Wer als verheirateter Mensch eine Anzeige aufgibt, um einen Freund zu finden, der wird verlacht, verbessert und in die Rubrik "Verschiedenes" geschoben. Ein Erfahrungsbericht.
Die Nachricht der Frau aus der Anzeigenabteilung ist freundlich, aber sehr deutlich. Sie bezeichnet mich als sehr geehrten Herrn und beendet die Mail auch mit freundlichen Grüßen, dazwischen jedoch steht: "In dieser Form veröffentlichen wir die Anzeige nicht, daher habe ich den Auftrag vorerst storniert." Immerhin steht sie mir für Rückfragen zur Verfügung - und das werde ich nutzen.
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Es geht unserem Autor doch nur darum, abends nicht allein rumzusitzen. Dass er einen Freund und niemand zum Fremdgehen sucht, nimmt ihm die nette Dame von der Anzeigenabteilung aber nicht ab. (© AP)
Anzeige
Ich will eine Anzeige schalten, weil mir eine Kollegin erzählt hat, dass ich damit zur Avantgarde der sozialen Kontaktaufnahme gehören würde. Wer in sein will, der lernt potentielle Freunde und Ehepartner nicht mehr in der Kneipe oder auf der Straße kennen, sondern lässt sie sich von einer filigran programmierten Maschine zuteilen. Früher wurden Hochzeiten von den Eltern arrangiert, heute lassen wir das von einem Computer erledigen.
"Wir finden den Freund, der zu ihnen passt", heißt es auf einer Internetseite. Das finde ich prima. Ich will keinen Partner fürs Leben finden, weil ich den schon habe. Ich will auch kein sexuelles Abenteuer, weil ich dann wahrscheinlich meinen Partner fürs Leben verlieren würde. Ich will: einen Freund oder eine Freundin in der Nähe. Da die Menschen, die ich als beste Freunde bezeichne, mittlerweile 260, 450 und 11.000 Kilometer entfernt wohnen, brauche ich also eine Anzeige.
Ich versuche es zunächst ganz klassisch über eine Anzeige in einer Tageszeitung. Ich will ehrlich sein, aber auch vage genug, um eine Auswahl an Zuschriften zu bekommen, aus denen ich auswählen kann. Der Text soll also lauten: "Verheirateter kreativer Mann sucht Seelenverwandte(n)." Ich schalte die Anzeige über das Internet - und bekomme den freundlichen Hinweis, dass so etwas nicht geht.
"Wenn Sie den Text ändern, dann können wir das aufnehmen", sagt die Frau, die am Telefon noch freundlicher klingt als in der Mail. Ich könne doch einfach "noch verheirateter Mann" schreiben, dann wäre das zulässig. Meinen Hinweis, dass ich doch gar nicht gedenke, fremdzugehen, sondern dass ich nur einen Freund suchen würde, akzeptiert sie nicht und schlägt mir vor, die Anzeige nicht in der Rubrik "Bekanntschaften", sondern unter "Verschiedenes" zu schalten. Aha. Na gut.
Die Anzeige kostet ungefähr so viel wie neun Schachteln Zigaretten und erscheint in der Samstagsausgabe.
Antworten nach einer Woche: null.
Ich muss also doch zu den Freundschafts-Arrangeuren ins Internet. Natürlich könnte ich jemanden dafür bezahlen, dass er mein Freund wird. Auf der Seite rentafriend.com kann der geneigte User für etwa zehn Dollar pro Stunde jemanden finden, der mit ihm ins Restaurant geht, einem die Stadt zeigt oder mit einem Tennis spielt. Man mag mich altmodisch nennen, aber unter dem Begriff "Freundschaft" stelle ich mir doch etwas anderes vor, als jemandem Geld zu geben, damit der so tut, als würde er mich mögen.
"Muenchnersingles.de ist die beste Seite im Netz", sagt eine Kollegin geheimnisvoll - und ich werde stutzig, weil ich doch kein Single bin, sondern einfach nur einen Freund suche. Muss man denn heutzutage unbedingt ungebunden sein, um eine Chance zu haben auf dem Freundesmarkt? Noch ein Hinweis der Kollegin: "Ohne Foto hast Du kaum eine Chance!"
Ich will zwar nur jemanden kennenlernen, mit dem ich am Mittwochabend in einer Kneipe Fußball gucken und mich unterhalten kann - aber dazu muss ich also ein Bild von mir ins Internet stellen. Das finde ich ebenso absurd wie jene Menschen, die gegen Google Street View protestieren - und ihrem Protest dadurch Ausdruck verleihen, dass sie sich mit ihren Nachbarn vor ihrem Haus fotografieren lassen und zulassen, dass dieses Foto in einer Boulevardzeitung abgedruckt wird. Aber gut, ich mache mit. Ich nenne mein Gewicht, meine Hobbys, meinen Schulabschluss - und ich vermerke, dass ich nach "Sportaktivitäten" und "Freizeitaktivitäten" suche, nicht aber nach Beziehung oder Abenteuer. Dann warte ich, ob mir jemand schreibt.
Die Anmeldung ist kostenlos, das Warten auch.
Zuschriften nach einer Woche: null.
Erstes Zwischenfazit: Eine ehrliche Kontaktanzeige in einer Zeitung war so wirksam wie ein DIN-A-4-Werbeplakat auf dem Times Square - und im Internet ist man offensichtlich nur als "aktiver Premiumkunde" erfolgreich. Aber immerhin hat mich auf der Plattform keiner darauf hingewiesen, dass meine Anzeige so nicht geht. Mal sehen, was passiert, wenn ich aktiv werde.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/pfau)
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Bekannte hat man viele, auch Leute, die man mag und die einen mögen. Zumindest ist das bei mir so.
Aber wirkliche Freunde habe ich nur eine Handvoll und die bis auf eine Ausnahme noch aus Schulzeiten.
Es sind die Leute, denen man auch Dinge anvertrauen kann, bei denen man befürchten müsste, dass einen so mancher Bekanner nicht mehr mag oder absonderlich findet oder was auch immer.
Es sind die Leute, denen man vertraut und die einem vertrauen - und das vorbehaltlos!
Es sind die Leute, die man kennt und bei denen man sich nicht nicht überlegen muss, ob man den gerade gefassten Gedanken aussprechen soll oder nicht.
Es sind die Leute, mit denen man eigentlich viel mehr Zeit verbringen will, aber die - genau wie man selbst - kaum etwas davon haben und zumeist nach der Schul- und Unizeit hunderte, wenn nicht tausende von Kilometern weit weg wohnen.
Man ist mit ihnen aufgewachsen und verständlicherweise vermisst man sie sehr.
Man ist mit der Sicherheit aufgewachsen, auch nachts um 3 eine vertraute Telefonnummer wählen zu können, wenn man gerade melchancholisch oder depressiv oder überschwänglich glücklich ist oder einen verrückten Gedanken hat, der einem ausgeredet oder in dem man bestärkt werden muss.
Mit Mitte 20 stellt man dann fest, dass das Leben den Charakter dieser Freundschaften stark verändert, schon allein durch den Verlust des gemeinsamen Arbeitsplatzes, also der Schule (in den meisten Fällen) und des Wohnortes.
Für die meisten Leute bleibt der Partner der letzte Vertraute, der auch den eigenen Alltag kennt, weil er ihn teilt. Aber ist gerade das Beziehungsleben nicht etwas, über das man mit einem echten Freund redet und bei dem dieser einem hilft, die alltäglichen Unwegbarkeiten zu meistern?
Im Internet sind die meisten Freundschaftsbörsen eigentlich Singlebörsen. Eine bekannte davon ist friendscout, aber es müsste eigentlich boyfriendscout oder girlfriendscout heißen, weil sie auf Partnersuche ausgelegt ist!
Leider verwandeln sich auch die meisten "echten" Freundschaftsbörsen nach kurzer Zeit in "Baggerforen", in denen frustrierte, ewige "echt nette Männer" und "komplizierte" (=hochgradig neurotische) Frauen versuchen, ihr Singledasein zu beenden.
Die einzige Gemeinsamkeit, die diese beiden Arten von Beziehung haben wird wohl sein, dass man sie glaube ich nicht findet, wenn man danach krampfhaft sucht!
Ein Nicht-Premium-Mitglied bei den Münchner Singles wird selten angeschrieben - weil es sowieso nicht antworten kann. Aber Premium-Mitglieder verabreden sich schon mal, um am Mittwoch gemeinsam Fußball zu schauen - manche sogar, ohne ein Bild im Profil zu haben.
Es besteht also durchaus noch Hoffnung ...
Wenn man allerdings nach einer Woche schon aufgibt, wird's nichts werden mit dem "Leute kennenlernen" und "Freunde finden".
mir gefällt dieser ich-suche-doch-nur-einen-freund-gedanke. leider hören Sie einfach auf. wäre doch ganz spannend, ein bisschen mehr zeit und ein paar kreative versuche mehr zu investieren - bis es klappt eben. dann hätte man auch als leser was ermutigendes - und vielleicht berührendes - zu lesen;)
aufgeben! Selbst wenn's Zuschriften gäbe, ist mit einer Sympathie-Trefferquote von höchstens 10 - 20 % zu rechnen.
Und man kann sowas auch in Stadtzeitungen machen, die sind in der Regel bis zu 4 Wochen aktuell.
Außerdem empfehle ich, sich parallel nach einer guten Stammkneipe umzusehen. Da kann man den Leuten wenigstens schon mal ins Gesicht kucken und sie live erleben. Und wenn man ein paar kennt, werden's ständig mehr.
Alles langwierig und keine Garantie, aber vermutlich erfolgreicher als Social networking.
Ein Problem ist auch, dass sich viele selber nicht wirklich leiden können.
Wer nicht mit sich selbst in Einklang kommen kann, wird den Seelen verwandten auch nicht erkennen, wenn er vor einem steht.
In den Foren habe ich auch keine Freunde. Es sind bestenfalls Bekannte. Unwahrscheinlich das es da zu besonderen Freundschaften kommen wird. Immerhin besteht aber eine Chance, wenn man sich auch persönlich kennenlernen kann.
Viel Erfolg beim Finden. Nicht jeder kann einen ganzen Artikel für seine Suche in der SZ schalten.
Paging