Viele Kinder fühlen sich fremd in der Natur, weil ihre Eltern absolute Sicherheit wollen. Nun formiert sich eine Gegenbewegung: Kinder, klettert wieder auf Bäume!
Die Zehen zuerst. Da kitzelt was. Gleich piekst es. Und krabbelt. "Gras", schreit das kleine Mädchen. "Gras." Und zieht die Füße wieder zurück. Besser auf den Steinplatten bleiben. Deren Beschaffenheit kennt sie.
Natur erleben: Ein Mädchen im Weizenfeld riecht an einer Mohnblume. (© Foto: ap)
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Drei Jahre ist sie alt, sie wohnt in einer sehr großen Stadt mit sehr wenigen öffentlichen Parks, und Gras ist etwas eindeutig Neues für sie. Ein bisschen unheimlich. Die Hängematte zwischen den Bäumen ist ihr auch nicht geheuer und auch der Wasserschlauch mit Wasser drin, und irgendwie passt auch die Kleidung nicht fürs Herumtoben. Merkwürdig kann die Welt draußen erscheinen, wenn die Spielorte, die sie kennt, vor allem aus Sand und Teer bestehen. In die Natur begibt sie sich wie in ein Kampfgebiet, im Sommer 2009.
Ein neues Wohlstandselend
Vor kurzem schrieb ein bedeutender amerikanischer Kolumnist, der sich gewöhnlich um die Rechte der Unterdrückten kümmert, wie es sich anfühlt, wenn man eine amerikanische Bananenschnecke (Ariolimax) abschleckt (die Zunge wird taub). Es ging allerdings nicht um ungewöhnliche neue Foltermethoden.
Nicholas Kristof von der New York Times, zweifacher Pulitzer-Preisträger, sorgt sich um ein neues Wohlstandselend: den Verlust des Naturerlebnisses bei Kindern. Kinder, und das meint nicht nur Kristof, sollten das große Draußen kennenlernen. Also in ihrem Leben einmal eine Schnecke abschlecken. Oder einen Regenwurm. Vielleicht einmal vom Baum fallen (nicht zu sehr). Baumhäuser bauen. Ameisenhügel untersuchen. Mit ein paar Freunden, aber ohne Eltern von der Art, die ständig über ihnen kreisen wie Polizeihubschrauber.
Generation ohne Beziehung zur Natur
Psychologen haben das Phänomen der Naturfremde schon länger beobachtet - eine britische Studie hat nun statistisch nachgewiesen, dass sich inzwischen mehr Kinder verletzen, weil sie aus dem Bett fallen anstatt aus Bäumen. Und das liegt keineswegs daran, dass sich Kinder in den letzten Jahren zu begnadeten Baumkletterern entwickelt hätten. Sie tun es einfach immer weniger.
Untersuchungen aus verschiedenen westlichen Ländern zeigen zunehmend, dass hier eine Generation heranwachsen könnte, die keine Beziehung mehr zur Natur hat. Britische Kinder können kaum noch die wichtigsten Vogelarten der Insel auseinanderhalten. Deutsche Kinder wissen zwar, dass Kühe nicht lila sind, dafür malen sie Enten so gelb wie die Quietsch-Ente in der Badewanne. Der Besuch amerikanischer Nationalparks sank in den letzten Jahren um 25 Prozent. Die Amerikaner haben einen neuen Namen für diese zunehmende Unkenntnis und Unerfahrbarkeit der Natur erfunden: "Nature Deficit Disorder." Naturmangelstörung.
Geprägt hat diesen Begriff der Autor Richard Louv in seinem Buch "Last Child in the Woods", das er 2005 veröffentlichte und das seither Furore macht. Kinder, lautet Louvs These, verbringen immer weniger Zeit in der Natur, was aber nur zum geringsten Teil daran liege, dass Menschen zunehmend in Städten leben. Denn Natur kann man überall finden: in einer Ansammlung von Büschen und wildem Gras, das sich durch den Asphalt schmuggelt, in einem Hinterhof oder in verlassenen Lagerräumen, in denen man sich verstecken kann. Zum Naturerleben gehört aber eines unbedingt: die Zeit und die Freiheit, unbeaufsichtigt die Welt zu entdecken.
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Brasiliens Präsidentin Roussef
ganz ehrlich finde ich diesen artikel erbarmungswürdig schlecht. er trägt inweihevoll, jammernden ton zusammen, was seit jahren in anderen artikeln pointierter und genauer berichtet wurde.
mein sohn wächst mitten in der großstadt auf, war jahrelang im naturkindergarten, hat 3 städtische parks in der nähe, kann fahrradfahren und schwimmen...
wo sind denn die ganzen gängeleltern mit mandarinkindermädchen und rundumwellnessprogramm. wenn ich die kinder in den parks sehe wie sie mit riesenehrgeiz skateboardtricks ausprobieren, balancieren, fußball, basketball...spielen kann ich obigen artikel nicht nachvollziehen.
früher war nicht alles besser, überbehütete kinder gab es meiner ansicht früher sogar
mehr trotz hippiezeit (wogegen hätten die denn sonst protestiert).
umgekehrt wird heute in der schule wesentlich mehr verlangt und vorausgesetzt als "früher".
man sollte heute eltern machen lassen und sich nicht über sie lustig machen.
Als wir Kinder waren, haben uns weder Landwirte von den Wiesen verscheucht und zudem bei vielen Untaten die wir begangen haben weggeschaut. Auch nach der Dämmerung hat uns weder ein Jäger noch ein Förster aus dem Wald verscheucht.
Unsere Wiesentäler und unsere Wälder waren einmal deutsches Kulturgut - heute steht Profit auf dem Vordergrund. Die Staatsforsten forsten ganz und gar nicht ökologisch sinnvoll auf, sondern ökonomisch und auf Maximalrendite fixiert. Die Forst muss schließlich schwarze Zahlen schreiben. Um ungehindert Ökosysteme ausplündern zu können, sind Gäste in unseren deutschen Wäldern nicht mehr gerne gesehen. Die Verantwortung für die Entfremdung der Menschen von der Natur tragen allererst Diejenigen, die die Natur beheren und davon leben.
dem kann ich nur zustimmen.
Wir haben Nachbarn deren Kids im eigenen gesicherten Garten nur mit Fahrradhelm spielen dürfen obwohl diesen Kindern nichts fehlt. Diese Eltern gibt es leider wirklich.
Für mich gibt es nichts Schöneres für Kinder als sich selbst im Einklang mit der Natur zu entdecken und ich bin froh dass die Kinder meines Partners diese Möglichkeit haben und Nutzen. Die meisten Kinder hier rennen gottseidank noch draussen rum, klauen Äpfel und sammeln Käfer.
Wir leben allerdings klassich auf dem Land, was für Kinder eine große Gnade ist.
In der Großstadt - in der ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe - gibt es heute aber einfach auch zu wenig Freiräume und vor allem: zu wenig Natur, meiner Meinung nach.
ein guter Artikel und eine Bestätigung für alle Eltern, die sich anders verhalten als hier geschildert.
Ich finde ein bisschen sollte man seine Kinder schon überwachen, aber ohne ihnen reinzureden, draußen wie drinnen.
Einen guten und wertvollen Beitrag zur Naturerfahrung leisten beispielsweise die Kinder- und Jugendgruppen des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) und des NABU (Naturschutzbund Deutschland, hier ist es der NAJU (Naturschutzjugend)).
Nur leider wird diese Arbeit zu wenig von der Politik gewürdigt und gefördert. Was die genaue Ursache dafür ist, bleibt unklar. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Politiker den Naturschutz als öffentliches Investitionshindernis verunglimpfen.
Bedrohlich ist, dass in weiten Landstrichen der Nachwuchs für die ehrenamtliche Naturschutzarbeit ausbleibt. Hier ist es besonders bedauerlich, dass damit auch die wertvolle pädagogische Arbeit für Kinder und Jugendliche verschwindet.
Der Wert einer intakten Natur für den Erhalt der psychischen Gesundheit wird übersehen. Dieses macht sich in zwei Punkten bemerkbar:
1. Natur wird nicht als wertvoll angesehen und daher auch nicht als besonders schützenswert. Der Raum für vielfältige Naturerfahrungen wird knapper.
2. Naturerfahrungen werden als unwichtig und z.T. als bedrohlich für die eigenen Kinder wahrgenommen.
Hierin lässt sich ein gewisser Teufelskreis erkennen, denn den folgenden Generationen wird der Wert der Natur nicht vermittelt.
Hier bedarf es in unserer Gesellschaft eine deutlichere Bewegung zur Biophilie!!!
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