Von Jürgen Schmieder

Unser Autor hat an einem Rad-Rennen teilgenommen - und auch noch gewonnen. Hinterher musste er aber feststellen, dass eine Radhose angebracht gewesen wäre.

Ich drehe mich um. Der Typ ist immer noch da. Ich trete schneller. Hilft nichts. Er hängt an meinem Hinterreifen, als wäre mein Fahrrad ein Tandem. Ich schwitze. Er grinst. Ich werde wütend und trete fester. Warte nur, Bürschchen, dich hänge ich ab!

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Wenn man wild entschlossen ist, 15 Kilo abzunehmen, dann darf man sich nicht mit dem normalen Programm begnügen. Umstellen der Ernährung, ein bisschen mehr Sport, weniger Alkohol - das ist alles schön und gut und zeigt auf lange Sicht deutliche Erfolge. Aber wenn man sich einen kurzfristigen Push geben will, dann muss man zu härteren Mittel greifen.

Ich bin also in die Schweiz gefahren, um an der Bike-Challenge von Mountainbike-Weltmeister Thomas Frischknecht teilzunehmen. Nach zwei Tagen Höhentraining auf 2000 Metern habe ich eine Überdosis Sauerstoff in meinen Lungen - ich könnte im Stehen einschlafen. Auf der anderen Seite fühle ich mich topfit und bereit für das große Rennen am Sonntag. Ich wähle die Kurzstrecke über 28 Kilometer, dabei sind 500 Höhenmeter zu überwinden.

Am Start ist die Laune gut: Die Fahrer begrüßen sich, klatschen sich ab, hauen sich auf die Schulter. Dann wird es ernst, der Moderator ruft: "Die Fahrer für die Kurzstrecke machen sich bitte bereit." Dann liest er die 120 Teilnehmer vor. Als ich meinen Namen höre, rolle ich unter tosendem Applaus von fünf Menschen - meine Frau und zwei befreundete Paare - an die Startlinie.

Bereits nach einem Kilometer merke ich: Wenn der Schweizer von "Mountainbike-Rennen" spricht, dann meint er damit keinen Anstieg oder einen kleinen Hügel. Er meint die Eiger-Nordwand! Drei Minuten nach dem Start geht es bergauf. Ist das ein Berg oder eine Kletterwand? Ich will glänzen und ziehe einen Zwischenspurt an - den ich immerhin eine Minute durchhalte. Herrgott, ist das steil! Meine Oberschenkel schwellen an, dafür wird meine Lunge immer enger.

Die Wurzel kommt

Ein zehnjähriger Steppke überholt mich derart schnell, dass ich kurz mal nachsehen muss, ob ich auch wirklich noch vorwärts fahre. Oben auf dem Berg sehe ich auf den Tacho: Erst 3,2 Kilometer. Ich denke mir: Wisst Ihr was? Wenn das so weitergeht, steige ich ab.

Ich schnaufe wie ein Taucher, der gerade zwei Minuten unter Wasser verbracht hat und versuche, Energie zu bekommen. Ist gar nicht so einfach: Mit der linken Hand halte ich das Fahrrad auf dem Weg, mit der rechten versuche ich, die Trinkflasche aus dem Halter zu ziehen. Wenn jetzt eine Wurzel oder ein Ast kommt, ist es um mich geschehen. Als mir dann noch ein Streckenposten eine Banane in die Hand drückt, fahre ich plötzlich freihändig. Panik.

Lesen Sie im zweiten Teil: Schmerzende Körperteile, der innere Schweinehund und der spannende Endspurt.

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