Von Jürgen Schmieder

Abnehmen hardcore: Unser Autor hat seit Montag nichts mehr gegessen, sondern nur Wasser und Tee getrunken. Ein Tagebuch, geschrieben aus dem hohlen Bauch.

Frauen haben eine komische Art, Ehrgeiz zu entwickeln. An 364 Tagen im Jahr ist ihnen jede Art von sportlichem Wettkampf vollkommen egal. Da schütteln sie den Kopf, wenn wir uns beim Fußball abrackern, den Gegner beim Kickern beleidigen und stundenlang Strategien für "Die Siedler" entwickeln.

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Der Magen leer, der Teller auch. Nicht im Bild: unser Autor. Er hat die Flucht ergriffen. (© Foto: iStock-Photos)

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Dieser eine Tag voller Ehrgeiz kommt unerwartet - und unpassend. Ich habe mir am Freitag eine neue Spielkonsole gekauft und wollte sie gleich mit meinen Kumpels ausprobieren. Da sagt meine Frau: "Ich will gegen dich spielen!" Klar, dachte ich mir, zock' sie schnell ab, dann ist wieder Ruhe für den Rest des Jahres. Das eheliche Duell sollte im Computer-Tischtennis ausgetragen werden. Ich will locker anfangen, da steht es schon 0:4. Um es kurz zu machen: Ich habe verloren - 2:11!

Neben dem obligatorischen Siegestanz legt meine Frau eine unglaubliche Indiskretion an den Tag. Auf der Party am Abend wusste jeder von meiner Niederlage. Und freilich erzählte sie auch von unserem nächsten kleinen Wettbewerb: In der vergangenen Woche hat sie es geschafft, fünf Tage am Stück zu fasten. Sie hat nichts gegessen. Ich habe alles versucht: vor ihren Augen Eis gelutscht, ihr Lieblingsgericht gekocht, ihr im Schlaf eingeredet, dass sie nun dringend ein Snickers essen muss. Es half nichts, sie hat durchgehalten.

In dieser Woche bin ich dran. "Reinigen Sie Ihren Körper von innen", heißt es in der Beschreibung, die eher an eine Broschüre von Scientology erinnert als an ein Buch übers Fasten.

Man soll Tagebuch führen, heißt es weiter. Nein, nicht um sich selbst zu kontrollieren, sondern um den "Weg der Erneuerung" später nachlesen zu können. Nun, an eine Erneuerung glaube ich nicht wirklich - übrigens auch keiner, der mich kennt -, aber das mit dem Tagebuch kann ja nicht schaden. Also, am Montag geht es los.

Montag, Feiertag

Abbautag. Ist ziemlich cool: Ich kann nochmal einen Kaffee trinken, eine Zigarette rauchen und sogar noch essen. Dafür gegen meine Frau im Tischtennis verloren. 6:11. Kurz ausgerastet. Noch was gegessen, von wegen Vorrat und so. Gegen den Computer im Tischtennis gewonnen. Wieder beruhigt. Mit Frau vertragen. Der erste Fastentag kann kommen. Spät ins Bett gegangen.

Dienstag

In die Arbeit gegangen. Geärgert. Kommt doch der Chef mit einer Wurstsemmel rein und fragt, ob ich mal beißen will. Kündigung geplant. Stellenanzeigen für Journalisten angesehen. Kündigung rückgängig gemacht.

Mittag als einziger im Büro geblieben. Huuuuuuuunger. Ich steh das niemals durch! Mein Bauch fühlt sich an wie eine Orange, die man sechs Tage in der Sonne liegen lässt. Das kann doch nicht gesund sein, was ich hier mache. Der Fastentee schmeckt, als würde man auf eine Wiese gehen, eine Handvoll Gräser pflücken, sie sich in den Mund schieben und drei Stunden darauf herumkauen.

Um 16.30 Uhr heimgegangen, weil ich weggeschickt wurde. In der U-Bahn eingeschlafen. Nicht einmal Interesse daran gehabt, die neuen Folgen von "Lost" zu gucken, die mir ein Kollege mitgebracht hat.

Als ich daheim ankomme, steht meine Frau schon in der Küche. "Ich mach' mir einen Gemüseburger - ohne Kohlehydrate." Ich wäre schon froh, überhaupt eine Kalorie zu bekommen. Ist aber nicht drin. Es gibt 250 Milliliter klarer Gemüsebrühe. Die schmeckt, als würde man einen Suppenwürfel pur lutschen.

Bald eingeschlafen. "Grey's Anatomy" verpasst.

Mittwoch

Um sieben Uhr aufgewacht. Topfit. Zum ersten Mal eher als der Kollege im Büro gewesen. Kurz überlegt, ob meine Frau mir nachts irgendwas zu essen eingeflößt hat. Überlegung verworfen.

"Sie werden heute eine nie gekannte innere Ruhe spüren", heißt es in dem Buch, das anscheinend nicht für Menschen wie mich geschrieben wurde. Es gibt fünf Dinge im Leben, die ich lieber tue als alles andere: 1.) Essen - das ist nicht möglich. 2.) Rauchen - geht auch nicht, man will ja rein werden. Deshalb funktionert auch kein 3.) Kaffeetrinken. 4.) wäre Sport treiben - dafür habe ich aber keine Kraft. Und 5.) geht nicht, weil es da ja diesen Wettbewerb zwischen mir und meiner Frau gibt. Also: Wie soll man so eine nie gekannte innere Ruhe finden?

Erstaunlicherweise habe ich keinen Hunger. Man verstehe mich nicht falsch - vor meinem Auge schwebt ständig ein saftiges Steak mit Pommes, dazu ein Schnitzel und irgendwo kann ich auch eine Currywurst erkennen. Aber Hunger in dem Sinne, dass mein Bauch Meldung macht und "Füttere mich!" schreit, habe ich nicht.

Abends dann Ehezoff. Meine Frau isst: Nüsse. Einen Obstsalat. Eine leckere Suppe. Ein Stück Schokolade. Ich esse: nichts. Auf der Couch dann isst sie Kohlrabi. Naja, wenn der so schmeckt wie er riecht, bin ich froh, dass ich gerade faste. Wieder bald ins Bett gegangen. "Weeds" verpasst.

Donnerstag

Habe von einer Wagenrad-Pizza geträumt, die mit dreifach Nudeln in Käsesoße belegt war. Ein schöner Traum.

Ich bin die Ruhe selbst. Zumindest bin ich trotz Essens-, Nikotin- und Koffeinentzug nicht schlechter gelaunt als sonst. Sagen auch die Kollegen. "Dünn bist du geworden", sagt eine liebe Kollegin. Fast geplatzt vor Stolz. Eine andere Kollegin zwinkert mir im Gang zu. Tatsächlich geplatzt vor Stolz.

Auf den "flotten Spaziergang", den das Buch empfiehlt, dankend verzichtet. Im Büro mehr Dinge erledigt als sonst. Ich kann mich irgendwie besser konzentrieren, obwohl ich müde bin. Die vierzehnte Tee-Variante versucht. Dem Herrn gedankt, dass ich kein Engländer bin und bald wieder guten Kaffee bekomme.

Nachmittag bin ich dann auf die Waage: 87 Kilo! Drei Kilo sind runter! Siegestanz aufgeführt.

Aber ich bin noch nicht am Ende. Ich muss noch Freitag und Samstag durchstehen, um fünf Tage zu schaffen. Wissen Sie was? Ich glaube, ich packe noch einen Tag drauf. Als Rache für das verlorene Tischtennis-Spiel ...

--- Heilfasten hat etwas gebracht, nun muss ich nur den Jojo-Effekt verhindern. Das geht am besten mit einer No-Carb-Diät. Die nehme ich ab Sonntag in Angriff. Diesmal hilft mir meine Frau auch wieder.

Hier geht's zur Tabelle mit den Ergebnissen, dem Gewichts-Check und anderen Informationen:

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