Von Johan Schloemann

Ich und Körperpolitik: Wie sinnvoll ist die neueste Schlankheitskampagne der Bundesregierung?

Sigmar Gabriel, der Bundesumweltminister, ist eine Belastung für das Weltklima. Nicht einfach deshalb, weil er es schwer hat, einen wirksameren Klimaschutz in der Regierung gegen Industrie und Autolobby durchzusetzen. Nein, sondern weil er ganz persönlich schwer ist.

Schlankheitswahn; iStockphotos

Schlankheitswahn: stolz, wenn die Pfunde purzeln (© Foto: iStockphotos)

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Der immer feister gewordene Minister trägt nämlich, zusammen mit allen anderen Feisten dieser Erde, mehr zur globalen Erwärmung bei, als es die Dünnen tun. Statistisch gesehen.

Denn Dicke essen mehr, mehr Nahrungsmittelproduktion erzeugt mehr Treibhausgase, und es braucht auch mehr Energie, um sie durch die Gegend zu transportieren. Das hat die London School of Hygiene & Tropical Medicine in einer Studie vorgerechnet, die im Mai veröffentlicht wurde.

Schaut man auf die vielen anderen kleinen und großen Sigmar Gabriels in den Kindergärten und in den Biergärten, versucht man sie dabei als einzelne Menschen wahrzunehmen, und stellt man dem den "nationalen Aktionsplan" gegen Fettleibigkeit gegenüber, den das Bundeskabinett am Mittwoch bewilligte - dann muss man feststellen: Das Dicksein ist eine Zumutung für den modernen Liberalismus.

Fett, Zucker und Freiheit

Denn im Grunde muss ihm jeder staatliche Dirigismus zuwider sein, der jetzt, nach dem Rauchverbot, mit allerlei öffentlichen Erziehungsmaßnahmen und Sanktionen eine Verhaltens-, ja eine Formveränderung der Menschen erzwingen will. Sollte nicht der Einzelne selbst frei entscheiden, ob er mit Chips und Cola auf dem Sofa sitzen will und ob er die Treppe statt des Aufzugs nimmt?

Allerdings enthielt ein vernünftiger Liberalismus immer auch den umgekehrten Anspruch an den Einzelnen, sich um eine einigermaßen angemessene Lebensführung und ein gewisses Maßhalten im Umgang mit anderen zu sorgen.

Was bleibt uns also übrig als die Sozialisierung dieser Sorge, wenn die Freiheit in der Konsumgesellschaft so massiv missbraucht wird, wenn die Leute also nach einer gezielten Fett- und Zuckerdiät zu leben scheinen, um zu Diabetes und Herzkrankheiten zu gelangen und das Gesundheitssystem, vom Weltklima einmal abgesehen, zum Zusammenbruch zu bringen?

Das Essen, dessen Verfügbarkeit eigentlich ein klassisches Gerechtigkeitsthema ist, wird so zur Ungerechtigkeit, die auch der härteste Individualist in ihrer Maßlosigkeit abstoßend finden muss.

Nicht nur das allgemeine Freiheitsdenken, auch der korporatistisch organisierte Wirtschaftsliberalismus kommt in ein Dilemma, wenn der Bürger in die Breite geht. Liegt unseren Wirtschaftsverbänden gedanklich doch ein doppeltes Freiheitsversprechen zugrunde: an den Verbraucher, der sich selbst aussuchen darf, was er "braucht", sowie an die Produzenten von Waren, und seien es auch Gummibärchen.

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