Unser Autor hatte eine transzendente Erfahrung - und das gleich drei Mal hintereinander. Deshalb musste er dorthin gehen, wo sich kein Mann hinzugehen traut.
Ich glaube fest daran, dass Gott den Menschen kleine Zeichen schickt - Hinweise, dass es so nicht weitergehen kann. Bisweilen sind seine Botschaften jedoch zu deutlich, da hat Gott einfach kein Taktgefühl. In der vergangenen Woche erwischte es mich gleich drei Mal.
Ganz klar, Gott schickt Botschaften. Nicht im Bild: Ich. (© )
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Die erste Nachricht von oben kam am Donnerstag auf dem Weg von der Kantine zurück ins Büro. Ich war mit einem Kollegen im Aufzug, der uns vom fünften Stock ins Erdgeschoss brachte. Unten angekommen gab es ein Geräusch, als würde man zwei Mal mit einer Kinderpistole schießen - und der Lift senkte sich um zehn Zentimeter. Sofort kam der Pförtner angelaufen: "Sie sind zu schwer!" Nochmal: Wir waren zu zweit in einem Lift für sechs Personen...
Die zweite Himmelsbotschaft erreichte mich beim Pokern am Samstag Abend. Als ich zwei Buben in der Hand halte und forsch meinen Einsatz in die Mitte schiebe, sieht mich DSF-Pokergott Michael Körner grinsend an und sagt: "Oh, der Fels bewegt sich!" Nun verbietet mir mein Stolz, dass er damit gemeint haben könnte, ich sei ein schlechter Pokerspieler. Fels bedeutet nichts anderes als: dicker Mensch. Na vielen Dank!
Nachdem ich beim Pokern viel zu schnell verloren habe, obwohl ich meiner Meinungs nach genial gespielt habe, werfe ich mich aufs Bett im Hotelzimmer - und wecke sämtliche Gäste auf, weil das Bett einfach zusammenkracht. Ich liege schief auf der Matratze und weiß: Das war Botschaft Nummer drei.
Kann Gott es deutlicher machen? Er will mir klipp und klar sagen: Schmieder, Du hast nun in 15 Wochen gerade einmal vier Kilo abgenommen, das schafft ein normaler Mensch während eines Tennis-Spiels. Und Du beweihräucherst Dich hier, schwingst große Reden und schreibst auch noch eine Kolumne über Dein Versagen. Komm' in Wallung oder lass es bleiben!
Also muss ich das Ass im Ärmel zücken, das mir beim Pokern nie vergönnt ist und mich an einen Ort begeben wird, der von Männern gemeinhin so gemieden wird wie ein Brigitte-Abo: Ich gehe ins Faceandbody Day Spa in München, um mir mein Fett wegpflegen zu lassen. Drei Stunden lang.
Bereits in den ersten Sekunden nehme ich ab: Ich muss den Bauch einziehen, um der unglaublich attraktiven Expertin zu gefallen. Das hilft aber nicht auf Dauer, ich kann schließlich nicht ewig die Luft anhalten.
Nach dem obligatorischen Meersalz-Fußbad und dem Ananas-Molke-Drink gibt es erstmal ein Meersalz-Öl-Peeling. "Um die Haut zu reinigen", sagt die Expertin. Aha. Deshalb sagt meine Frau immer, es würde nicht genügen, sich morgens und abends zu waschen.
Danach geht es zur Sache: Ich bekomme eine Algen-Gel-Packung. "Die Körpersilhouette wirkt schlank und die Konturen gefestigt" - steht in der Beschreibung. Ich werde eingecremt, in eine Heizdecke eingewickelt und darf relaxen.
20 Minuten in Algen und Heizdecke - jetzt weiß ich, wie sich ein Lachsfilet im Spinat-Blätterteig bei 200 Grad im Backofen fühlt.
Als ich ausgepackt werde, fühlt sich meine Haut wirklich anders an. Sie ist geschmeidig und doch fest. Wenn ich vorher meinen Bauch anstubste, wabbelte er in Homer Simpson'schen Zeitspannen. Jetzt bewegt er sich immer noch - aber er hört schneller damit auf.
Danach muss ich sofort in die Hydroxeur-Sprudel-Wanne zum Meeresbrandungsbad. Da sind Algen, Meersalz und Aromaöle drin. Wieder heißt es: 20 Minuten ausruhen. So muss sich der Lachs im Blätterteig gefühlt haben, als er noch ohne Blätterteig durch den Fluss schwamm. Es tut richtig gut - und ich fühle mich danach noch schlanker.
Doch es ist noch nicht vorbei: Zum krönenden Abschluss wartet Thalgomince - eine Packung aus Alginat und Diatome für die Problemzonen Bauch, Beine und Po. Wieder werde ich eingewickelt wie eine Mumie in Leinen - und wieder darf ich einschlafen. Darum gehen Frauen so gerne in Day Spas: Man wird eingewickelt, darf relaxen, muss überhaupt nichts tun - und wird dabei auch noch schlanker. Prima! Warum Männer das noch nicht entdeckt haben? Wahrscheinlich, weil weit und breit keine PlayStation zu sehen ist.
Am Ende fühle ich mich wie ein neuer Mensch - glatte Haut, ein flacher Bauch, vollkommen entspannt.
Ich muss Michael Körner überreden, in den nächsten Tagen noch einmal mit mir zu pokern. Er würde sicher sagen: "Der kleine Kieselstein flitzt locker übers Wasser." Um dann - wenn ich meine Karten aufdecken muss - zu ergänzen: "Und geht sofort unter..."
Die Wellness-Diät war richtig toll. Ich kann nur jedem Mann empfehlen, es mal auszuprobieren. Am Ende der Woche folgt natürlich der Test, ob es auch was gebracht hat. Die Waage zeigt an: 90,5 Kilo - zwei Pfund weniger als in der Vorwoche. Ich muss sofort den nächsten Termin ausmachen.
In der kommenden Woche jedoch muss ich mich mal wieder körperlich betätigen. Es geht zum "Strip Aerobic". Ich bleibe dran.
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Unnütze Hygienemaßnahmen
Würde mich freuen, wenn es danach ein Projekt 16 gibt. Habe leider einiges verpasst, und lese es jetzt erst nach.
Weiter so.
bischoff-manfred
... und das mitten in Bayern! Wie schön.