatakrebs etwa verursacht in den meisten Fällen erst spät Beschwerden. An dem Tumor erkranken in Deutschland jährlich 40.000 Männer, 11.000 sterben jedes Jahr daran.

Der Krebs tritt meist im hohen Lebensalter auf, die Männer sind zum Zeitpunkt der Diagnose im Durchschnitt 71 Jahre alt; nur eine von zehn Diagnosen wird vor dem 60. Lebensjahr gestellt. Bei der Hälfte aller 80-Jährigen finden sich Krebszellen in der Prostata. Doch die meisten Männer sterben mit, nicht an dem Tumor.

Tumore, die nie stören

Bei vielen Männern wächst der Krebs in der Prostata so langsam heran, dass sie nie Beschwerden haben würden und der Tumor ohne Früherkennungstest auch nie bemerkt werden würde. Die Expertenmeinungen schwanken darüber, wie oft der Krebs so unbemerkt verläuft: Zwischen 30 und 70 Prozent der Prostatakrebse gelten als Überdiagnosen, weil sie nie aufgefallen wären.

Die Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) ist neben Ultraschall und Tastuntersuchung der häufigste Früherkennungstest. PSA ist ein Tumor-Marker im Blut. Der Test liefert so ungenaue Ergebnisse, dass er Männern statistisch keinen Vorteil bietet: Männer, deren Prostata regelmäßig abgetastet und mit Ultraschall untersucht wurde und die einen PSA-Test haben machen lassen, leben nach bisherigen Studien weder besser noch länger.

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