Von Jürgen Schmieder

Frauen sollten diesen Text besser nicht lesen! Unser Autor hat sich einen Bauch-Weg-Rüttler bestellt - und ganz neue Verwendungsformen gefunden.

In der griechischen Mythologie galt Sisyphos als ziemlich durchtriebenes Kerlchen. Er verriet Göttervater Zeus, er überwältigte Thanatos, den Gott des Todes und belog auch noch Hades, den Herrscher über die Unterwelt. Dazu soll er der uneheliche Vater von Odysseus sein. Als es den Göttern dann zu bunt wurde, dachten sie sich diese hundsgemeine Sache mit dem Felsen aus.

Anzeige

Ich gelte wahrlich nicht als Unschuldslamm - allerdings ist meine Vergehensakte nur halb so dick wie die von Sisyphos. Warum ich mit der gleichen Strafe belegt wurde, ist mir völlig unklar. Ich muss da mit den Göttern mal was klären.

Es ist nämlich so, dass meine Frau findet, dass Eheleute auch zusammenwohnen sollten. Grundsätzlich stimme ich dieser These zu, wenn sie nicht mit einem Umzug verbunden wäre, der dem Auszug der Israeliten aus Ägypten gleichkommt.

Liebe Frauen, ab hier sollten Sie nicht weiterlesen. Das was nun kommt, ist nicht für Ihre Augen bestimmt und könnte zu größten Wutanfällen bei Ihnen führen.

So, liebe Männer, da wir nun unter uns sind: Seid Ihr schon einmal gemeinsam mit einer Frau umgezogen? Es ist der Horror. Da nehme ich doch lieber die Gratis-Wurzelbehandlung beim Zahnarzt, als so etwas nochmal durchzustehen.

Es ist nämlich so, dass bei Frauen allein der Karton mit Körperpflegemitteln so viel wiegt wie der Inhalt meiner gesamten Wohnung. Dann gibt es noch die Schachtel mit den Schuhen - ach, was sag' ich: die fünf Schachteln mit den Schuhen. Acht Kisten mit Klamotten, zwei mit Schmuck und fünf mit irgendwelchem Zeug, das sie mal bei Ikea gekauft hat und das als Staubfänger - ihr Wort dafür ist "Wohn-Acessoires" - in ihrem Wohnzimmer rumstanden. Es gibt eine klare Arbeitsteilung: Die leichten Sachen nimmt sie, bei den schweren muss Sisyphos ran.

Verschwundene Portraits

Dabei wollte ich doch eine ruhige Kugel schieben. Schön lecker essen, die Naomi Campbell'sche "No Sports"-Regel befolgen und es mir einfach nur gut gehen lassen. Ich habe mir nämlich beim Teleshop einen Bauch-Weg-Rüttler bestellt. Eins von diesen Dingern, die man nachts im Fernsehen entdeckt, weil auf den anderen Kanälen nur sich entkleidende Damen oder penetrante Hot-Button-Telefon-Gewinnspiel-Moderatoren zu sehen sind. "Rüttel das Fett weg!", dachte ich mir.

Aber zuerst mal die Wohnung ausräumen. Am Anfang lief alles prima: Die leichten Kisten auf den Lastwagen werfen, unnütze Dinge kurz- und kleinhauen und endlich das unsägliche Portraitfoto ihrer ersten großen Liebe verschwinden lassen.

Nach zwei Stunden allerdings wirkt es, als hätten die Götter den Slow-Motion-Button auf ihrer himmlischen Fernbedienung gedrückt. Man will den schweren Karton tragen, aber plötzlich dauert ein einzelner Schritt drei Sekunden, die 15 Meter von der Wohnungstür zum Lastwagen wirken, als würde man sie durch ein umgedrehtes Fernglas betrachten.

Nach acht Stunden ist die Wohnung leer. Ich will gerade im Massagesalon anrufen und fragen, was eine 24-Stunden-Ganzkörper-Massage kostet, da sagt mein Kumpel: "Streichen muss du auch noch, oder?" Ich merke, wie meine rechte Halsschlagader nervös zu zucken beginnt und höre so ein leises Knacken hinten in meinem Gehirn.

Da für meine Frau "weiß" keine Frabe ist, sahen ihre Zimmer aus wie ein Bonbon von Quality Street: komplett rosa mit goldenen Elementen. Der Verkäufer im Baumarkt lächelt nur mitleidig, als ich ihn frage, welche Farbe ich benötige, um das alles wieder weiß zu kriegen.

Lange Geschichte, kurzes Ende: Beim Möbel-Schleppen habe ich mir die unteren Rückenwirbel derart gestaucht, dass meine Versicherung darauf verzichten wird, mich gegen einen Bandscheibenvorfall zu versichern. Beim Streichen wurden die oberen so gedehnt, dass mein Spitzname "Wasserbüffel" wohl bald in "Giraffe" umbenannt wird. Mir tun Muskeln weh, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren.

Abends lege ich mich dann auf zwei Umzugskartons - die Couch ist ja belegt mit den Klamotten meiner Frau. Ich nehme den Bauch-Weg-Rüttler, schnalle ihn mir um die Hüfte und schalte ein. Das Ding schüttelt mich durch, als wolle es mein Inneres zu einem leckeren Cocktail mixen. Huiuiui, das Ding hat vielleicht Power!

Ich will mich gerade vom ersten Schüttel-Stress erholen, als ich die Produktbeschreibung entdecke. Da ist eine gut gebaute Frau drauf, die offensichtlich weniger isst als ich und mehr Sport treibt. Außerdem hat sie sicher eine Dauerkarte im Solarium. Auf dem ersten Bild hat sie den Gürtel konventionell um die Hüfte geschnallt.

Auf der zweiten Abbildung sehe ich, dass der Gürtel auch wunderbar um die Schulter passt. Es gibt noch Bilder, wo das Ding um den Oberschenkel geschnallt ist und auf dem Rücken liegt. Ok, denke ich mir, vergessen wir die Diät- und Abnehmsache mal für einen Moment. Ich lege mir den Gürtel an die Oberarme und lasse mich kräftig durchrütteln. Dann den Rücken, dann die Beine. Einmal komplett durchrütteln dauert zwei Stunden, danach fühle ich mich, als hätte Massage-Gott Klaus Eder höchstpersönlich Hand angelegt. Ob das Ding taugt, den Bauch kleiner zu machen, weiß ich nicht. Aber als Muskel-Entspanner ist der Gürtel grandios.

Den hebe ich auf - der nächste Umzug kommt bestimmt.

Ach ja: Ein halbes Kilo habe ich doch verloren! Ich wiege 90! Noch ein bisschen und die "8" steht wieder vorne. Es geht voran. Ich bin hochmotiviert!

Der Rüttler war eine prima Sache! Aber seit ich in dieser Woche gelesen habe, dass Oldie-Boxer Henry Maske mit 42 fitter ist als ich mit 27, habe ich einen Plan: Ich halte eine Woche das Trainingsprogramm von Henry durch. Anschließend fordere ich Stefan Raab zum Kampf heraus.

Immer noch kein Bild von unserem Autor? Am 15. April können sie mal sehen, wie seine Wampe aussieht. Er ist zu Gast in der Sendung "Weck Up!" bei Sat.1.

Ab sofort können Sie alle Kolumnen auch bookmarken, um sie schneller zu finden: Einfach www.sueddeutsche.de/sixpack eingeben und keine Kolumne verpassen!

"Projekt 15" erscheint regelmäßig bei sueddeutsche.de. Wollen Sie einen Kommentar zur Kolumne abgeben möchten, können Sie das gerne unten tun.

Wollen Sie dem wild Entschlossenen eine Nachricht schicken, ihm Tipps, Rezepte und Tricks verraten, bitte an diese Adresse:

juergen.schmieder@sueddeutsche.de

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de)