Knigge für die Feiertage "Ein Geschenkverbot gilt es zu brechen"

Darf man dem Partner ein Geschenk kaufen, obwohl vereinbart ist, dass man sich nichts schenkt?

"Ja, das darf man, denn so eine Vereinbarung gleicht einem unsittlichen Vertrag, den es zu brechen gilt. Ein Geschenk - vor allem, wenn es von Herzen kommt - zeigt eine Beziehung zu jemandem an, der Vorgang des Schenkens ist eine schöne Dokumentation dieses besonderen Verhältnisses. Das gegenseitige Verbot, sich etwas zu schenken, stellt eine Herabwürdigung dieser Beziehung dar. Sicher: Ist die Vereinbarung einmal getroffen, und einer der Partner überreicht an Heiligabend trotzdem ein Geschenk, mag sich der Beschenkte düpiert und betrogen fühlen, weil er nichts zum Zurückschenken hat. Das zeigt jedoch ein ganz anderes Problem an: das Missverständnis, dass auf Geschenke wie beim Tausch mit einem Gegengeschenk zu reagieren ist. Tatsächlich sollte der Schenkende nie darauf spekulieren, dass der Beschenkte sich mit einer gleichwertigen Gabe revanchiert. Sonst könnte man sich an Weihnachten einfach gegenseitig 50-Euro-Scheine aushändigen, und die Rechnung ginge gerecht auf."

Arnold Retzer arbeitet als Paartherapeut und Buchautor in Heidelberg.