Kontrollwahn in der Kindererziehung Schmaler Grat zwischen Sorge und Irrsinn

Bei solchen Überlegungen wird schnell klar: Wo hört die möglicherweise gerechtfertigte Sorge auf, wann beginnt der Irrsinn? Ist ein Sender in der Kindermatratze, der Alarm auslöst, sobald das Baby mehrere Sekunden nicht atmet, schon Panik? Oder löst er nicht gerade noch mehr Angst aus, weil man, wenn man nichts hört, nie sicher sein kann, ob das Ding überhaupt funktioniert? Ist eine Tracking-App, die gleich noch mit angibt, wo in der Gegend bekannte Sexualstraftäter wohnen, sinnvoll oder schon übergriffig? Denn eines muss klar sein: Absolute Sicherheit gibt es nicht, kann es nicht geben. Absolute Sicherheit, die Abwesenheit jeglichen Risikos, funktioniert nur in einer Welt, in der man sich am besten gar nicht mehr bewegt.

Aber vor allem: Was macht eine konstante Überwachung eigentlich mit den Überwachten? Ein alter Mensch mit schwerem Alzheimer wird wohl nie mehr in seinem Leben eine selbstgewählte Entscheidung fällen. Er muss und kann mit einem bewusst eingegangenen Wagnis nicht mehr allein umgehen. Ein Kind hingegen sollte gerade das lernen: eine Situation selbständig einzuschätzen, Gefahr zu erkennen und damit umzugehen. Das kann es aber nur, wenn man es auch lässt.

Und ja, es kann schiefgehen. Es kann sehr schlimm enden. Aber die Alternative wäre ein Leben ohne Selbstvertrauen, ohne Selbständigkeit, ohne eine gesunde Selbsteinschätzung.

Als übrigens Paul Wallich im Dezember auf der Webseite ieee Spectrum seine Helikopterdrohne vorstellte, kritisierten viele Leser seinen offenbar übersteigerten Überwachungsdrang zunächst. Doch andere Stimmen kamen der Wahrheit vielleicht näher: Der Mann brauchte einfach eine gute Ausrede, um mal was richtig Cooles zu bauen - natürlich nur der Sicherheit unseres Jungen wegen, Honey!